Filmfestspiele

Berlinale bekommt eine Doppelspitze

Neben Carlo Chatrian wird Mariette Rissenbeek für die Filmfestspiele Berlin verantwortlich sein. Das gab Monika Grütters bekannt.

Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek

Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek

Foto: HANNIBAL HANSCHKE / REUTERS

Die Berlinale wird in Zukunft von einer Doppelspitze geleitet. Nachfolger von Festivaldirektor Dieter Kosslick (70) werden der Italiener Carlo Chatrian (46) als künstlerischer Leiter und die gebürtige Niederländerin Mariette Rissenbeek (Jahrgang 1956) als geschäftsführende Leiterin. Das gab Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) als Vorsitzende des Aufsichtsrates der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin (KBB) am Freitag in Berlin bekannt.

Chatrian ist bislang Chef des Filmfests von Locarno. Die seit den 80er Jahren in Deutschland lebende Rissenbeek ist Geschäftsführerin von German Films, der Auslandsvertretung des deutschen Films. Beide erhalten einen über fünf Jahre laufenden Vertrag. Kosslick wird bei der Berlinale vom 7. bis 17. Februar 2019 das letzte Mal als Festivaldirektor auf dem roten Teppich stehen.

Für die Nachfolge von Berlinale-Chef Dieter Kosslick hat die verantwortliche Findungskommission mehr als 40 Personalgespräche geführt. Die Vorsitzende, Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), sagte der dpa, warum die Wahl auf Carlo Chatrian fiel. Und wie die Doppelspitze mit Mariette Rissenbeek aussehen soll.

Wird Carlo Chatrian den notwendigen Spagat zwischen anspruchsvollem Wettbewerb und Publikumsgeschmack hinkriegen?

Dass er das kann, hat er ja in Locarno bereits zur Genüge bewiesen. Er hat sich dort als Kurator eines sehr anspruchsvollen Arthouse-Filmprogramms einen weltweit hervorragenden Ruf erworben und zugleich das Festival zu einem höchst erfolgreichen Publikumsereignis gemacht. Uns hat Chatrian durch seine Leidenschaft für den Film und seine lebhafte, kommunikative Art überzeugt. Er ist weltweit bestens vernetzt, steht für eine internationale Perspektive und stellt sich als Vertreter einer jüngeren Generation der digitalen Zukunft. Wir sind sicher: Er ist die richtige Wahl.

Die Berlinale braucht aber auch den Hollywood-Glamour. Schafft er das, bescheiden wie er ist?

Klar, das will jedes Festival. Und Chatrian ist ein Weltreisender in Sachen Film, er ist gewinnend und überzeugend - das wird ihm also sicher gelingen. Das Auswahlverfahren hat immer wieder bewiesen: Die Berlinale hat einen erstklassigen Ruf in der Welt, jeder findet es spannend, hierher zu kommen.

Wie soll die Aufgabenverteilung zwischen Chatrian und Rissenbeek aussehen?

Chatrian brennt für den Film. Er will sich auf seine kuratorische Aufgabe konzentrieren. Deshalb haben wir für ihn die Stelle des künstlerischen Direktors neu geschaffen. Mariette Rissenbeek übernimmt die geschäftsführenden Aufgaben. Aber letztlich werden beide das Festival gemeinsam gestalten, managen und verantworten müssen.

Frau Rissenbeek saß selbst in der Findungskommission. Hat das nicht ein Geschmäckle?

Das ist in der Tat erklärungsbedürftig. Aber sie selbst wäre nie auf die Idee gekommen, sich ins Gespräch zu bringen. Gemeinsam mit Staatssekretär Björn Böhning, der für Berlin in der Findungskommission war, habe ich sie gebeten, sich eine Mitwirkung in der Berlinale-Leitung zu überlegen. Wir hatten ein wirklich gutes und breites weibliches Bewerberfeld, aber Mariette Rissenbeek war für uns mit Abstand die erste Wahl, gerade in Verbindung mit Carlo Chatrian. Sie ist eine profunde Kennerin der internationalen Filmszene und eine große Förderin des deutschen Films. Wir wollten auf die Beste einfach nicht verzichten, nur weil sie in der Findungskommission war.

Dann brauchen Sie eigentlich noch einen dritten, der mit rotem Schal und vielen lockeren Sprüchen die Gäste bespaßt...

In der Tat: Dieter Kosslicks Qualitäten als Gastgeber sind einzigartig. Das hat er auf unvergleichlich charmante Art gemacht. Wir alle sind Dieter Kosslick für seine Verdienste um die Berlinale sehr, sehr dankbar.