Musical im Admiralspalast

"Elisabeth" erobert das Berliner Publikum im Sturm

Das Musical "Elisabeth" hat im Berliner Admiralspalast Premiere gefeiert. Roberta Valentini überzeugt als stimmgewaltige "Sissi".

Roberta Valentini singt „Ich gehör' nur mir“

Roberta Valentini singt „Ich gehör' nur mir“

Foto: dpa

Beim Musical „Elisabeth“ fängt man am besten mit dem zweiten Teil an. Nach der Pause läuft der Erzähler nämlich als Bauchladenverkäufer durch die Zuschauerreihen und verkauft Sissi-Devotionalien. Die er zugleich mit einem Song brandmarkt, der das Grundmuster des ganzen Stückes vorgibt: „Kitsch!“ Schluss mit dem alten Romy-Herzschmerz. Das Musical von Michael Kunze und Silvester Levay zeigt die wahre Geschichte der Kaiserin, die sich eigentlich so gar nicht zur Schmonzette eignet.

Um all die Schnulzenklischees des Kinos zu entzaubern, gibt es gleich eine doppelte Verfremdung: Als Erzähler fungiert ausgerechnet der Attentäter, der Elisabeth 1898 ermordet hat. Und den zweitwichtigsten Part in dem Stück, das das ganze Leben der unglücklichen Kaiserin im Schnelldurchlauf durchblättert, ist der Tod, mit dem Elisabeth früh in Kontakt tritt und nach dem sie sich immerzu sehnt. Der aber will nicht nur sie. Am Ende geht das Stück weit über den biographischen Stoff hinaus, wenn mit der Kaiserin (und dem alten Jahrhundert) auch die ganze k.k.-Monarchie schon visionär untergeht.

„Elisabeth“ war erst vor acht Jahren in Berlin zu sehen, am Theater des Westens. Mit Pia Douwes, die die Titelpartie wie keine Zweite bestimmt hat. Kein leichtes Unterfangen also, wenn die Inszenierung von Harry Kupfer nun als Tourneeproduktion wiederkehrt. Weil man das aufwendige Bühnenbild tourtechnisch entschlacken muss und die Bühne des Admiralspalasts noch etwas kleiner ist. Die Macher haben aber aus der Not eine Tugend gemacht. Kupfers Regie ist ja an sich schon radikal modern, da sie jeden Pomp auskehrt und stattdessen auf wandbreite Fotoprojektionen setzt. Im Admiralspalast werden die Requisiten weiter reduziert und der Fokus noch stärker auf das Ensemble gelegt, das nicht nur stimmlich, sondern auch schauspielerisch alles geben muss.

Emanzipatorische Trotzballade "Ich gehör' nur mir“

Der Star des Abends ist Roberta Valentini. Die 34-Jährige zählt spätestens seit „Marie Antoinette“ in Bremen – auch das ein Kunze/Levay-Stück über eine unglückliche Monarchin – zur ersten Garde der Musicalzunft und muss sich hinter der übermächtigen Pia Douwes nicht verstecken. Sie ist stimmlich grandios, schon mit ihrem ersten Solo, der emanzipatorischen Trotzballade „Ich gehör' nur mir“, erobert sie den Saal im Sturm. Und sie wandelt sich sichtlich: vom Backfisch, der über die Bühne tollt, zum reifen schönen Schwan, bis das Haar grauer und der Gang immer schleppender wird.

Die weiteren Sympathien liegen bei Kurosch Abbasi als Attentäter Luigi, auch Maximilian Mann weiß der eher blassen Rolle als Kaiser Franz Josef Kontur zu verleihen. Aber ausgerechnet Máté Kamarás als Tod fällt am Premierenabend dahinter stimmlich zurück. Was den Abend manchmal ein wenig in Schieflage bringt. Die Valentini aber fängt das alles auf. Ein Triumph. Sie gehört nur uns.

Admiralspalast, Friedrichstr. 101. Tel: 22507000. Di.-So., bis 14. Februar