Wettbewerbsfilm "The Dust of Time"

Eine etwas ermüdende Liebesgeschichte

In "The Dust Of Time" - im Wettbewerb außer Konkurrenz - erzählt Regisseur Theo Angelopoulos die Geschichte eines amerikanischen Regisseurs griechischer Herkunft, der einen Film über das Leben seiner Eltern drehen will. Befremdlich wirkt, dass man häufig die Figuren für längere Zeit nur von hinten sieht.

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Der 73 Jahre alte Theo Angelopoulos, dessen „I Skoni Tou Chronou“ („The Dust of Time“) im Berlinale-Wettbewerb außer Konkurrenz gezeigt wird, ist einer der letzten Vertreter des Anti-Eisenstein-Kinos. Damit kann man eine lose Gruppe vor allem osteuropäischer Filmemacher bezeichnen, die sich gegen die von Eisenstein perfektionierte und bis heute die Kinoästhetik bestimmende Montage auflehnten.

Dagegen setzten Leute wie Angelopoulos ihre Plansequenzen. Das sind lange Einstellungen ohne Schnitt, in denen Schauspieler komplette Szenen am Stück spielen. Heute, wo schnelle, hektische Schnitte die filmische Normalität sind, wirken Angelopoulos’ Plansequenzen noch verstörender, fremdartiger und – auch ermüdender. Verstärkt wird dieses Befremden dadurch, dass man in „I Skoni Tou Chronou“ häufig die Figuren für längere Zeit nur von hinten sieht. Das liegt auch daran, dass Michel Piccoli eine der Hauptrollen in dieser Geschichte spielt, die sich über mehr als 60 Jahre spannt: den Griechen Spyros, der seine große Liebe Eleni nach deren Jahrzehnte dauernder Gefangenschaft in Sibirien wiederfindet. Während andere Schauspieler wie Bruno Ganz oder Irene Jacob sowohl die Jugendjahre als auch das Greisenalter ihrer jeweiligen Figuren spielen, lässt Angelopoulos den jungen Spyros von einem Mann darstellen, von dem man nur den Hinterkopf zu sehen bekommt, damit keiner merkt, dass er keine Ähnlichkeit mit Piccoli hat.

Den Regisseur A., der gerade dabei ist, die Lebensgeschichte seiner Eltern Eleni und Spyros in Roms Cinecitta-Studios zu verfilmen, spielt Willem Dafoe. Er hat eine deutsche Ex-Frau (Christiane Paul) und eine Tochter, die sich selbstmordsehnsüchtig in abbruchreifen Häusern rumtreibt. Nicht nur die Zeitebenen schieben sich immer ineinander, sondern auch die Orte können manchmal beides zugleich sein – Toronto und Berlin zum Beispiel. Allerdings fragt man sich bei all diesen Merkwürdigkeiten oft, wie viel Gestaltungswille eines visionären Regisseurs noch dahintersteckt und wie viel der nachlassenden Schöpferkraft eines alten Mannes geschuldet ist.

Wiederholungen: 13. Februar, 15 Uhr im Friedrichstadtpalast und 17 Uhr in der Urania