Berlinale-Filmreihen

Forum - Eine Werkstatt für das politische Weltkino

Eberhard von Elterlein

Gibt es denn im Forum nicht etwas für Romantiker", werde ich gefragt, und ich drehe und wende das Programm mit seinen insgesamt 57 Filmen und schüttele nach langem Nachdenken den Kopf. Nein, das Forum ist auch in seinem 41. Jahrgang kein Ort für Wirklichkeitsflüchtlinge und Idyllesucher, vielmehr eine spannende Werkstatt für das junge Weltkino und ein Seismograf für aktuelle gesellschaftliche Stimmungen.

Deutschland? Ist ein Hort zerrütteter Familien, Schauplatz politischer Debatten und Drehort für aufregendes Genre-Kino. Corinna Harfouch ist im gleichnamigem Film von Jan Krüger "Auf der Suche" nach ihrem Sohn - und muss das Bild von diesem bald revidieren. In "Swans" besucht Ralph Herforth mit seinem Sohn seine im Koma liegende Exfrau im Krankenhaus - und es entstehen Szenen von bizarrer Zärtlichkeit. Volker Sattel schaut mit geschmeidigen Kamerafahrten in das Innenleben von Atomkraftwerken. Ergebnis des gleichnamigen Dokumentarfilms: "Unter Kontrolle". Und Sebastian Heidinger blickt von Deutschland aus in die Welt, wenn er in "Traumfabrik Kabul" die afghanische Polizistin und Filmemacherin Saba Sahar porträtiert. Ein Leckerbissen für Kinofans dürfte schließlich das filmische Triptychon "Dreileben" sein, in dem Christian Petzold, Dominik Graf und Christoph Hochhäusler die Flucht eines Gewalttäters aus jeweils unterschiedlicher Perspektive erzählen.

Und der Rest der Welt? Ist voller zerstörter Menschen und Plätze. In "Cheongyecheon Medley" stirbt ein Stadtteil von Seoul, in "De Engel van Doel" muss gleich ein ganzes Dorf der Hafenerweiterung von Antwerpen weichen; in dem brasilianischen Spielfilm "Os residentes" feiern die Bewohner eines Abrisshauses die Revolution im Kollektiv, während sich in "Made in Poland" ein Punk auf eine einsame Wut-Tour de Force durch Warschau begibt. Hier gibt es den Hauch einer Liebesgeschichte, ohne Happy End.