Kultur in Berlin

Geheimnisvolle Verträge am Staatsballett

Sasha Waltz und Johannes Öhman haben unterschrieben. Die Tänzer protestieren weiter gegen ihre neuen Chefs.

Sasha Waltz und Johannes Öhman übernehmen das Staatsballett Berlin

Sasha Waltz und Johannes Öhman übernehmen das Staatsballett Berlin

Foto: DAVIDS/Darmer

Während die Balletttänzer und ihr Fanpublikum gegen die Personalentscheidung protestieren, haben die Berliner Choreografin Sasha Waltz und Johannes Öhman, der amtierende Direktor des Royal Swedish Ballet, in den vergangenen zwei Wochen ihre Verträge als neue Intendanten des Staatsballetts Berlin unterschrieben. Das bestätigte am Donnerstag die Kulturverwaltung.

Die beiden Intendanten treten im Sommer 2019 die Nachfolge von Nacho Duato an, es handelt sich um übliche Fünfjahresverträge. Der Vertragsunterzeichnung haftet aber etwas Geheimnisvolles an. Gestern Nachmittag hieß es aus der Kulturverwaltung, „die vertraglichen Regelungen“ seien „zwei Tage vor der öffentlichen Bekanntgabe abgeschlossen worden“. Und wenig später folgte: „In den letzten zwei Wochen ist nichts unterschrieben worden.“ Der Chefwechsel war am 7. September, kurz vor der Wahl, vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) verkündet worden. Daraufhin kam es sofort im Staatsballett zu Protesten.

Die Tänzer fühlen sich mit der Berufung von Sasha Waltz von der Kulturpolitik überrumpelt und haben umgehend eine Online-Petition gestartet. „Wir respektieren die Arbeit von Sasha Waltz, sehen sie aber als völlig ungeeignet an, unsere Compagnie zu führen“, heißt es: „Sasha Waltz ist eine Tanztheater-Choreografin.“ Die Petition wurde bereits von 18.500 Menschen unterschrieben. Seit Donnerstag kursiert im Netz das Video „Save Staatsballett“, in dem Tänzer darum werben, das Spitzenballett zu bewahren. Die ganze Vorgehensweise um Sasha Waltz sei undemokratisch, teilt der Ballettvorstand mit.

Tatsächlich ist es für umgestaltungswillige Kulturpolitiker in diesem Fall gar nicht so einfach, mal schnell eine neue Leitung zu installieren. Denn das Staatsballett gehört mit den drei Opernhäusern zur Stiftung Oper in Berlin. Es gibt einen Stiftungsvorstand, dem neben dem Generaldirektor die Intendanten und Geschäftsführer angehören. Über allem thront der Stiftungsrat, der mit einfacher Mehrheit Beschlüsse absegnen muss. „Alle Mitglieder des Stiftungsrates waren informiert worden“, teilt die Kulturverwaltung mit.

„Wir werden weiter protestieren“

Keiner habe bei dieser Personalie widersprochen. Dem Stiftungsrat gehören normalerweise sieben Mitglieder an. Derzeit sind es neben Michael Müller Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen und Betriebsrat Rainer Döll, der zum Orchester der Deutschen Oper gehört. Die anderen vier Mitglieder, darunter die frühere RBB-Intendantin Dagmar Reim, sind Ende August aus der Funktion verabschiedet worden. Die Neuen werden nach der Regierungsbildung vom Abgeordnetenhaus entsandt.

Der Ballettvorstand verweist darauf, dass der Stiftungsrat in der Übergangsphase nur Notentscheidungen treffen darf. Das sei aber bei einer Personalie für 2019 nicht gegeben. „Wir werden ganz bestimmt weiter protestieren“, sagt die Tänzerin Elina Jagodnik.