Oscar-Verleihung

Felix Ahrens Traum von Hollywood

Auf dem Weg nach Los Angeles: Am 22. September bekommt der Berliner Filmstudent Felix Ahrens den Studenten-Oscar. Ein Treffen.

Der in Kreuzberg lebende Filmregiestudent Felix Ahrens ist für den Studenten-Oscar nominiert

Der in Kreuzberg lebende Filmregiestudent Felix Ahrens ist für den Studenten-Oscar nominiert

Foto: Reto Klar

Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Scheinbar ganz entspannt sitzt Felix Ahrens an diesem Septembernachmittag in einem Straßencafé am Maybachufer und plaudert, als wäre sein in Kürze anstehender Flug nicht das aufregendste Erlebnis seiner bisherigen 30 Lebensjahre. Der Kreuzberger studiert an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf Regie. Und sitzt bald in einem Flugzeug nach Los Angeles, denn sein Kurzfilm „Am Ende der Wald“ wird am 22. September mit einem Studenten-Oscar prämiert, der höchsten Auszeichnung für angehende Filmemacher. Der Eindruck der Ruhe jedoch täuscht, wie er beim Gespräch unter Laubbäumen zugibt. „Ich war schon total nervös, als ich nur von der Nominierung hörte und als dann die Nachricht kam, dass ich einer der drei Gewinner bin, war eh alles vorbei“, sagt er. Noch weiß der gebürtige Niedersachse nicht, welche der drei Auszeichnungen er bei der Verleihung in der kommenden Woche in Beverly Hills gewinnen wird. Bronze, Silber oder Gold. Aber das ist auch gar nicht so wichtig.

Auf die einmalige Chance will er sich gut vorbereiten

Aufgeregt ist er trotzdem, „weil ich nicht richtig Zeit habe, mir meine kleine Rede zu überlegen oder wie ich mich da präsentieren will“. Denn auch wenn ihm sein Vater schon Anzug und vor allem Socken gekauft hat („Das war ihm wichtig, da hat er einen Spleen“), und Ahrens sich auf die Verleihung und die Lorbeeren freut, will er in Los Angeles vor allem seine Chance nutzen. Sich ein paar griffige Einzeiler für Projekte überlegen, von denen er gerne Produzenten überzeugen würde. „Man wird herumgeführt, der Branche präsentiert und wichtigen Leuten vorgestellt. Da will ich nicht mit leeren Händen dastehen“, erklärt er seine Taktik.

Sein Vorbild dabei ist Lennart Ruff, der 2014 ebenfalls einen Studenten-Oscar gewonnen hat und jetzt demnächst seinen Hollywood-Einstand gibt mit dem Science-Fiction-Film „The Titan“. „Das ist schon ein krasses Beispiel, wie schnell es gehen kann. Und es macht Mut, was alles möglich ist.“ Ratschläge bekam Ahrens auch von Vorjahressieger Patrick Vollrath, der nach dem Studenten-Oscar im Februar sogar noch für den richtigen Kurzfilm-Oscar nominiert war. „Er riet mir, mich auf jeden Fall vorzubereiten, um diesen einmaligen Moment nicht ungenutzt zu lassen.“ Man hilft sich, statt sich als Konkurrenz zu verstehen. „Auch an der Schule haben mir ganz viele auf dem Flur gratuliert, Neid habe ich bisher nicht erfahren.“

Romantische Vorstellungen kann sich keiner leisten

Sein Polizeidrama „Am Ende der Wald“ ist die Bachelorarbeit an der „Konrad Wolf“, die durch eine Ausschreibung des Fernsehsenders MDR im Rahmen ihres „Kurzkino“-Programms angestoßen wurde. Innerhalb weniger Monate hat er mit seinem Co-Autor Lucas Flasch nicht nur zum Thema „Grenzenlos“ ein Drehbuch geschrieben, sondern parallel Darsteller, Drehorte und Crew gefunden. „Das war echt ein kleines Martyrium, weil alles sehr schnell gehen musste. Gekoppelt mit dem größten Problem jedes Kurzfilms: es gibt kein Geld.“ Romantische Vorstellungen vom Regieberuf hat Ahrens schon lange nicht mehr.

Dieser zupackende Pragmatismus wird in Hollywood ebenso willkommen geheißen wie die spannende Inszenierung des Dramas einer jungen Polizistin, die an der deutsch-tschechischen Grenze bei einer gewöhnlichen Autokontrolle aus Versehen einen Mann erschießt. Das ist gut erzähltes Genrekino, das Ahrens für mehr empfiehlt. Er selbst will es erst mal ruhiger angehen lassen und auf jeden Fall hier seinen Debütfilm machen. Aber gerade tun sich eben auch viele Türen auf. „Vor zwei Wochen hätte ich gesagt, mein Traum wäre es, in 20 Jahren mal in Hollywood zu arbeiten. Das könnte jetzt sehr viel schneller passieren.“

Einen „Tatort“ würde der Filmstudent gerne drehen

Aber eilig hat es Ahrens nicht. Beharrlichkeit kennt der Jungfilmer gut. Drei Jahre lang wurde er an jeder Filmhochschule Deutschlands abgelehnt, bis er mit eigenem Geld einen Kurzfilm drehte, der prompt von Arte gekauft wurde. Plötzlich luden ihn alle zur Bewerbung ein, aus Babelsberg kam die erste Zusage. „Das war einer der schönsten Momente in meinem Leben“, sagt er immer noch bewegt. „Mir fiel ein Stein vom Herzen, weil ich endlich wusste, ich habe mich nicht verrannt.“ Ein Kampf von vier Jahren hatte sich gelohnt. Diese Freude, sich durchgebissen und es bis hierher geschafft zu haben, hält bis heute an. Und sie treibt ihn an. Trotzdem bleibt er bescheiden, was seine Zukunft angeht: „Ich würde gerne einen Tatort drehen. Und der Traum ist natürlich Hollywood, einfach weil dort Genrekino besser gelingt als hier.“

Mit Ahrens Auszeichnung bricht der Erfolg deutscher Filmstudenten bei den Oscars nicht ab. 2015 gingen gleich alle drei Preise für die besten ausländischen Kurzspielfilme nach Deutschland. Auch in diesem Jahr werden zwei weitere deutsche Filmstudenten ausgezeichnet, wenn auch in unterschiedlichen Kategorien. Alex Schaad von der Münchener Filmhochschule tritt mit „Invention of Trust“ direkt gegen Ahrens an, Ahmad Saleh von der Kunsthochschule für Medien in Köln erhält für „Ayny – My Second Eye“ Gold für den besten ausländischen Animationsfilm. Um den hiesigen Filmnachwuchs muss man sich bis auf Weiteres also keine Sorgen machen.