Ehrung

Deutschlands bester Opernregisseur

Barrie Kosky wurde zum „Regisseur des Jahres“ gewählt. Ein Treffen mit dem Intendanten der Komischen Oper Berlin

Der australische Regisseur Barrie Kosky ist seit 2012 Intendant der Komischen Oper Berlin

Der australische Regisseur Barrie Kosky ist seit 2012 Intendant der Komischen Oper Berlin

Foto: Reto Klar

Barrie Kosky hat es durch eine SMS erfahren, dass er zum „Regisseur des Jahres“ gewählt wurde. Der Intendant der Komischen Oper ist am Donnerstag in seinem Berliner Haus, um nach dem Rechten zu sehen. Am 9. Oktober hat Rossinis „Il barbiere di Siviglia“ Premiere. Die Opernkomödie wird von Kirill Serebrennikov inszeniert, Kosky selbst bereitet gerade Schostakowitschs „Nase“ am Londoner Covent Garden vor, wo am 20. Oktober Premiere ist. Mit der Pizza und dem Freibier für alle wird es erst einmal nichts in Berlin. Man habe keine Zeit, um zu feiern, sagt Kosky. Bereits am Abend reist der Regisseur wieder nach London ab.

„Das ist eine sehr schöne Nachricht“, sagt Kosky beim Gespräch in seinem Intendantenzimmer: „Ich war erst einmal überrascht, weil doch einige meiner Kollegen so grandiose Sachen in der vergangenen Spielzeit gemacht haben. Wie es immer mit Preisen ist, ich bin dankbar dafür, und jetzt mache ich weiter mit meiner Arbeit.“ Am Donnerstag wurde die alljährliche Umfrage der Fachzeitschrift „Opernwelt“ unter 50 Kritikern aus Europa und den USA veröffentlicht.

Teodor Currentzis ist der „Dirigent des Jahres“

Den Titel bekam Kosky allerdings nicht für eine Inszenierung an der Komischen Oper, sondern für seinen Zürcher „Macbeth“. Die Kritiker würdigten Koskys dämonisch klare Lesart der Verdi-Oper. Wesentlich zum Erfolg habe der für seine zuweilen extremen musikalischen Interpretationen gefeierte Teodor Currentzis beigetragen, der damit „Dirigent des Jahres“ wurde.

„Oper ist für mich immer eine Teamarbeit“, sagt Kosky. Und natürlich bemerke man, wenn eine Arbeit etwas Besonderes wird. „Man merkt das in den Proben.“ In diesem Fall lobt Kosky die Zusammenarbeit mit Currentzis. „Und wenn Sänger spüren, dass der Dirigent und der Regisseur untrennbar an die Produktion glauben, dann wird das eine Opern-Utopie.“ Zwei umtriebige, charismatische Figuren sind in der Produktion aufeinandergetroffen. Der 44-jährige Currentzis, ein Grieche, der als Musikchef das Opernhaus in Perm leitet, gilt als ein rebellischer Dirigent.

„Ich brauche einfach gute Sängerdarsteller“

Kosky findet Currentzis Arbeitsweise toll. „Oh, Teodor ist nicht zurückhaltend. Er hat viele Meinungen über das Theater und Proben.“ Gleich am Beginn der Zusammenarbeit hat Currentzis ihm einige Tipps geben wollen. Daraufhin hat Kosky ihm gesagt, dann möchte er auch einiges über die Musik äußern. Der Deal kam zustande. Beide wurden jetzt geehrt. Currentzis wird in den nächsten Jahren auch an die Komische Oper kommen, sagt Kosky, man suche gerade nach Projekten. Darüber hinaus führt Kosky den Erfolg von „Macbeth“ auf Markus Brücks Rollendebüt in der Titelrolle zurück. „Ich bin ein Darstellerregisseur, ich brauche einfach gute Sängerdarsteller. Markus war grandios. Das war für mich eine Sternstunde.“

Die Komische Oper ist unter Koskys Leitung bereits einmal „Opernhaus des Jahres“ geworden. In diesem Jahr geht der Titel nach Stuttgart. Kosky schätzt den dortigen Intendanten Jossi Wieler außerordentlich. Zur „Aufführung des Jahres“ wurde Karlheinz Stockhausens „Donnerstag aus „Licht“ in Basel gekürt. Bariton Christian Ger-haher wurde „Sänger des Jahres“. Die Auszeichnung „Orchester des Jahres“ geht zum dritten Mal in Folge an das Bayerische Staatsorchester mit seinem Chefdirigenten Kirill Petrenko. Der russische Dirigent war früher ­Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin und wird als Nachfolger von Simon Rattle 2019 die Berliner Philharmoniker übernehmen. Bis dahin gehen Ehrungen, die genau genommen Petrenko gelten, nach München.

Die Staatsopern-Baustelle wird als Ärgernis genannt

Eine Ehrung geht auch an die Lindenoper: Die französisch-dänische Sopranistin Elsa Dreisig, die Wettbewerbe wie „Neue Stimmen“ und „Operalia“ gewann und in diversen Rollen an der Staatsoper zu erleben war, ist „Nachwuchskünstlerin des Jahres“. Ansonsten taucht Berlin auch wieder einmal unter den Ärgernissen auf: Besonders ärgerlich sind nach Meinung der Kritiker Chaos, Missmanagement und explodierende Kosten an diversen Theaterbaustellen – genannt werden die Berliner Staatsoper und die Oper Köln.

„Ich trage jetzt kein T-Shirt mit der Aufschrift ,Regisseur des Jahres‘“, scherzt Kosky. Aber der Titel werde schon in seine Biografie aufgenommen werden. Schließlich handele es sich um ein renommiertes Magazin. „Ich bin froh, dass ich ihn für die vergangene Spielzeit bekommen habe.“ Insgesamt sechs Inszenierungen hat er in Berlin, Zürich, München, Frankfurt und Glyndebourne gemacht. „Das war ein bisschen zu viel und wird nicht mehr vorkommen. Aber ich bin froh, dass die Arbeit honoriert wird.“ Erster Gratulant war übrigens Dietmar Schwarz, der Intendant der Deutschen Oper. Auch er schickte eine SMS.

Nach Schostakowitschs „Nase“, die 2018 von London nach Berlin kommen wird, bleibt Kosky in dieser Saison in Berlin. Und bereitet sich auf Wagners „Meistersinger“-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen vor. Das wird eine seiner wichtigsten und meist beachtetsten Regiearbeiten werden.