Film

Süchtig nach extremen Charakteren

Der Berliner Schauspieler Hanno Koffler ist gerade im Film „Treppe Aufwärts“ zu erleben. Ein Treffen in seinem Kiez

Schauspieler Hanno Koffler

Schauspieler Hanno Koffler

Foto: Reto Klar

Hanno Koffler ist ein viel beschäftigter Mann in diesen Wochen. Gerade tourte der Berliner Schauspieler mit dem Drama „Treppe Aufwärts“ durch Deutschland, seit Donnerstag läuft der Film regulär im Kino. Nur wenige Tage vorher hat er einen Fernsehkrimi mit Nadja Uhl abgedreht und ein Jugendhörbuch eingesprochen. Gerade feierte der ZDF-Zweiteiler „Die Dasslers“ über die rivalisierenden Brüder hinter den beiden Sportimperien Adidas und Puma auf dem Filmfest München Premiere, bevor er voraussichtlich im Winter ausgestrahlt wird. Der 36-jährige Berliner nimmt sich trotzdem die Zeit, sich mit uns in seinem Stammcafé im Bergmannkiez treffen.

Hanno Koffler wohnt in der Nähe und sitzt oft hier am Fenster und schreibt. „Weil man hier einen schönen Blick nach draußen hat. Und eine Steckdose für den Laptop gibt’s auch.“ Mit dem Kiez verbindet der in Charlottenburg aufgewachsene Schauspieler eine wichtige Zeit seines Lebens. „Als ich damals mit meinem Bruder in einer Band war, hatten wir auf der Bergmannstraße unseren Probenraum. Heute stehen dort ein Supermarkt und ein Gesundheitszentrum.“ Nach ersten Kinoerfolgen mit „Anatomie 2“ und „Sommersturm“ beschloss Koffler 2004 von Berlin nach Wien zu ziehen und dort zwei Jahre am Max Reinhardt Seminar Schauspiel zu studieren. In „Treppe Aufwärts“ spielt er jetzt einen Zocker, der Spielautomaten manipuliert, um so die Wettschulden seines dementen Vaters zu begleichen.

Die Beziehung zum eigenen Vater ist eingeflossen

Das in Berlin angesiedelte Drei-Generationen-Drama über familiäre Loyalität, Spielsucht und Demenz ist nicht nur das Regiedebüt einer jungen Filmemacherin, Mia Maariel Meyer, sondern auch komplett ohne Filmförderung entstanden. „Bauchgefühl ist dabei ganz wichtig“, sagt Koffler. In diesem Fall sei es vor allem die Familiendynamik gewesen, die ihn interessierte und emotional beschäftigte. „Die Beziehung zu meinem eigenen Vater hat bei der Annäherung an die Figur eine große Rolle gespielt“, sagt er. „Als ich den Film im Zoo-Palast zum ersten Mal gesehen habe, habe ich meinen Vater mitgenommen. Das war sehr berührend für mich. Innerlich habe ich ihm den Film gewidmet.“ Und auch Hanno Kofflers Erfahrungen als Vater einer neunjährigen Tochter sind mit eingeflossen. „Ich nähre meine Arbeit schon immer wieder aus meinem eigenen Erfahrungsschatz, ich will beim Schauspielen keine Distanz zu meiner Rolle haben. Ich will das vor der Kamera dann auch wirklich sein.“

Er spielt oft traumatisierte Charaktere, die einschneidende Erlebnisse erfahren haben, ob es der Zuhälter in Rosa von Praunheims „Härte“ ist oder der verheiratete Polizist in „Freier Fall“, der sich in seinen Kollegen verliebt. Diese Auseinandersetzung mit schmerzhaften Erfahrungen beschäftigt ihn auch privat. „Auch wenn ich im Beruf das Bedürfnis nach diesen Extremen habe, bin ich privat ein sehr harmonischer Mensch“, sagt er. „Ich will möglichst gelassen leben und liebevoll mit meinen Mitmenschen umgehen.“ Trotzdem würde er liebend gerne mal eine komische Rolle spielen, aber „dann muss es wirklich um was gehen. Das Existenzielle in den Komödien können die Briten und Franzosen irgendwie besser als wir.“

Drehbücher sind seine große Leidenschaft

Süchte und Leidenschaften sind auch ihm nicht fremd. „Ich bin ein obsessiver Mensch. Weil ich den Hals nicht vollkriegen kann von Sachen, an denen mein Herzblut hängt. Beim Schreiben kann’s passieren, dass ich zwei Tage nicht erreichbar bin. Auch beim Drehen tauche ich oft völlig ein.“ Für Hanno Koffler ist auch sein Beruf ein Stück weit Glücksspiel. „Ich hatte schon Phasen, wo ich den Beruf fast an den Nagel gehängt hätte. Gerade, weil ich die Liebe zum Schauspiel verraten hätte durch die Rollen, die mir angeboten wurden. Zum Glück kam dann immer doch wieder ein tolles Angebot, das mich vorm Aufgeben bewahrt hat.“

Wenn der Trubel vorbei ist, wird Hanno Koffler bald wieder in diesem Café sitzen. Hier schreibt er Drehbücher, „eine große Leidenschaft“, wie er sagt. Gerade hat er mit Mia Maariel Meyer zusammen ein Skript geschrieben, das ihr zweiter Spielfilm nach „Treppe Aufwärts“ werden soll. Es handelt von einem jungen Familienvater, der aus beruflichem Frust zum Gewalttäter wird. „Eine Auseinandersetzung mit unserer Ego-Gesellschaft“, nennt es Hanno Koffler, der die Hauptrolle selbst spielen will. Mit Stephan Lacant, seinem Regisseur des Polizistendramas „Freier Fall“, arbeitet er an einem neuen Stoff. Und auch Berlin will er erst mal nicht mehr verlassen. „Das hier ist schon meine Basis“, sagt er und schaut auf das Treiben draußen auf der Straße.