Mercedes-Arena

Wie Mario Barth in Berlin wieder die Menschheit spaltet

12.000 Menschen waren bei Mario Barths Auftakt in der Arena dabei. Er polarisiert - aber wer dabei ist, hat sich entschieden.

Ob Mario Barth jemals Angst hatte, an Bedeutung zu verlieren? Wahrscheinlich nicht. Weiterer Nährboden für einen unterstellten Größenwahn wird ihm auch in diesem Jahr geliefert. Nachdem der Mann, der sich selber Chef nennt, 2014 das komplette Olympiastadion in Berlin füllte und dafür ins Guinessbuch der Rekorde gekommen ist, verkaufte er in diesem Jahr respektable 24.000 Tickets für nur zwei Shows in seiner Heimatstadt Berlin. Ausverkauft, natürlich. Diesmal in der Mercedes Benz Arena.

“Männer sind bekloppt…aber sexy” steht da vorne auf den riesigen Bildschirmen auf der Bühne. 100 Laola-Wellen später steht der Mann, auf den an diesem Abend alle warten, um 20.15 Uhr auf der Bühne. Primetime. Die Stimmung ist so aufgeheizt, er muss noch nicht mal etwas sagen.

Fans und “Faninin”, wie er sein weibliches Gefolge ganz genderkonform nennt, müssen lachen. Viele von ihnen tragen T-Shirts mit lustigen Sprüchen drauf. Natürlich vom Chef selbst. Sozusagen die Kalauer unter seinen Witzen. “Brüllkäfer” steht da zum Beispiel. Oder “Nicht quatschen, machen”. So fühlt man sich seinem Idol irgendwie noch näher. Seine Worte auf der eigenen Brust.

Die Kraft von 12.000 Menschen

Hallo, sagt er, nachdem die Masse minutenlang frenetisch geklatscht hat. Man merkt die Kraft von den 12.000 Menschen in der Arena. Er lacht. So, wie er das immer tut. Dieses Alte-Männer-Lachen ohne Ton. Alle anderen lachen auch. Hallo, sagt er nochmal und lacht wieder. Und wieder lacht auch die Menge. O2 Arena, sagt er weiter. Denkpause. Damals, sagt er dann, habe er noch ein Handy geschenkt bekommen. Er freue sich auf heute Abend, brüllt er ins Mikro. Alle anderen johlen und kreischen. An diesem und dem nächsten Abend hat der Ticketumsatz mehr als 880.000 Euro betragen.

Ob den Zuschauern das futuristische Bühnenbild gefalle, fragt er nun. Mario Barth ist aus einem Flugzeug, das auch auf dem Rummel am Alexanderplatz stehen könnte, emporgestiegen. Mit ganz viel Rauch, dramatischer Musik und vibrierendem Bass. Wie ein Heilsbringer, der Retter dieser, unserer Welt. Sein Rezept: die Gesellschaft in zwei Teile spalten. In Mann und Frau. An diesem Abend sitzen, und das ist bei seiner chauvinistischen oder zumindest klischeehaften Weltanschauung fast etwas verwunderlich, ganz schön viele Frauen in den Reihen.

Die sind bei ihm ja vor allem: niedlich, oberflächlich, Hausfrauen, stur, hysterisch, unpraktisch und naja, ein bisschen… Das Wort “plemplem” spricht er dabei natürlich nie aus, deutet es nur an. Mit seiner Hand, die er vor seinem Gesicht fuchtelt und dem Geräusch dazu, als würde er ganz schnell über eine Scheibe wischen. Er spricht viel von seiner Freundin. Ob es die wirklich gibt? Am Ende auch egal. Barth Mann, wir Frau.

Barth teilt die Welt in Männer und Frauen

Genug gelacht. Also nochmal: Ob das Bühnenbild gefalle? Während alle anderen wieder aufschreien, kommt endlich der Witz, den er nun lange vorbereitet hat. Los geht’s. Seine Beobachtung bei den Anhängern in der Arena: “Männer: ‘geil! Technik!’ Und Frauen so: ‘oooh, schöne Farben.’” Bei “Frau” - also dem “barthschen” Typ Frau - gehe es ja ohnehin nur um Optik.

Zwischen Mercedes und Audi könne sie gar nicht erst unterscheiden und sie würde sogar an der Tankstelle einkaufen. Ist es humorlos, wenn man als weiblicher Mensch nicht darüber lachen kann? Mario Barth teilt die Welt offensichtlich in noch weitere zwei Teile: In die, die ihn verehren und die, die ihn nicht ertragen können.

Niemand muss übrigens glauben, dass Mario Barth mit seinem aktuellen Programm nicht auch diesmal das Olympiastadion hätte füllen können. Das hätte er ganz sicher. Nur entschied er nach seiner letzten Tour: nie wieder! Und Männer sind ja bekanntlich konsequent. Oder hatte Chef vielleicht doch ein bisschen Angst, am Ende an Bedeutung zu verlieren? Denn was wäre gewesen, wenn das Stadion diesmal leer geblieben wäre?

Im Februar kommt er jedenfalls wieder nach Berlin. Wegen zwei Zusatzshows für seine Fans und “Faninin”.