Bühne Premiere

„Wäre ich jung, würde ich nach Berlin ziehen“

Vor der Premiere der Komödie „Rose und ihr hilfreicher Geist“ im Schlosspark Theater trafen wir Michaela May zu einem persönlichen Interview.

Schauspielerin Michaela May feiert Premiere im Schlosspark Theater.

Schauspielerin Michaela May feiert Premiere im Schlosspark Theater.

Foto: Massimo Rodari

Ein kleines bisschen Heimat ist Berlin für Michaela May schon. Die 63-jährige Münchenerin hat hier oft gedreht, bereits 1972 mit Hannelore Elsner an der Komödie am Kurfürstendamm gespielt und dabei von Günter Pfitzmann wertvolle Tipps für die Schauspielerei bekommen, wie sie sagt.

Zurzeit ist sie – wieder mit Hannelore Elsner – im Kino in der Tragikomödie „Familienfest“ zu sehen. Am heutigen Sonnabend feiert sie im Schlosspark Theater mit der Komödie „Rose und ihr hilfreicher Geist“ Premiere. Darin spielt sie eine Schriftstellerin, die nach dem Tod ihres Mannes (Jürgen Heinrich) dank ihrer Fantasie weiter mit ihm lebt.

Berliner Morgenpost: Sie werden bald zum ersten Mal Großmutter. Sind Sie aufgeregt?

Michaela May: Ich freue mich sehr darauf und es ist natürlich spannend. Ich habe mir im November auch einige Tage freigehalten, damit ich meine Tochter Alexandra in London besuchen kann, wo sie lebt und das Kind bekommt.

Geben Sie Ratschläge?

Wenn Sie mich fragt, dann bin ich gerne für sie da. Von mir aus würde ich meinem Kind nie sagen, mach etwas so oder so. Ich war froh, dass meine Mutter das auch nicht bei mir gemacht hat.

Sie sind zurzeit unter anderem mit Hannelore Elsner in „Familienfest“ im Kino zu sehen. Sie kennen sich schon länger.

Wir sind uns im Laufe unseres Berufslebens immer wieder begegnet, haben uns auch privat getroffen, unsere Kinder im Park zusammen Dreirad fahren lassen. Auch wenn wir manchmal länger nichts voneinander hören, aus den Augen verlieren wir uns nie. Und wenn wir uns dann treffen, ist das, als wenn keine Zeit vergangen wäre.

Sie kehren immer wieder auf die Bühne zurück. Ist das wichtig für einen Schauspieler, der meistens Filme macht?

Es ist Lust. Das Theater hat eine andere Körpersprache und Präsenz auf der Bühne, eine andere Kontinuität. Die Kamera geht durch die Augen in die Seele hinein, im Theater musst du durch den Körper hinaus zu den Leuten. Auch die Einmaligkeit spielt eine Rolle – wenn auf der Bühne etwas raus ist, ist es raus, wenn es verrutscht ist, es verrutscht. Ich liebe auch die Reaktion der Menschen, diese Stille, wenn sie gespannt sind. Es ist jeden Abend ein Geben und Nehmen. Beim Film ist es ein Geben und dann heißt es: „Cut!“. Dann hat man nichts mehr in der Hand. Wie groß ist man im Bild, wird Musik daruntergelegt? Im Theater ist der Einfluss von außen gleich null.

Was berührt Menschen an einem Stück wie „Rose und ihr hilfreicher Geist“?

Viele wünschen sich eine Liebe wieder zurück, sprechen insgeheim mit den Verflossenen oder Verstorbenen. Manche fragen sie auch um Rat. Ich selbst ertappe mich dabei, dass ich innerlich manchmal meinen Vater frage: „Was würdest du machen, Papi?“ Denn er war zum Beispiel in finanziellen Dingen sehr geschickt. Und auch wenn ich früher nicht so gerne mit ihm auf den Berg gegangen bin, heute stelle ich mir vor, dass er dabei ist, wenn ich rund um Garmisch oder den Wilden Kaiser wandern gehe. Erinnerungen an Menschen, die gegangen sind, sind ein wichtiger Bestandteil im Leben.

Wird man Sie in Zukunft auch einmal wieder als Jo Obermaier im „Polizeiruf 110“ sehen?

Da ist nichts geplant. Es ist sehr schade, dass es das Team seit 2009 nicht mehr gibt. Ich bedaure das sehr. Ich denke, Edgar Selge und ich waren eine spannende Paarung. Ich werde oft darauf angesprochen und es werden häufig noch Wiederholungen gezeigt.

Sie engagieren sich unter anderem für die Impfung gegen Pneumokokken, die Erreger von Lungenentzündung.

Ja, denn die Impfung ist kaum bekannt und für Menschen über 60 sehr wichtig. Das müssen wir verändern. Dafür setze ich mich ein. Die Gefahr einer Lungenentzündung steigt ab diesem Alter sehr, weil das Immunsystem schwächer wird.

Sie leben in München, haben aber in Berlin oft beruflich zu tun. Was verbinden Sie mit der Hauptstadt?

Vieles, weil ich hier immer wieder drehe. Zum Beispiel Komödien wie „Trau’ niemals deinem Chef“ mit Ulrich
Noethen
oder „Auch erben will gelernt sein“ mit Elmar Wepper und letztes Jahr eben „Familienfest“. Es freut mich sehr, dass dieser Film so erfolgreich ist und jetzt sogar Kopien nachbestellt wurden, weil er so gut besucht ist.

Gibt es einen Ort in Berlin, den Sie besonders mögen?

Ich erinnere mich gut an meine Zeit in Schöneberg, wo ich im Winter nach dem Mauerfall wohnte, als die Wende noch ganz frisch war. Ich drehte damals die Serie „Zwei halbe sind noch lange kein Ganzes“. Meine Tochter Alexandra war acht Jahre alt, spielte auch meine Tochter in der Serie. Sie hatte so viele Drehtage, dass ich sie hier vorübergehend einschulte. Lilian, meine jüngere Tochter, war zwei, und war mit Kindermädchen und Sack und Pack nach Berlin gezogen. Heimatgefühle habe ich überwiegend im Westteil, vor allem am Kudamm. Ich habe meistens im Hotel „Kempinski“ oder im Hotel „Louisa’s Place“ gewohnt. Ich bin immer erstaunt und neugierig, wie schnell sich Berlin verändert. Es ist alles im ständigen Wandel.

Was unternehmen Sie in Berlin?

Ich schaue mich auch gerne in Mitte, Prenzlauer Berg oder Friedrichshain um. Auch das Regierungsviertel ist spannend. Die Verwandlung, die vielen kreativen Läden, begeistern mich. Ich kann alle jungen Leute sehr gut verstehen, die hier leben wollen. Wenn ich jung wäre, würde ich das auch machen. Gerade habe ich Zeit bei Freunden in Brandenburg verbracht, die eine Datsche bei Neuruppin haben. Die Landschaft ist wunderschön. Ich war ganz erstaunt, dass hier viele einfach nackt ins Wasser gehen, was in Bayern gar nicht denkbar wäre. Das finde ich wunderschön. Das ist eigentlich fast wie zu meiner Jugendzeit am Ammersee.