Hansa Studios

Berliner erweisen David Bowie die letzte Ehre

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Lorenz Vossen

In den Hansa Studio haben Berliner von Poplegende David Bowie Abschied genommen. Dort hatte er seine Berliner Alben aufgenommen.

Irgendwann kramt Eduard Meyer ein paar ältere E-Mails hervor. Die letzte stammt aus Mitte 2014, etwa die Zeit, als David Bowie von seiner Krankheit erfuhr. Meyer wollte seinem alten Freund von der Bowie-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau berichten, er konnte das, denn er gehörte zu den Auserwählten, die seine Mail-Adresse erhalten hatten. Unter der Bedingung, sie auf keinen Fall weiterzugeben. Bowies Antwort fiel kurz und knapp aus: „Gut von dir zu hören. Hoffe, der Trip war es wert. Lol.“ Gelächter im Saal.

Es ist eine von mehreren Anekdoten, die Meyer am Donnerstag vorträgt. Die Hansa Studios haben zur Trauerfeier geladen, im ersten Stock, dem sogenannten Meistersaal, wo das Album „Heros“ aufgenommen wurde und den Bowie ob der Nähe zur Berliner Mauer immer „the big hall by the wall“ nannte. Mehrere Hundert Menschen wollen dabei sein, die Schlange reicht bis in die nächste Nebenstraße. Das Publikum ist bunt gemischt, da ist die inzwischen ergraute Bowie-Generation der 70er- und 80er-Jahre, aber auch deren Nachkommen, die die alten Platten von ihren Eltern vorgespielt bekamen und liebgewannen. Auffällig ist vor allem die große Zahl extrovertierter Frisuren.

Jeder ist aufgerufen, etwas zu sagen oder zu singen. Und mittendrin: Eduard Meyer. Der 70-Jährige kannte Bowie von allen Anwesenden wohl am besten. Die beiden arbeiteten bei zwei Alben von Bowies Berlin-Trilogie zusammen, beim Song „Art Decade“ durfte der Toningenieur und Hobbycellist Meyer sogar zum Cello greifen. Auch heute spielt er den Song, denn „mit dem Instrument kann ich mich besser ausdrücken als mit Sprache“.

Auch wenn Bowies Zeit in den Hansa Studios nun schon 40 Jahre zurückliegt, ist er allgegenwärtig. Fotos, Gemälde. Die Symbiose war für beide Seiten ein Gewinn. Bowie konnte in der Köthener Straße zur Ruhe kommen und wieder konzentriert arbeiten, nachdem er, ausgezehrt von Ruhm und Drogen, 1976 nach Berlin geflohen war. Und das Studio, das bis dahin hauptsächlich Schlager produziert hatte, erlangte durch den Popstar Weltruhm. „Ohne Bowie wären Depeche Mode oder U2 sicher nicht hierhergekommen,“, sagt Philipp Stratmann, der den „Bowie Berlin Walk“ veranstaltet, eine Tour durch das Berlin des Künstlers.

Auch Astrid Knauer ist in den Meistersaal gekommen, sie nutzt die Gelegenheit, um Unterstützer für ihre Onlinepetition zu gewinnen: eine David-Bowie-Straße. Als sie ihr Anliegen vorträgt, brandet Applaus auf. Knauer wuchs in der DDR auf, zog nach Ost-Berlin und verliebte sich in einen US-Soldaten aus dem Westteil. Sie waren durch die Mauer getrennt. Ihre Geschichte ähnelte der des Liebespaares aus David Bowies „Heroes“. Knauer hat das nicht vergessen. Dann tritt eine junge Portugiesin auf die Bühne. A cappella stimmt sie Bowies „Space Oddity“ an, ihre Stimme dringt bis auf die Straße, wo zwei Männer stehen und mitsummen, jeder eine Flasche Bier in der Hand. Es ist keine Trauerfeier wie jede andere. David Bowie hätte das gefallen.

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