Filmfestspiele

Berlinale 2011 verspricht großes Kino

Am 10. Februar beginnt die Berlinale. Sie verspricht nicht nur einen Besuch der Pop-Queen Madonna, sondern auch großes Kino, den Einsatz von 3-D-Brillen und - neben allem Glamour - eine starke politische Komponente.

Madonna, Madonna. Alle fragen nur nach der Pop-Queen. Ja, sie könnte auf die Berlinale kommen. Ja, ihr neuer Film „W.E.“ wird hier gezeigt. Ja, aber nur auf dem European Film Market. Nein, es ist keine öffentliche Veranstaltung. Kein roter Teppich. Und gezeigt wird auch nicht der ganze Film. Sondern lediglich drei Minuten. „W.E.“ ist noch nicht fertig und soll erst in Cannes, dem bösen Konkurrenten in der Sonne, uraufgeführt werden. Und dennoch fragten alle gestern auf der Berlinale-Pressekonferenz ganz aufgeregt nach Madonna, die hier vor drei Jahren ihr Regiedebüt „Filth and Wisdom“ vorstellte.

Dabei gibt es einen Film zum Thema ja auch so zu sehen. „W.E.“ handelt von dem britischen Thronfolger Edward VIII., der sich in eine geschiedene, bürgerliche Amerikanerin verliebte – und deshalb zurücktrat. Um diese Kronkrise dreht sich auch „The King's Speech“, allerdings aus der Perspektive des jüngeren Bruders, der Edward als George VI. auf den Thron folgte. Obwohl er stark stotterte und in einem neuen Medium, dem Radio, live eine der wichtigsten Reden des Jahrhunderts halten musste: die zum Kriegseintritt.

Ein Tag lang nur 3D-Filme

„The King's Speech“ ging gerade mit zwölf Nominierungen als großer Favorit ins Oscar-Rennen und ist nun auch einer der Festival-Highlights, als Berlinale-Special im Friedrichstadtpalast. Madonna hin oder her: „King's Speech“ rollt einen roten Teppich aus, und über den wird auch Colin Firth wandeln, der für seinen George jüngst den Golden Globe bekam und auch den Oscar kriegen muss, wenn es eine Gerechtigkeit gibt. Und auch Helena Bonham-Carter wird kommen, die die Queen Mom spielt, als sie noch selber Queen war, und dafür ebenfalls Oscar-nominiert ist. Madonna hat es bislang nur zu Nominierungen für die Goldene Himbeere als schlechteste Schauspielerin gebracht.

Mit der Berlinale-Pressekonferenz beginnt für die Filmfans die traditionell schönste Jahreszeit der Stadt. Bis dato wurde schon ganz Berlin zugepflastert mit Plakaten, die in diesem Jahr ein einziges „B“ im Strahlenkranz tragen. Be Berlin – das war gestern. Jetzt steht B für Berlin, Berlinale und Begeisterung zugleich. Seit gestern liegen die Programme aus, jetzt hat man neun Tage Zeit, um sich sein Filmprogramm zu basteln. Und sich Strategien überlegen, wie man ab 7. Februar, immer drei Tage im Voraus, die Tickets ergattert.

Denn viele Filme werden wieder schnell ausverkauft sein. Angefangen bei dem Eröffnungsfilm „True Grit“, der ein Western ist und doch, betont Festivalleiter Dieter Kosslick, ein Frauenfilm. Es ist seit 13 Jahren, seit „The Big Lebowski“, der erste Berlinale-Film der Coen-Brüder. Und alle werden kommen, die Brüder, Jeff Bridges und Nachwuchsstar Hailee Steinfeld. Nur Matt Damon kann nicht, der dreht.

Noch ein Highlight, und ein Berlin-Muss obendrein, ist „Unknown“, der Thriller, den Jaume Collet-Serra im Frühjahr in Berlin gedreht, mit Liam Neeson, Diane Kruger und Bruno Ganz. Kevin Spacey, Jeremy Irons und Paul Bettany werden „Margin Call“ vorstellen, ob Demi Moore kommt, ist indes noch fraglich. Der Schauspieler Ralph Fiennes wird sich als Regisseur vorstellen, mit seiner Shakespeare-Verfilmung „Coriolanus“, und seinen Co-Star Vanessa Redgrave mitbringen. Als weitere Gäste werden Stanley Tucci, Marthe Keller, Danny Glover und Sandrine Kiberlain erwartet, die Regie-Titanen Chen Kaige, Wim Wenders und Mika Kaurismäki. Und auch der deutsche Film ist stark vertreten, mit knapp hundert Titeln im Programm und vielen Premieregästen. Die Retrospektive ist in diesem Jahr der schwedischen Regie-Ikone Ingmar Bergman gewidmet, die Hommage dem jüngst 80 gewordenen Schauspieler Armin Mueller-Stahl, der damit verbunden einen Ehrenbären erhält.

Insgesamt werden auf der 61. Berlinale 385 Filme aus 58 Ländern gezeigt, 22 davon im Wettbewerb, wobei 16 um die Bären konkurrieren. Nach der Jubiläumsausgabe im vergangenen Jahr will Kosslick in diesem Jahr „ein bisschen von vorn“ anfangen. Das heißt: Entdeckungen machen. Filmnachwuchs präsentieren. Und neue Tendenzen im Weltkino ausloten.

Zwei davon sollen sich wie ein roter Faden durch das Programm ziehen. Viele Beiträge handeln von Gewalt und wie man die Gewaltspirale durchbrechen kann, von amerikanischem Straßengang-Krieg bis zur albanischen Blutrache. Paargeschichten bilden einen zweiten Schwerpunkt, wobei diese nie rein privat bleiben, sondern etwas über die universelle Verlorenheit aussagen. Ein großes Thema ist zudem die 3D-Technik. Erstmals muss man auf der Berlinale die Spezialbrillen aufsetzen. Im Wettbewerb läuft der Trickfilm „Les contes de la nuit“, außerdem präsentieren mit Wim Wenders und Werner Herzog gleich zwei versierte Regisseure des Neuen Deutschen Films 3D-Technik im Dokumentarfilm. All diese Titel werden am ersten Berlinale-Sonntag vorgeführt, der damit zum 3D-Tag wird.

Demonstration für Jafir Panahi

Bis zur letzten Minute bleibt spannend, wie groß die Internationale Jury unter der Präsidentin Isabella Rossellini sein wird. Zu ihren sechs Mitjuroren soll neben Nina Hoss und Bollywoodstar Aamir Khan auch der iranische Regisseur Jafir Panahi gehören. Doch der wurde wegen seiner Regimekritik gerade zu sechs Jahren Gefängnis und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt worden. Eine Strafe, die in der ganzen Welt Empörung ausgelöst hat. Kosslick denkt nicht daran, den Platz anderweitig zu vergeben. Gäbe es Stühle für die Jury, würde er einen freihalten, sagte er mit Blick auf die jüngste Friedensnobelpreisverleihung.

Panahi soll dennoch dauerhaft präsent sein: Nach dem Eröffnungsfilm am 10. Februar beginnt das Offizielle Programm am 11. mit der Wiederaufführung von „Offside“, der 2006 einen Silbernen Bären gewann. Der rote Teppich soll für diese Vorstellung zum Demonstrationszug werden. Weitere Werke Panahis werden über alle Programmsektionen verteilt, und der Talent Campus veranstaltet eine Diskussionsrunde über Zensur im Iran. Kosslick will damit ein politisches Zeichen setzen. Und hofft dennoch, dass die iranischen Behörden Panahi reisen lassen und das Strafmaß abmildern werden.

Bei allem Glamour und Starrummel könnte diese 61. Ausgabe also auch eine evident politische Berlinale werden.

Das Berlinale-Programm ist ab sofort im Internet abrufbar: www.berlinale.de. In gedruckter Form liegt es der Mittwochsausgabe der Berliner Morgenpost bei.