Berlinale

Leserpreis der Berliner Morgenpost geht an "Sturm"

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Peter Zander

Sie sind Biologen, Architekten, Studenten - und verrückt nach Kino. Die zwölf Mitglieder der Morgenpost-Leserjury haben ihre Wahl getroffen. Ihr Favorit auf der Berlinale 2009 ist erstmals seit langer Zeit wieder ein deutscher Beitrag: Hans-Christian Schmids Politthriller "Sturm".

Am Sonnabend Abend werden die Bären verliehen. Eine Auszeichnung aber steht schon fest: der Publikumspreis, den die Leserjury in diesem Jahr bereits zum 36. Mal verleiht. Neun Tage lang haben sich zwölf Leser die 18 Beiträge des Wettbewerbs angesehen, um am Ende ihren Publikumsfavoriten zu küren. Und das ist erstmals seit langer Zeit wieder ein deutscher Beitrag: Hans-Christian Schmids Politthriller „Sturm“.

Das passt prächtig ins Gesamtbild, darf man diese Berlinale doch getrost als eine „deutsche“ archivieren. Noch nie war der Anteil heimischer Produktionen so hoch. Und am heißesten gehandelt wurde hinter „Sturm“ auch „Alle anderen“, der zweite deutsche Wettbewerbsbeitrag.

„Sturm“, eine internationale Koproduktion, handelt von der Aufarbeitung alter Schuld am Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. In einem Prozess gegen einen ehemaligen serbischen Befehlshaber der Kronzeuge geht der Chefanklägerin (Kerry Fox) der Kronzeuge verloren. Sie findet Ersatz in dessen Schwester (Anamaria Marinca), die noch ganz andere Verbrechen schildert. Doch dann muss die Juristin erfahren, dass der Feind nicht nur auf der Anklagebank sitzt, sondern auch in den eigenen Reihen.

Hans-Christian Schmid, der zuletzt 2006 mit „Requiem“ auf der Berlinale für Furore sorgte, erzählt seine Geschichte auch als Geschlechterkrieg: Denn es sind die Herren Politiker, die mit den Kriegsgewinnlern von einst längst über EU-Erweiterung und wirtschaftliche Interessen verhandeln. Und es sind die Frauen, die sich fügen, die den Anklagepunkt gar nicht berühren sollen. Was die Anklägerin dann aber, wider jede Absprache, dennoch tut. Ein aufwühlender Film. Und zugleich einer, der hoffen lässt, woran in der Wirklichkeit nicht viele glauben: dass die Gerechtigkeit am Ende siegt. „Sturm“ ist eine Antwort der Berliner Schule auf die Verschwörungsthriller des New Hollywood. Und ein großartiges Schauspielerinnenduell zwischen Kerry Fox und Anamaria Marinca.

Der Leserpreis wird am Sonnabend um 12.30 Uhr mit weiteren unabhängigen Preisen in der Saarländischen Landesvertretung verliehen. Als Trophäe überreicht wird eine Skulptur der Designerin Susanne Meixner, die eine gläserne Filmspule darstellt.