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Polizei befürchtet Attacken auf die Berlinale

Nach der Räumung des besetzten Hauses Liebigstraße 14 ist die gewaltbereite Berliner Szene nach Polizeiangaben besonders aktiv. Ziel von öffentlichkeitswirksamen Aktionen könnten deshalb auch die Filmfestspiele werden.

Foto: REUTERS

Die Berlinale beschäftigt auch die Polizei – und das weit mehr als in den vergangenen Jahren. In einer behördeninternen, als Verschlusssache eingestuften Lageeinschätzung wird vor möglichen Störungen der Veranstaltung durch linksextremistische Gruppen gewarnt. Als erste Sofortmaßnahme wurde eine Verstärkung der Aufklärungsarbeit durch Zivilbeamte, insbesondere in den Nachtstunden, angeordnet. Auf diese Weise sollen Störversuche der Szene frühzeitig erkannt und schon im Ansatz unterbunden werden.

Offiziell heißt es bei der Polizei lediglich, man werde mit ausreichender Stärke im Stadtgebiet präsent sein und besonders Veranstaltungen im Auge behalten, die Ziel von Störern sein könnten. Ein ranghoher Beamter bestätigte Morgenpost Online, die Berlinale spiele in den Planungen und Lageanalysen der Behörde „eine gewichtige Rolle“. Die gewaltbereite Szene sei seit der Räumung des Hauses Liebigstraße 14 besonders aktiv, und eine Veranstaltung, die von zahlreichen in- und ausländischen Fernsehteams beobachtet werde, biete eine öffentlichkeitswirksame Plattform für Aktivitäten, sagte der Beamte. Nach Informationen von Morgenpost Online wurden vor allem Einsatzkräfte in Zivil aufgefordert, ihre Fahrzeuge zu überprüfen, wenn diese zwischenzeitlich ohne Aufsicht abgestellt werden. Dabei solle auf mögliche Manipulationen an den Fahrzeugen oder angebrachte Gegenstände geachtet werden. „Eine solch deutliche Warnung vor möglichen Anschlägen auf Polizisten habe ich bislang noch nicht erlebt“, sagte ein Zivilbeamter.

Berlinale-Chef Dieter Kosslick bestätigte die enge Zusammenarbeit der Festivalleitung mit der Polizei: „Wir stimmen unsere Sicherheitsmaßnahmen mit den Behörden, insbesondere der Polizei, ab und passen sie gegebenenfalls einer Gefahrenlage an“, sagte er am Mittwoch.

Beamte befürchten, dass die linksextremistische Szene in Berlin versuchen wird, bis zum 1. Mai oder gar bis zu den Wahlen zum Abgeordnetenhaus im Herbst immer wieder Anschläge und Gewalttaten zu begehen.