Kulturförderung

Berliner Senat will Boulevardtheatern mehr Geld geben

Vor dem großen Umbruch: Kudamm-Bühnen und Schlosspark Theater sind die Gewinner, das Renaissance-Theater steht vor harten Zeiten.

Das Renaissance-Theater in der Knesebeckstraße erhält bislang zwei Millionen Euro vom Land Berlin. Das soll sich ändern

Das Renaissance-Theater in der Knesebeckstraße erhält bislang zwei Millionen Euro vom Land Berlin. Das soll sich ändern

Foto: Jens Kalaene / picture alliance / ZB

Der Senat plant, die Finanzierung der Boulevardtheater komplett neu zu strukturieren. Im Doppelhaushalt für 2016/17 will der Senat für die vier Bühnen drei Millionen Euro pro Jahr bereitstellen, zuletzt betrug die Förderung 2,85 Millionen Euro. Das entspricht einer Steigerung von 5,3 Prozent. Die wesentliche Veränderung ergibt sich aus der geplanten Verteilung der Gelder. Das Renaissance-Theater, das bislang mit zwei Millionen Euro der Hauptprofiteur staatlicher Förderung war, soll sich künftig stärker im Wettbewerb mit den Kudamm-Bühnen, dem Schlosspark Theater und dem Prime Time Theater messen. Das erfuhr die Berliner Morgenpost aus Abgeordnetenkreisen.

Geht es nach dem Willen des Senats, werden sich für das Renaissance-Theater die finanziellen Rahmenbedingungen komplett ab 2018 ändern. So gelte für 2016 noch eine „Art Bestandschutz“, die dafür sorge, dass sich das Theater auf die neuen Bedingungen einstellen könne. Im kommenden Jahr erhält das Theater in der Knesebeckstraße demnach weiterhin zwei Millionen Euro; auch 2017 würde es noch „einen großen Teil“, so ein Abgeordneter, dieser Summe erhalten. Ab 2018 habe es keinen Anspruch auf Förderung. Eine Jury, die noch nicht benannt wurde, soll die Verteilung der öffentlichen Gelder zwischen den Boulevardtheatern bestimmen. Ziel der geänderten Förderung sei es, die „Wettbewerbsverzerrung“ bei den Boulevardtheatern zu beseitigen.

Ungleichgewichtige Förderung beenden

Das Renaissance-Theater galt als einer der liebsten Bühnen von Klaus Wowereit (SPD), dem früheren Bürgermeister der Stadt. Auch aus dem Kulturausschuss war öfters zu hören, dass das Renaissance-Theater „etwas besseres“ als die Kudamm-Bühnen sei. In der Tat galt es als ein Konkurrent zur Schaubühne, das liegt allerdings eine Zeit lang zurück, als die Schaubühne in den Nuller Jahren schwächelte und der programmatische Ehrgeiz des Renaissance-Theater erkennbarer war als heute. Grundsätzlich ist allerdings umstritten, ob sich der Staat bei seiner Förderung von Geschmacksurteilen leiten darf.

Die ungleichgewichtige Förderung war, wie man so sagt, wenn man sich an den Grund nicht mehr richtig erinnern kann, „historisch gewachsen“. Die Diskrepanz, die zwischen dem Renaissance-Theater und auf der anderen Seite dem Schlosspark Theater und Kudamm-Bühnen, die mit jeweils 230.000 Euro jährlich unterstützt werden, erscheint dem Regierenden Bürgermeister und Kultursenator Michael Müller (SPD)zu groß geworden zu sein.

Der Senat will in den kommenden beiden Jahren den Etat für die Kultur massiv erhöhen. Geplant ist nach der Senatsvorlage für den Doppelhaushalt, dass 2016 mit Berücksichtigung der Einnahmen durch die City-Tax 2016 der Kultur 35,7 Millionen Euro mehr zur Verfügung stehen, 2017 sollen es 52,8 Millionen Euro sein. Zwei Hürden stehen der Senatsvorlage über den Doppelhaushalt für die Kultur bevor. Zum einen muss sie durch den Kulturausschuss, der sich Ende des Monats damit beschäftigen wird. Der Hauptausschuss entscheidet dann im September.