Berlinale-Reporter

Unbeschwerter Kino-Genuss für Eltern

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Heike Dietrich

Zugegeben: Die Berlinale ist nur begrenzt etwas für Kinder. Die meisten Filme, bis auf jene in der Generation-Reihe, sind erst ab 18 Jahren freigegeben. Und damit haben kino-interessierte Eltern ein Betreuungsproblem. Ein zu lösendes allerdings. Denn es gibt seit fünf Jahren den Berlinale-Kindergarten. Ein Besuch.

Adam ist am Dienstag ganz allein. An den anderen Tagen dieser Berlinale 2010 war der Eineinhalbjährige immer von vielen Kindern umgeben. Jetzt aber spielt der Lockenkopf nur mit einer der vier Erzieherinnen im Kindergarten der Berlinale.

Ohne die anderen Kinder zu sein - das war zunächst ein bisschen ungewohnt für den Kleinen, sagt Erzieherin Josefine Zech. Aber jetzt sieht Adam ganz zufrieden aus. Er trägt sein Spielzeugauto herum und lächelt gewinnend. Der Junge ist eines von bis zu 20 Kindern, die während der Filmfestspiele im Untergeschoss der Gemäldegalerie auf dem Kulturforum, in Sichtweite zum Berlinale-Zentrum Potsdamer Platz, spielen.

Zweimal drei Stunden bleibt er an diesem Tag, während seine Mutter im Kino sitzt; an anderen Tagen waren es drei Stunden. Der Preis: Zwei Stunden kosten fünf Euro. Zwischen 10 und 19 Uhr ist der Kindergarten geöffnet. Oder in Absprache auch einmal fünf Minuten länger, falls der Film genau um 19 Uhr endet, sagt Josefine Zech. "Da sind wir flexibel."

Zech gehört wie ihre drei Kolleginnen zum Lillabo Hus e.V., der in Charlottenburg und Friedenau zwei Kitas unterhält und kürzlich in der Steglitzer Handjerystraße ein Familienzentrum eröffnete. Und zudem einen Event-Bereich betreibt: Jeden Sonnabend zum Beispiel können Kinder im Erdgeschoss des Stilwerks an der Kantstraße spielen (10-19 Uhr), während sich ihre Eltern nach Möbeln umsehen. Und einmal im Monat sonntags sind Zech und ihre Kolleginnen von 13 bis 16 Uhr im CinemaxX am Potsdamer Platz und veranstalten den "Kids-Club". Beides ist kostenlos.

Im Berlinale-Kindergarten gibt es Hüpfburg und Rutsche, einen Basteltisch und Spiele, die Kinder können sich schminken oder verkleiden. Wenn sie mögen, werden Märchen vorgelesen. Und wer müde ist, zieht sich in die Kuschelecke zurück. Adam war auch müde, als er an diesem Tag kam. Er wollte aber lieber in seinem Kinderwagen schlafen - sein Bezugspunkt. Auch jetzt wackelt der Junge, der gerade laufen kann, mit seinem Auto zu dem Wagen.

Adam ist eigentlich noch ein bisschen jung für den Kindergarten. Zwei bis zwölf Jahre sollten die Mädchen und Jungen sein, die dorthin kommen. Aber in Absprache werden Ausnahmen gemacht: "Das ist davon abhängig, wie wir die Kinder betreuen können", sagt Zech.

Der Ort bringt noch eine Besonderheit mit sich: Sonnabends und sonntags können die Kinder von 15 bis 16.30 Uhr an einer Führung durch die Gemäldegalerie teilnehmen. Eine Kunstpädagogin zeigt ihnen dann ein Bild. Ein Stillleben beispielsweise, das sie erklärt, indem sie die Kinder unterschiedliche Geschmacksrichtungen wie sauer und süß testen lässt.

Für Adam wäre die Führung vielleicht noch ein bisschen früh. Er setzt sich lieber wieder auf den Boden und spielt mit dem Auto. Eine Erzieherin direkt neben sich.