Kino

Ein Fußballspiel entscheidet den Nahost-Konflikt

Diese politische Satire aus Israel stellt alles auf den Kopf: „90 Minuten – Bei Abpfiff Frieden“. Dabei auch Detlev Buck als deutscher Trainer.

Trainer Müller (Detlev Buck) neben Mr. Chairman (Moshe Ivgy)

Trainer Müller (Detlev Buck) neben Mr. Chairman (Moshe Ivgy)

Foto: Jüdisches Filmfestival

Susanne Leinemann

Absurd. Anders kann man die Idee nicht nennen. Total absurd: Der ewig schwelende Nahost-Konflikt wird durch ein Fußballspiel entschieden. Israel gegen Palästina. Jede Mannschaft spielt für das eigene Volk. Die Verlierer müssen ihr Land verlassen, die Gewinner dürfen sich endgültig ausbreiten. Entweder würden sich Israelis am Strand des Gaza-Streifens sonnen oder Palästinenser in die leer geräumten Villen Tel-Avivs einziehen. Einfach nur, weil ein begabter Fußballer ein Tor geschossen hat. Das ist der Plot von „90 Minuten – bei Abpfiff Frieden“.

Satire über Fußball und Politik als falsche Dokumentation

Der Film tarnt sich als falsche Dokumentation, eine Mockumentary, die so tut, als sei der Zuschauer in Echtzeit dabei, während der verrückte Plan Form annimmt. Alles beginnt bei einem Stadion-Manager in Portugal, dort soll das Spiel nämlich ausgetragen werden – an einem neutralen Ort, überwacht von der Fußballorganisation IFA (eine sonderbar unkorrupte Fifa-Abwandlung).

Im Zentrum des Films steht die Beobachtung der beiden Team-Manager, der beiden Bierhoffs des Nahen Ostens: Mr. Chairman (Moshe Ivgy) für das Israel-Team, Ziad Barguti (Norman Issa) für die Palästina-Mannschaft. Jeder der beiden hat mit großen Problemen zu kämpfen. Ein christlicher-israelischer Verteidiger mit palästinensischen Wurzeln kriegt beispielsweise eine Identitätskrise, während man dagegen auf der anderen Seite der Mauer das Problem hat, die Spieler aus dem Gaza-Streifen und den Palästinensischen Autonomiegebieten überhaupt an einen Trainingsort zusammenzubekommen, vorbei an den gereizten israelischen Grenzposten.

Dazu noch haben die Israelis einen deutschen Trainer, Herrn Müller (gespielt von Detlev Buck), der erst nach einem sinnstiftenden Ausflug der Fußballer nach Yad Vashem merkt, dass ihm das alles eine Nummer zu groß ist („I´m just a goalkeeper“) – und aussteigt. Krisen, wohin man schaut. Und damit ist nicht nur die Nahost-Krise gemeint.

Ein Film mit verdrehter, aber verquer schlüssiger Logik

„90 Minuten – bei Abpfiff Frieden“ ist als politische Satire gedreht worden und man muss tatsächlich immer wieder lachen, so verdreht, aber verquer schlüssig ist die Logik des Films. Die Regie hat ein Israeli geführt, der Film aber bleibt immer im Gleichgewicht, jede Seite wird mit ihrem ganz eigenen Irrsinn porträtiert. Dass sich die beiden Team-Manager ausgerechnet über Tabletten gegen Sod-Brennen näher kommen, ist ein hübsches Detail. Dieses Fußballspiel schlägt wirklich allen auf den Magen.

Natürlich fragt man sich, je länger der Film läuft: Wie soll dieser Streifen bloß enden? Der Schluss sei nicht verraten, nur so viel: Chapeau! Hier hat sich niemand davongestohlen. Natürlich bleibt unterm Strich alles ein reines Hirngespinst. Aber warum nicht mal ganz anders denken?