Filmreihen der Berlinale

Panorama - Porträts, Politsatiren und Berlin-Filme

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Thomas Abeltshauser

Trotz des Einbruchs, bei dem der Computer mit den Filmdaten der brisanten Dokumentation "Khodorovsky" gestohlen wurde, ist die geplante Vorführung ungefährdet, denn eine Kopie lag dem Festival bereits vor. Dem Porträt über den inhaftierten russischen Oligarchen Michail Chodorkowski ist besondere Aufmerksamkeit gewiss.

Der Film ist einer von 20 Dokumentarfilmen, die in der Sektion Panorama laufen, neben 30 Spielfilmen (davon 16 im Hauptprogramm und 14 in der Special-Schiene) sowie drei Kurzfilmen. Für Aufregung dürften bereits die Eröffnungsbeiträge sorgen. Zwei Politfarcen stehen heute auf dem Programm: "The Devil's Double" erzählt nach realen Begebenheiten die Geschichte eines irakischen Soldaten, der Anfang der 1990er Jahre aufgrund seiner Ähnlichkeit mit Saddam Husseins Sohn Uday gezwungen wird, den psychopathischen Diktatorensproß als Doppelgänger bei öffentlichen Auftritten zu vertreten. Regisseur Lee Tamahori schießt in seiner Horrorshow weit übers Ziel hinaus. Die weitaus gelungenere Satire "Qualunquemente" handelt von einem italienischen Kleinstadt-Ganoven, der selbst in die Politik einsteigt, um seine geschäftlichen Interessen vor allzu viel Gesetzestreue zu schützen. Die Parallelen zu Berlusconi sind überdeutlich, was in dessen Heimat bereits zu Kontroversen geführt hat. So absurd viele Szenen sind, ahnt man doch: die sich derzeit in Italien abspielende Realseifenoper ist weitaus bizarrer.

Sehr subtil und berührend erzählt die Französin Céline Sciamma in "Tomboy" von einem zehnjährigen Mädchen, das lieber ein Junge wäre. Der Eröffnungsfilm des Hauptprogramms ist zugleich einer der Favoriten des schwullesbischen Filmpreises Teddy.

Ein weiterer Schwerpunkt der Sektion sind Biographien verstorbener Künstler, von "Mama Africa" über die südafrikanische Sängerin und Menschenrechtskämpferin Miriam Makeba, dem Werner Schroeter-Porträt "Mondo Lux", "Leicht muss man sein, fliegen muss man können" über den Fotografen Herbert Thomas sowie "Brasch - Das Wünschen und das Fürchten" über den ostdeutschen Schriftsteller, der 1976 in den Westen ausgewandert ist.

Eine Reihe von Dokumentationen beschäftigt sich zudem mit Berliner Themen. Rosa von Praunheim gibt in "Die Jungs vom Bahnhof Zoo" Einblicke in Alltag und Lebensgeschichten von fünf Strichern. Anschaffen ging jahrelang auch die transsexuelle Partyveranstalterin Chantal, die in "House of Shame / Chantal All Night Long" porträtiert wird. "The Big Eden" wirft einen Blick auf den schillernden Playboy Rolf Eden und seinen großen Selbstdarstellungsdrang, während "Im Himmel, Unter der Erde" die Geschichte des größten jüdischen Friedhof Europas in Weißensee beleuchtet.