Kulturpolitischer Streit

Staatsballett sagt Treffen mit Sasha Waltz ab

Balletttänzer sagen kurzfristig Treffen mit ihrer künftigen Intendantin ab. Sasha Waltz beklagt den aggressiven Ton des Staatsballetts

Tänzer des Staatsballetts demonstrieren während des Rundgangs von Politikern durch die fertig gestellten Gebäude der Intendanz und des Probenzentrums der Staatsoper Unter den Linden

Tänzer des Staatsballetts demonstrieren während des Rundgangs von Politikern durch die fertig gestellten Gebäude der Intendanz und des Probenzentrums der Staatsoper Unter den Linden

Foto: Soeren Stache / dpa

Der Streit zwischen dem Staatsballett Berlin und der Berliner Choreografin Sasha Waltz geht weiter. Die Tänzer sagten kurzfristig ein für den heutigen Dienstag geplantes Treffen mit Waltz und ihrem designierten Co-Intendanten Johannes Öhman ab. Die Kulturverwaltung habe verlangt, die Fragen der Tänzer für das Treffen 24 Stunden vorher vorgelegt zu bekommen, teilten die Ballettsprecher am Montag mit. Zudem gebe es laut Verwaltung bisher noch kein Konzept für die ab Mitte 2019 geplante Doppelintendanz. „Wir waren überrascht, in der Antwort der Kulturverwaltung zu lesen, dass bislang kein solches Konzept existiert“, heißt es in der Mitteilung. Unter diesen Umständen habe ein Treffen keinen Sinn, hieß es.

Die Tänzer lehnen die vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) als Compagniechefin vorgeschlagene Waltz ab. Sie sei als Vertreterin des modernen Tanztheaters für klassisches Ballett ungeeignet. In ihrer Mitteilung vom Montag erklären die Tänzer: „Wir würden uns noch immer gern mit Sasha Waltz und Johannes Öhman treffen – wenn es ein konkretes Konzept gibt und wenn die neue Regierung ernannt ist.“

Bereits in der vergangenen Woche hatte es ein Gespräch von Ballettvertretern mit Öhman und Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) gegeben, das aber keine Annäherung brachte. Daraufhin wurde das Treffen am Dienstag vereinbart. Waltz und Öhman bedauerten in ihrer Stellungnahme am Montag den „aggressiven Diskurs“, zumal die Verbreitung von Desinformation das Ansehen der Institution Staatsballett schädigt. Denn natürlich gäbe es ein Konzept. „Als neue Intendanz des Staats-balletts Berlin ab 2019 werden wir das klassische Erbe pflegen und gleichzeitig Neukreationen der besten heutigen Choreographen erarbeiten, sowohl klassische als auch zeitgenössische“, heißt es: „Das Staatsballett Berlin präsentiert jährlich 10 bis 12 Produktionen an drei unterschiedlichen Bühnen der Stadt. Unter unserer Leitung werden 50 Prozent der Produktionen in der Form von klassischen Balletten (wie Dornröschen, Schwanensee, Giselle, Nussknacker u.a.) programmiert werden.“

Darüber hinaus werde das Staatsballett neoklassische und zeitgenössische Werke international führender Choreographen zeigen. Das Modell der Ko-Intendanz von Öhman/Waltz mit geteilter Verantwortlichkeit und unterschiedlichen Kompetenzen entspricht dieser Vision. „Darüber hinaus wird Sasha Waltz neue Stücke für das Staatsballett Berlin erarbeiten. Im Zeitraum von fünf Jahren wird eine Arbeit pro Spielzeit an die Company übergeben, inklusive Neukreationen.“ Die Berliner Compagnie „Sasha Waltz & Guests“ bleibt als eigenständige Struktur bestehen. Sasha Waltz betont, weiterhin für einen „konstruktiven Dialog“ offen zu sein.