Höhepunkte

Diese Berlinale-Filme sollten Sie sehen

Von Donnerstag an sind auf dem Berliner Festival fast 400 Filme zu sehen. Morgenpost Online stellt 16 Höhepunkte der Berlinale vor.

Der Vorverkauf für die Berlinale 2011 (10. bis 20. Februar) läuft. Da heißt es, rechtzeitig für Tickets anstehen, immer drei Tage im Voraus, bei Wettbewerbswiederholungen sogar vier. An den Schlangen in den Berliner Potsdamer-Platz-Arkaden, im Kino International und in der Urania oder online . Doch bei 385 Filmen im offiziellen Programm fällt die Auswahl wahrlich nicht leicht. Was sehen? Um Ihnen ein wenig die Orientierung zu erleichtern, präsentieren wir 16 Filme, die Sie nicht verpassen dürfen.

Vier Filme für Romantiker

The King’s Speech (Berlinale Special) – Der große Favorit im Oscar-Rennen wird auch ein Highlight auf der Berlinale. Eigentlich geht es in diesem Historienepos ja um große politische Themen, um einen Prinz, der stottert und dennoch König wird. Den ein Logopäde heilen muss, damit er eine große Rede zum Kriegseintritt halten kann, live im Radio! Aber nebenbei gibt es, wie bei „The Queen“, einen Schlüssellochblick in den Buckingham-Palast und wir sehen George VI. (Colin Firth) und die spätere Queen Mom (Helena Bonham-Carter) als ganz normales Ehepärchen.

(16.2., 21 Uhr, Friedrichstadtpalast; 17.2., 17.30 Uhr, International)

Sing Your Song (Berlinale Special) – Na gut, als „Shine A Light“ 2008 die Berlinale eröffnete und die Rolling Stones über den roten Teppich wandelten, war das vielleicht eine noch größere Attraktion. Aber Harry Belafonte dürfte ihnen an Legende kaum nachstehen. Der 82-Jährige hat mit seinen Songs manches Herz zum Schmelzen gebracht und sich auch als Filmschauspieler bewährt. Nun hat Susanne Rostock eine Doku über ihn gedreht, der Weltstar wird ihn selbst in Berlin vorstellen. Und man wird ihn sicher beim Wort nehmen und um einen Song bitten.

(Friedrichstadtpalast, 13.2., 21 Uhr sowie 14.2., 9.30 u. 15 Uhr)

Dreileben (Forum) – Ein absolutes Highlight dieses Festival ist dieses spannende Gemeinschaftsprojekt. Drei hochrangige deutsche Regisseure drehten drei Filme über einen Sommer, einen Täter, eine Flucht und eine Liebe. Drei Geschichten mit einem gemeinsamen Bezugspunkt, aber aus unterschiedlichen Perspektiven und mit gänzlich unterschiedlichen Stilen erzählt. Christoph Hochhäusler drehte den ersten Teil, „Eine Minute Dunkel“, Christian Petzold den zweiten, „Etwas Besseres als den Tod“ und Dominik Graf Teil Drei, „Komm mir nicht nach“.

(16.2., 18 Uhr, Delphi; 20.2., 14 Uhr, International)

Shanzha shu zhi lian (Generation 14 plus) – Als Zhang Yimous erster Film „Rotes Kornfeld“ 1988 den Goldenen Bären gewann, entdeckte der Westen mit ihm auch das Kino Chinas. Yimou war seither häufiger zu Gast. Dass sein jüngster Film nun in der Kinder- und Jugendfilmsparte „versteckt“ ist, verwundert ein wenig. Um große Themen geht es gleichwohl: Eine Frau wird zur Umerziehung in ein Bergdorf geschickt und verliebt sich dort in einen jungen Mann. Die Liebe in Zeiten der Kulturrevolution.

(12.2, 20 Uhr, Haus der Kulturen der Welt 1; 13.2., 16.30 Uhr, Cinemaxx 3; 19.02., 20 Uhr, Haus der Kulturen der Welt 1)

Vier Filme für harte Kerle

Unknown (Wettbewerb) – Der Thriller von Jaume Collet-Serra wurde letztes Jahr in Berlin gedreht. Etliche Schaulustige sahen zu, wie ein Taxi über die Oberbaumbrücke stürzte (gr. Foto) oder das Hotel Adlon zur Trümmerburg wurde. Jetzt endlich erfährt man, was es mit diesen spektakulären Szenen auf sich hat. Ein US-Wissenschaftler (Liam Neeson) erwacht nach einem Unfall aus dem Koma und muss erfahren, dass ein anderer ihm seine Identität geraubt hat. Mit einer Taxifahrerin (Diane Kruger) versucht er zu beweisen, wer er ist.

(18.2., 19.30 Uhr, Berlinale-Palast; 19.2., 12 u. 23 Uhr, Friedrichstadtpalast sowie 20 Uhr, Urania)

Tropa de Elite 2 (Panorama) – Vor drei Jahren erhielt „Tropa de Elite“ den Goldenen Bären. Jetzt hat José Padilha eine Fortsetzung über die umstrittene Sondereinheit in Rio de Janeiro gedreht. Schon der erste Teil hat wegen seiner mehrdeutigen Darstellung der Polizeigewalt, des Drogenhandels und der Folter heftige Debatten in Brasilien wie im Ausland ausgelöst.

(11.2., 18 Uhr, Friedrichstadtpalast; 12.2., 10.30 Uhr, Cinemaxx 7; 12.2., 21.30 Uhr, Die Kurbel; 13.2., 14.30 Uhr, Cubix 9;18.2., 18 Uhr, Friedrichstadtpalast)

Coriolanus (Wettbewerb) – Wenn ein britischer Schauspieler sich beweisen muss, dann spielt er Shakespeare. Wem das immer noch nicht reicht, der inszeniert ihn auch, selbstredend mit sich in der Hauptrolle. Man denke nur an Laurence Olivier oder Kenneth Branagh. Ihnen eifert nun auch Ralph Fiennes nach. Er adaptiert das eher selten gespielte Stück um den römischen Kriegshelden mit vielen Co-Stars, aber nicht brav historisch, Fiennes wuchtet es beherzt in die Jetztzeit.

(14.2., 19 Uhr, Berlinale-Palast; 15.2., 12 u. 23 Uhr, Friedrichstadtpalast u. 20 Uhr, Urania; 20.2., 12.30 Uhr, Friedrichstadtpalast)

True Grit (Wettbewerb) – Der Western ist die Domäne des Mannes. Hier reitet der Lonesome Cowboy einsam in die Prärie und keine Frau redet ihm rein. Von wegen: Im Berlinale-Eröffnungsfilm wird ein alter Marshal (Jeffrey Bridges) und ein junger Haudrauf (Matt Damon) von einem halbwüchsigen Mädchen (Neuentdeckung Hailee Steinfeld) herumkommandiert, das den Mord an seinem Vater rächen will. Der jüngste Streich der kultigen Coen-Brüder verspricht wieder sehr schräg zu werden; die Coens sind erstmals seit „The Big Lebowski“ wieder in Berlin.

(10.2., 20.30 Uhr, Friedrichstadtpalast; 11.2., 12 u. 15 Uhr, Friedrichstadtpalast)

Vier Filme für Tiefblicker

Pina (Wettbewerb, außer Konkurrenz) – Es sollte ein gemeinsamer Film werden. Fast 20 Jahre lang haben Wim Wenders und Pina Bausch überlegt, wie man einen Film über Bauschs Tanzensemble drehen könnte. Dann kam Wenders die Idee, wie Tanztheater im Kino noch mal ganz neu zu erleben wäre: mit 3D. Doch eine Woche vor Drehbeginn starb die Bausch. Nun wurde aus einem Film von ihr eine Hommage auf sie. Bauschs Ensemble-Stars tanzen ihre Stücke im Theater – aber auch draußen, im öffentlichen Raum. Schwebendes, federleichtes, traumtänzerisches Kino.

(13.2, 19.30 Uhr, Berlinale-Palast; 14.2., 14.30 u. 22 Uhr, 18.2., 17.30 Uhr, Urania)

The Mortician (Panorama Special) – Brillenzwang bei der Berlinale: Es werden gleich vier Filme in 3D gezeigt. Dieser britische Thriller von Gareth Mawell Roberts führt uns in eine gewalttätige, korrupte Stadt, in der die Armen in gesetzlose Ghettos gesteckt werden. Der Bestatter vor Ort, gespielt von HipHopper Mad Man, versieht seinen Job stoisch, bis ein Gangster über seine Schwelle tritt. Das lässt ein paar unappetitliche 3D-Effekte erwarten.

(12.2, 17 Uhr, Cubix 9; 15.2., 22.45 Uhr, CineStar 3; 20.2., 20.15 Uhr, Cinestar 3)

Cave of Forgotten Dreams (Sondervorführung) – Vergangenes Jahr war er noch der Präsident der Internationalen Jury; in diesem Jahr kommt Werner Herzog noch einmal auf die Berlinale und zeigt, wie Wenders, einen Dokumentarfilm in 3D. „Cave“ taucht ein in die Höhle von Chauvet im südfranzösischen Ardèche-Flusstal und zeigt die legendären, über 30?000 Jahre alten Höhlenmalereien, die erst vor 17 Jahren entdeckt wurden. Die Öffentlichkeit bekommt die über 400 Wandbilder sonst nie zu sehen, eine einmalige Chance also, in eine uralte Zeit einzutauchen.

(13.2., 22.30 Uhr, Berlinale-Palast; 14.2., 12 u. 17.30 Uhr, Urania)

Les contes de la nuit (Wettbewerb) – Ein Junge, ein Mädchen und eine ältere Technikerin treffen sich jede Nacht in einem Kino. Es ist ein magischer Ort, in dem sich die drei selbst in Geschichten hineinversetzen, die für sie in diesen Nächten wahr werden. Dieser französische Animationsfilm von Michel Ocelot träumt auch in technischer Hinsicht von Transzendenz: Er konfrontiert den Silhouettenfilm, wie ihn die Berliner Trickfilmpionierin Lotte Reiniger vor beinahe einem Jahrhundert etabliert hat, auf faszinierende Weise mit der allerneuesten 3D-Technik.

(13.2., 16.30 Uhr u. 20.2., 10 Uhr, Berlinale-Palast; 14.2., 10 u. 20 Uhr, Urania)

Vier Filme für Zeitreisende

Wer wenn nicht wir (Wettbewerb) – Wir kennen sie fast zur Genüge, die Baader-Ensslin-Geschichte. Auch auf der Berlinale sorgten RAF-Filme wiederholt für Eklats, von „Stammheim“ (1986) bis „Baader“ (2002). Der Dokumentarist Andres Veiel geht das Thema in seinem Spielfilmdebüt anders an: Er erzählt die Vorgeschichte, die Beziehung von Bernward Vesper (August Diehl) und Gudrun Ensslin (Lena Lauzemis), bis diese auf Baader (Alexander Fehling) trifft, und liefert Bilder, die der „Baader Meinhof Komplex“ vergaß.

(17.2., 19.30 Berlinale-Palast; 18.2., 12 u. 23 Uhr, Friedrichstadtpalast u. 18.30 Uhr, Eva; 19.2., 17.30 Uhr, Urania)

Stuttgart 21 – Denk mal (Perspektive Deutsches Kino) – Der Dokumentarfilm über die Wutbürger: Lisa Sperling und Florian Kläger, die vermutlich jüngsten Regisseure der Berlinale, haben selbst in Stuttgart demonstriert und entschieden sich spontan, mit geliehenen Kameras zu dokumentieren, wie eine der größten Bürgerinitiativen in Deutschland entstand. Mitten im Geschehen, liefern die Jungfilmer faszinierende Einblicke, wie sie noch keine Nachrichtensendung gezeigt hat.

(18.2., 16.30 Uhr, Cinemaxx 3)

Almanya – Willkommen in Deutschland (Wettbewerb außer Konkurrenz) – Was ist Heimat, was Fremde? Ende der Sechziger Jahre kommt ein Türke als 1?000?001. Gastarbeiter nach Deutschland. 40 Jahre später will er mit der ganzen Familie zurück in die Heimat, die für diese so fremd ist wie einst Almanya für ihn. Mit ihrer Komödie über das Los von Migranten haben die jungen Deutschtürkinnen Yasemin und Nesrin Samdereli den Film zur aktuellen Integrationsdebatte gedreht.

(12.2., 19.30 Uhr, Berlinale-Palast; 13.2., 12 Uhr, Friedrichstadtpalast u. 22.30 Uhr, Urania;14.2., 12 Uhr, Friedrichstadtpalast u. 21.30 Uhr, Passage)

The Big Eden (Panorama) – Ein Zeitdokument der ganz anderen Art, das man ebenso gut in der Rubrik „Harte Kerle“ hätte unterbringen können: Peter Dörfler hat Deutschlands letzten Playboy, Rolf Eden, porträtiert. Ein Paradiesvogel, der als Diskothekenkönig die ersten Misswahlen ins Leben rief und dem prüden Deutschland den Striptease beibrachte, ein ewiger Frauenheld, dessen Freundin heute jünger ist als sein Enkel und der, mit 80, seine eigene Welt, den Kudamm, überlebt hat. „The Big Eden“ feiert den Mann und blickt doch auch hinter seine Maskerade.

(15.2., 17 Uhr, International; 16.2., 14.30 Uhr, CineStar 7; 17.2., 15.30 Uhr, Cubix 7)