Indie-Rock

Sportfreunde Stiller liefern gute Show mit schwachen Songs

Sportfreunde Stiller feiern ihr 20-jähriges Bestehen. Die aktuelle Tour führt sie auch in die Columbiahalle. Ein nostalgischer Abend.

Sportfeunde Stiller beim Jubiläumskonzert in der Berliner Columbiahalle

Sportfeunde Stiller beim Jubiläumskonzert in der Berliner Columbiahalle

Foto: POP-EYE / Ben Kriemann / POP-EYE

Es gibt viele Bands, die über die Jahrzehnte hinweg gemeinsam mit ihren Fans altern. Sportfreunde Stiller aus Rosenheim feiern dieses Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Der Bandname ist Hans Stiller zu verdanken, seinerzeit Trainer beim Bezirksligaverein SV Germering, bei dem die Gründungsmitglieder einst Fußball spielten. Pünktlich zum Jubiläum erschien das siebte Studioalbum „Sturm und Stille“, das am Mittwoch in der Columbiahalle vorgestellt wurde.

Zum Auftakt spielen die Sportfreunde Stiller das gitarrenlastige „Auf in den Rausch“. Das Publikum schunkelt, vereinzelt wird eine Faust rhythmisch in die Luft gestoßen. Der Opener des neuen Albums lässt erahnen, warum die Platte keinen guten Start hatte. „Mit einem Meer aus Lampions leuchte ich die Straßen aus / Kind und Kegel, Mann und Maus - alle da, das volle Haus“ ist ein seltsam hohler Reim.

Aber die Band wurde schon immer mehr für ihre guten Liveauftritte gefeiert als für ausgefeiltes Songwriting. Das Sänger Peter Brugger nicht wirklich singen kann, was er selbst auch freimütig zugibt, ist bei einer Band, deren Songs zum Mitsingen in Stadien gedacht sind, erstmal gar nicht schlimm. Aber nach dem dritten Refrain mit „ohoho“ und „heyheyhey“ ist die Stimmung im Saal eher verhalten. Erst mit „Ein Kompliment“ springt der Funke über.

Haarscharf vorbei am Schlager

Das zehn Jahre später erschienene „Applaus Applaus“ folgt und zeigt, was sich an der Band verändert hat. Früher handelten die Songs von Liebe, Freundschaft und Bier. Gerade die Liebeslieder wirkten rührend unbeholfen. „Ich wollte dir nur mal eben sagen dass du das Größte für mich bist“ heißt es im Refrain von „Ein Kompliment“, die Nachfolger „Applaus Applaus“ und „Das Geschenk“ klingen wie weichgespülte Neuauflagen. Das ist haarscharf vorbei am Schlager.

Die drei Bandmitglieder bemühen sich sehr um ihr Publikum, erzählen Anekdoten, erfüllen Songwünsche und liefern eine wirklich solide Show, aber das kann einfach nicht über die schwachen Songs hinwegtäuschen. Die Bandmitglieder scheinen auch nicht richtig ans neue Album zu glauben, in weiser Voraussicht wurde die Setlist so geplant, dass die alten Songs durchaus überwiegen: Mit „Wunderbaren Jahren“ vom ersten Studioalbum „So wie einst Real Madrid“ setzen sie auf Nostalgie: Doch so richtig geht es erst los, als das Konzert eigentlich schon vorbei ist: Ganze acht Zugaben spielen die Bayern. Mit dem punkigen „Ich, Roque“ beweisen sie zum Ende, dass sie noch irgendwo eine Rockband sind. Am Ende verkündet die Bühne in großen Lettern. „Habe die Ehre, Küss die Hand!“ Zumindest ein Abschied mit Charme.