Ballett-Star

Malakhov tanzt wieder in Berlin

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Volker Blech
Kehrt für eine Gala nach Berlin zurück: Tanz-Star Vladimir Malakhov bei seiner Pressekonferenz

Kehrt für eine Gala nach Berlin zurück: Tanz-Star Vladimir Malakhov bei seiner Pressekonferenz

Foto: Joerg Krauthoefer

Der frühere Intendant des Staatsballetts will in Berlin eine Gala mit Tänzer-Freunden veranstalten. Nichts Klassisches, sagt er. Keine Prinzen.

Wenn er an Berlin denke, dann sei „sein Herz voller Blut“, sagt Vladimir Malakhov. Zwei Jahre lang war es still um den Tanzstar, seit er sein Amt als Intendant des Staatsballetts Berlin aufgab. Oder besser gesagt, aufgeben musste. Malakhov hatte sich daraufhin in Richtung Tokyo Ballet verabschiedet.

Rückkehr des ehemaligen Intendanten nach Berlin

Jetzt plant er für zwei Vorstellungen seine Rückkehr nach Berlin: Am 2. und 3. September findet im Admiralspalast eine Neuausgabe der Ballettgala „Malakhov & Friends“ statt, das war ein Erfolgsformat aus seiner Berliner Intendantenzeit. Angekündigt sind 19 Tänzer vom Mariinsky Theater aus St. Petersburg, dem Bayerischen Staatsballett, dem Bolschoi Ballett und dem Béjart Ballet Lausanne.

Tänzer des Staatsballetts seien aber nicht dabei, betont Malakhov: „Ich will keinen Krieg mit dem Staatsballett.“ Malakhov (48) hatte Ende 2014 das Staatsballett nach internen Querelen verlassen. Der in der Ukraine geborene Tanzstar war sogar Gründungsdirektor der Compagnie, geriet aber nach einigen Jahren in die Kritik. So sollte er seine eigene Tänzerlaufbahn offiziell beenden, was er bis heute nicht getan hat.

Andere warfen ihm vor, ein schwacher, launischer Intendant zu sein, der sein Zugpferd, die Primaballerina Polina Semionova, hat ziehen lassen. Malakhovs Vertrag wurde nicht verlängert, seitdem führt der Spanier Nacho Duato die Compagnie.

Es herrscht Funkstille zwischen Malakhov und dem Staatsballett

Malakhov sagt bei seiner Pressekonferenz, die am Freitag in der Königlichen Porzellan-Manufaktur stattfindet, er sei nach wie vor mit Berliner Tänzern befreundet, aber er habe mit der Institution Staatsballett nichts mehr zu tun. Es herrscht Funkstille. Er kommt nicht zu den Premieren. Zuletzt sei er beim Abschied von Primaballerina Beatrice Knop im Februar beim Staatsballett gewesen, erzählt er. Sie war seine langjährige Tanzpartnerin. Für ihre Verabschiedung kam er eigens aus St. Petersburg angereist.

Dass er jetzt in den Admiralspalast ausweicht, hat schon damit zu tun, dass das Staatsballett die drei Opernhäuser bespielt. Man kommt sich nicht in die Quere. Eine Kuriosität bleibt, dass Malakhov stolz verkündet, dass er mit seiner Gala ja wieder die Berliner Saison eröffnen werde.

Er wird wieder tanzen

Er sei eigentlich überbucht, sagt Malakhov. Und will damit sagen, er sei gut im Geschäft. Er ist ständig in der Welt unterwegs, allein im Mai habe er 26 Flüge gehabt. Seine Wohnung hat er nach wie vor in Berlin, seinen Zahnarzt in Petersburg und seine Compagnie in Tokyo. Vor allem aber will Malakhov mit dem Begriff Überbuchung die Erwartungen an ihn als Tänzer etwas zurück nehmen.

Ja, Malakhov wird wieder tanzen. Fest angekündigt ist das eigens für ihn geschaffene Erfolgsstück „The old man and me“ des Niederländers Hans van Manen. Das selbstironische Stück gehörte zu seinem Abschied in Berlin, Beatrice Knop hat es mit ihm getanzt. Im Admiralspalast wird Diana Vishneva jetzt seine Partnerin sein, sie ist Solistin am Mariinski Theater. Ob er aber darüber hinaus noch ein zweites oder drittes Stück einstudieren kann, das wisse er noch nicht genau. Es werde keinesfalls etwas Klassisches sein, fügt er hinzu, keine Prinzen oder so.

Malakhov staunt selbst über sich: Er spricht jetzt Russisch, Englisch und Japanisch

Malakhov hat sich in seinem Auftreten deutlich verändert. Zur Zeit ist er künstlerischer Berater des Tokio Balletts. Er erklärt seine dortige Position als eine Art Direktor, der aber nicht das letzte Wort habe. Das japanische Umfeld erzwingt wohl eine gewisse Harmonie und Zurücknahme. Hatte der Weltstar früher in Gesprächen Hände und Füße benutzt, um das Gesagte zu unterstreichen, so antwortet er jetzt völlig ruhig und konzentriert.

Da japanische Tänzer kaum Englisch sprechen, hat er in der Zwischenzeit sogar Japanisch gelernt. In einer Probe sprach er mit einem Gasttänzer Russisch, mit einem anderen Englisch und mit seinen Leuten Japanisch. Irgendwie staunt er über sich selbst, in Berlin hatte er sich lange mit dem Deutschen schwer getan.

„Es ist das erste Mal, dass ich so etwas selber mache“, sagt Malakhov mit Blick auf die Gala-Vorbereitung. Beim Begriff Impresario muss er aber lachen, so weit geht die Managerleidenschaft des Künstlers doch nicht.

„Ich habe guten Kontakt zu Polina“, antwortet Malakhov auf die Frage, ob er die Semionova für die Gala angefragt habe? Aber sie könne nicht mittanzen. Und dann formt er mit den Händen einen runden Babybauch. Angekündigt sind dagegen Lucia Lacarra und Marlon Dino (München), Julia Stepanova und Denis Rodkin (Moskau), Mizuka Ueno (Tokyo), Tricia Albertson und Rainer Krenstetter (Miami) oder Victoria Brileva und Fedor Murashov (St. Petersburg). Ganz am Ende des Gesprächs legt Malakhov übrigens die Hände auf die Knie und verbeugt sich. Das nennt man japanische Höflichkeit.

Admiralspalast, Mitte. Gala Malakhov & Friends am 2./3.9. Tel. 47997477