Kubanische Kunst

Steinmeier eröffnet Kunstausstellung „Tracing Ashes“

Diplomatie in der Galerie Crone: Außenminister Steinmeier eröffnete in Berlin eine Ausstellung des kubanischen Künstlers Roberto Diego.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD, r.) und der kubanische Künstler Roberto Diago

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD, r.) und der kubanische Künstler Roberto Diago

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Die Botschafter stecken ihre Köpfe zusammen. Die Herren wissen, welche Bilder die Diplomatie verlangt. Und so stehen sie im Rund und lachen gemeinsam, der US-Botschafter John B. Emerson mit seiner Frau Kimberly, daneben der Kubaner René Juan Cantelar mit seiner „first lady“.

Gerade hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) die kleine Eröffnungsrede gehalten in der Galerie Crone. Zu Ehren der Einzelschau von Roberto Diago, dem Künstler aus Havanna. Er weiß, dass dieser Abend von „Tracing Ashes“ nicht in erster Linie seinen Werken gilt, sondern vor allem eine politische Geste ist nach der Aufhebung des Embargos gegen Kuba.

Steinmeier erklärt nun, dass es einen Vertrag geben wird über den kulturellen Austausch beider Länder, und die Gründung eines Goethe-Institutes in der Karibik-Metropole auch beschlossene Sache sei.

Roberto Diego guckt irgendwann auf seine Rolex. Er trägt an diesem Abend einen schwarzen Anzug, einen legeren schwarzen Wollschall um den Hals, hält das Smartphone bereit, vielleicht ein wenig zu smart für die Kreuzberger Vernissage-Gesellschaft.

„Ich komme aus einer Kunstschule, wo wir gelernt haben, uns mit nichts auszudrücken“

Aber schließlich ist es auch keine gewöhnliche Eröffnung. Und er kein gewöhnlicher Kubaner, er wuchs privilegiert auf, die Mutter Lehrerin, der Vater Journalist. „Ich war“, erzählt er, „immer in der Welt unterwegs“, er werde jetzt einfach weiter reisen. Freiheit, wird er später sagen, sei schwierig, man müsse ehrlich bleiben und aufrichtig.

Die Mangelwirtschaft des Castro-Systems hat Diagos Kunst geprägt. Im Westen würde man von „Arte povera“ sprechen. Der 44-Jährige benutzt einfache Materialien, Jute oder verroste Metallfragmente, die er in den Armenviertel Kubas gefunden hat. Die großen Leinwände sind aus einzelnen Stoffresten zusammengeklebt.

„Ich komme aus einer Kunstschule, wo wir gelernt haben, uns mit nichts auszudrücken“, erzählt er. Wo die Stoffe genau herkommen, weiß er nicht, aber das macht „den Sinn aus, dass die Leinwände verschiedene Geschichten erzählen“.

Kubanische Kunst als Zeichen des Widerstands

Die geschweißten Metallteile bilden Narben, wie sich eben Narben bei Schwarzen nach außen wölben. Auch auf den Leinwänden tauchen diese aus Baumwolle gedrehten Wülste auf. „Die Haut, die spricht“ und „Die Macht deiner Seele“, so taufte Diago seine Serien. „Symbolisch“ sei das, erklärt er.

„Die Wunden der schwarzen kubanischen Sklaven“, sagt Steinmeier in seiner Rede. Diese Kritik hat der Maximo leader wohl gerade noch durchgehen lassen.Seit der Aufnahme der Beziehungen zwischen den USA und Kuba spürt Roberto Diago die Dynamik im Land. „Da ist in allen Bereichen Druck auf dem Kessel, die Veränderung steht vor der Tür. Man muss sehen, wie es uns gefällt, dass wir uns verändern.“

Kubanische Kunst hätte immer mit Widerstand zu tun gehabt. Was auch komme, meint er, die Werte blieben. Stolz zählt er sie auf: Solidarität, Fröhlichkeit, Familie. „Das Lachen treibt uns keiner aus.“ Später am Abend wird man die beiden Botschafter im benachbarten Restaurant wieder sehen, allerdings an weit getrennten Tischen.