Festivalstart

Jubiläums-Berlinale mit glanzvoller Gala eröffnet

Filmschaffende aus aller Welt konkurrieren in Berlin wieder zehn Tage lang um den Goldenen und die Silbernen Bären. Mit einer glanzvollen Gala hat am Abend die 60. Berlinale begonnen. Trotz der Minusgrade posierten die Gäste gut gelaunt auf dem roten Teppich.

Die Eröffnung der 60. Berlinale, am Abend am Marlene-Dietrich-Platz – es hatte den Anschein, als wolle sie niemand verpassen. Weder die Fans, die trotz Schneefalls und der schneidenden Kälte den Teppich zu Hunderten säumten – noch die geladenen Gäste, die im Warmen den Eröffnungsfilm „Yuan Tuan“ sehen durften. Groß waren Freude und Erwartungen – obwohl der Start dieses Mal nur mit einem Hauch von Hollywood garniert war. Renée Zellweger (in einer Robe von Carolina Herrera) und Tilda Swinton hielten die US-Fahne hoch.

„Ich hoffe auf zehn interessante Nächte. Es ist schon toll, die ganzen Menschen einmal vorgestellt zu bekommen“, schwärmte Hans-Reiner Schröder. Der Berlin-Chef des Berlinale-Hauptsponsors BMW war mit seiner Ehefrau Katerina gekommen, die sich noch schnell am Mittag eine Traumrobe bei Anna von Griesheim ausgeliehen hatte. „Zum Geburtstag der Berlinale habe ich extra ein Kleid und ein Jäckchen angezogen, das ich bereits 1966 zur Eröffnung trug“, berichtete Filmfest-Stammgast Senta Berger aus München. „Ich gestehe, ich bin stolz, dass die Chinchilla-Jacke noch passt.“ Wie sie das schafft? „Na ja, ich lebe und ich will nicht ganz aus dem Leim gehen. Also bin ich eine Weile asketisch, und dann darf's auch wieder Schweinebraten sein.“

Schauspieler Mario Adorf lobte, wie toll sich die Filmfestspiele in den vergangenen Jahren dem deutschen Film zugewandt hätten. Darauf angesprochen, dass gleich ein chinesischer Film gezeigt werde, sagte Adorf schmunzelnd: „Erstens macht das ein guter Gastgeber so, zweitens ist das ein fantastischer Film. Berlin hat sich mit seinem Fest dem Osten geöffnet, das ist gut. In Cannes liegt der Schwerpunkt immer noch auf Amerika. Da sollten wir nicht hin.“

Schauspieler Michael Mendl, der zum ersten Mal solo zur Berlinale kam (mit einem goldfarbenen Metall-Schlips aus Honolulu), hörte so manchen Gast von seinen Schwierigkeiten bei der Anfahrt reden – wegen des Winterwetters. Mendl verschmitzt: „Ich bin mit der U-Bahn gekommen. Das ist in Berlin so wohltuend, da beachtet mich kaum einer. Das war in München ganz anders.“ Die Wohnung, die er in Charlottenburg nach der Trennung von seiner Frau bezogen hat, sei nun endlich eingerichtet.

Burkhard Klaußner, dessen Film „Das weiße Band“ gerade für den „Oscar“ nominiert wurde, berichtete, dass er leider nicht lange feiern könne. „Ich muss um sieben Uhr aufstehen. Ich bin mitten in Theaterproben zu Don Carlos in Dresden.“ Auch mit dabei: Joschka Fischer und Minu Barati, Daniel Wall und Stefanie Weisert, die hochschwangeren Eve-Maren Büchner („in vier Wochen ist der Kleine da“) und Loretta Stern („in acht Wochen kommt meine Tochter zur Welt“), Claudia Roth, Hannah Herzsprung und Anna Maria Mühe, Corinna Harfouch, Christoph Schlingensief, Marius Müller-Westernhagen und Sibel Kekilli.

Beste Stimmung auch bei der Gala im Berlinale-Palast, als Anke Engelke, im schwarzen bodenlangen Kleid mit hohem Schlitz, Berlinale-Chef Dieter Kosslick mit den Worten vorstellte: „Er ist der einzige Mann, der es schafft, aus dem heutigen kalten einen heißen Abend zu machen.“ Und sie bewies einmal mehr ihr Improvisationstalent, als Kosslick sie bat, die vielen chinesischen und japanischen Gäste doch in ihrer Landessprache zu begrüßen. Prompt redete sie in einem verblüffend echt klingenden Kauderwelsch – und bekam dafür Riesenbeifall.