Restaurierung

Vorher/Nachher: Berlins berühmtestes Bilderpaar der Romantik

Zwei Werke von Caspar David Friedrich strahlen wieder fast wie im ursprünglichen Zustand. Drei Jahre lang wurden sie restauriert.

Caspar David Friedrichs "Mönch"(links)  und "Abtei im Eichenwald": Restauratorin Kristina Mösl hat  nachträgliche Retuschen und Übermalungen entfernt und bis zu sieben Schichten vergilbte Firnis abgetragen

Caspar David Friedrichs "Mönch"(links) und "Abtei im Eichenwald": Restauratorin Kristina Mösl hat nachträgliche Retuschen und Übermalungen entfernt und bis zu sieben Schichten vergilbte Firnis abgetragen

Foto: dpa

Das soll der „Mönch am Meer“ sein? Die grießigen Nebelschwaden am grauen Himmel sind verschwunden, stattdessen sind nun weiße Wolken zu sehen. Wer weiß, vielleicht wird der Tag sonnig. Auf jeden Fall gibt es bei diesem Caspar David Friedrich jetzt weniger Melancholie am Rande des Abgrunds. Und erst dieses helle Leuchten des weiten blauen Himmels. Dort flattern jetzt zaghaft 20 statt 16 Möwen.

Die Überraschung ist gelungen: Caspar David Friedrichs romantische Ikone sieht ganz anders aus, als wir sie kennen. Die knapp dreijährige Restaurierung in der Alten Nationalgalerie hat einen ganz anderen Typus Bild zutage gefördert – nahezu den Originalzustand des Bildes anno 1810. „Wir sind“, sagt Philipp Demandt, Leiter der Nationalgalerie, „nie näher dran an Capar David Friedrich als am heutigen Tag“.

Vor der Restaurierung war das Bild von Firnisschichten verdunkelt, grau und damit flach, und die blauen Smalte-Pigmente, mit Kobalt gefärbt, hatten die Fähigkeit längst verloren, um magisch zu strahlen. „Das ist die günstigste Neuerwerbung, die die Staatlichen Museen jemals getätigt haben. Das sind zwei neue Bilder“, sagt Generaldirektor Michael Eissenhauer.

Nicht nur der „Mönch“ wurde restauriert, sondern auch die „Abtei im Eichenwald“. Das Bildpaar gehört zusammen, und war die meiste Zeit auch zusammen ausgestellt. Anhand von Röntgenprotokollen stellte Restauratorin Kristina Mösl fest, dass die Leinwände sogar aus ein und demselben Stoffballen stammen, das spricht dafür, dass der Künstler beide Werke von Anfang an als Pendant geplant hatte. Die einzelnen Untersuchungsschritte kann der Besucher jetzt in der kleinen, feinen Sonderausstellung in der Nationalgalerie studieren – und natürlich die zwei „neuen“ bestaunen innerhalb der Sammlung. Die Nationalgalerie besitzt ja den größten Caspar-David-Friedrich-Fundus weltweit. Die beiden Gemälde, da sind sich alle einig, waren „Ruinen“, in erbarmungswürdigem Zustand. Dass sie restauriert werden mussten, stand bereits 1999 fest. Doch dann kam 2001 erst mal der „Watzmann“ dran. Als Philipp Demandt 2012 ans Haus kam, setzte er alles an dieses Projekt. Das es zustande kam, verdankt das Haus auch der Alfred Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, die 180.000 Euro zuschoß.

Was Kristina Mösl über den Zustand der Bilder erzählt, klingt abenteuerlich. Beim „Mönch“ ist irgendwer mit dem Bügeleisen angerückt, auf der Vorderseite sind gleich mehrere Plättspuren erkennbar. „Da waren Hitzebläschen zu sehen“, erzählt Mösl. Diese Fehlstellen überkittete sie, um sie anschließend zu übermalen.

Der Schaden wurde offenbar im Rahmen der Vorbereitung beider Bilder für die „Jahrhundertausstellung“ 1906 verursacht – man verstärkte sie mit einer zweiten Leinwand. Diese wurde mit einer Wachs-Harz-Mischung aufgeklebt – daher wahrscheinlich das Bügeleisen. Kristina Mösl nahm zudem den Kampf auf gegen zahlreiche Übermalungen und Retuschen, bis zu sieben Schichten Firnis musste sie abtragen. Diese Vergilbung verursacht die Farbverschiebung, damit das Erscheinungsbild des Gemäldes, wie wir am „Mönch“ gut sehen können. Beim „Mönch“ übrigens übermalte der Künstler drei Segelschiffe, um die „unendliche Einsamkeit“ (Brentano) zu betonen.

Wie schwierig so eine Restaurierung überhaupt ist, zeigt allein die Tatsache, dass schon im Vorfeld ein Fachkolloquium mit 25 Restauratoren und Kunstwissenschaftlern zusammenkam. Darf man historische Bilder wie diese Ikonen überhaupt komplett restaurieren? Kontroverse Fragen musste man diskutieren. Doch alle waren sich einig, so erzählt es Demandt, „wir wollen ran an den alten Caspar David Friedrich!“

Und Frau Mösl, will nun jemand wissen, „Wie haben Sie das gemacht?“ Die Chefrestauratorin lächelt. Diese Zeit mit Caspar David Friedrich, glaubt sie, werde sie später einmal als die „glücklichste Zeit“ ihrer Karriere betrachten.

Alte Nationalgalerie, Bodestr.1-3. Di-So 10-18 Uhr. Do 10-20 Uhr. Bis 22. Mai

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