Kulturgutschutzgesetz

Plattner befürchtet "Hunderte Millionen Euro Wertverlust"

Bleibt Monika Grütters hart, will Milliardär und Kunstsammler Hasso Plattner seine Kunstsammlung in den USA belassen.

Richtfest im April 2015: Der Mäzen Hasso Plattner vor seinem Palast Barberini in Potsdam. 2017 soll das Kunsthaus eröffnen

Richtfest im April 2015: Der Mäzen Hasso Plattner vor seinem Palast Barberini in Potsdam. 2017 soll das Kunsthaus eröffnen

Foto: Ralf Hirschberger / ZB

Der SAP-Unternehmensgründer und Kunstsammler Hasso Plattner hat sich unbeeindruckt von Beschwichtigungsversuchen der Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) gezeigt.

Am vergangenen Wochenende hatte er in den „Potsdamer Neusten Nachrichten“ angekündigt, dass er seine Privatsammlung nach seinem Tode nicht wie geplant dauerhaft in Potsdam ausstellen will, sollte das Gesetz beschlossen werden. Daraufhin hatte das Haus der Staatsministerin die bewährte Kommunikationsstrategie gewählt: Wie schon in der Vergangenheit auf die Einwände und Proteste des Galeristenverbandes und des Malers Georg Baselitz gegen das Kulturgutschutzgesetz, wurden die Bedenken als „unbegründet“ zurückgewiesen. Sie hätten „sachlich nichts mit der aktuellen Novellierung des Kulturgutschutzgesetzes zu tun“.

Werke der Klassischen Moderne

Das sieht Hasso Plattner anders. In seiner Stellungnahme, um die die Berliner Morgenpost gebeten hatte, verweist er darauf, dass alle seine Bilder auf dem internationalen Kunstmarkt erworben worden seien. Die Sammlung werde in seine Stiftung übertragen, die die Verpflichtung habe, das Vermögen zu wahren und die Erlöse dem Stiftungszweck zuzuführen. „Ein Wertverlust von mehreren Hundert Millionen ist in der Stiftung nicht zu verantworten.“

Er rechnet fest damit, dass die geplante Novelle auch für seine Werke gelten werde. Schließlich seien die Bilder der Sammlung in Deutschland „einmalig“. Es gebe keinen Grund anzunehmen, dass sie nicht als nationales Kulturgut eingestuft werden. Schließlich habe selbst Monika Grütters gesagt, dass „jedes bedeutsame Werk eines Künstlers von internationalem Rang soll auf die Liste, das dauerhaft in Deutschland verwahrt worden ist“. Alle Bilder wären ein Import nach Deutschland, schreibt Hasso Plattner weiter: „Sollten alle diese Bilder nicht als nationales Kulturgut eingeschätzt werden, weiss ich nicht was das Gesetz eigentlich soll.“

Großer internationaler Kunstsammler

Der Milliardär Plattner zählt zu den großen internationalen Kunstsammlern. Zu seiner Kollektion gehören Werke des Impressionsmus, Expressionismus, ja, der Klassischen Moderne wie er selber auflistet: Claude Monet, Auguste Renoir, Camille Pissarro, Wassily Kandinsky, Emil Nolde, Edvard Munch und Karl Schmidt-Rottluff. Bilder, die sich heute kein Museum mehr auf dem Kunstmarkt leisten kann, weil es kein Ankaufsetat gibt. In keinem „deutschen Museum gibt es eine solche Sammlung“, so Plattner. Der gebürtige Berliner, aufgewachsen im Grunewald, besitzt zudem eine kleine Sammlung von DDR-Künstlern wie Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke, ausgewählte Positionen waren auch schon in Potsdam ausgestellt.

Plattners Vorgehen wird in Potsdam mit Sorge beobachtet. Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sprach von einem „kulturpolitischen Skandal allerersten Ranges“, er hat sich bereits auch in einem Brief an die Kulturstaatsministerin gewandt.

Große Teile dieser Sammlung will der Mäzen eigentlich im Palast Barberini in Potsdam zeigen, der 2017 eröffnen soll. Geplant ist, dass das Haus nach seinem Tod zum ständigen Domizil der Sammlung wird. Der bei einem Luftangriff 1945 zerstörte Palast Barberini am Alten Markt wird mit historischer Fassade wieder aufgebaut. Finanziert wird das Gebäude von der Hasso-Plattner-Stiftung, Mitte April wurde Richtfest in Potsdam gefeiert.

Plattner hat einiges für Potsdam getan, er finanzierte die historische Fassade beim Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses, unterstützte auch die Universität mit dem Aufbau „Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik“. Ursprünglich wollte der 71-Jährige auf dem Areal des Hotel „Mercure“ am Wasser bauen, doch dafür hätte das Hochhaus aus DDR-Zeiten abgerissen werden müssen. Nach zahlreichen Protestbriefen von Potsdamern stoppte er das Projekt an dem Standort.

Die Kulturstaatsministerin hat in den vergangenen Wochen für Unmutsstimmung in der Kultur gesorgt, die über die Aspekte einer Novelle hinwegreichen. In einem Gespräch mit der Berliner Morgenpost hat Kristian Jarmuschek, Galerist und Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Galerien und Kunsthändler, in dieser Woche vor allem „die ganze Haltung des Gesetzes“ kritisiert, sie laute: „Schön blöd, dass Du Kunst gekauft hast, jetzt kommen wir vom Staat, weil Du als Privatmann nicht richtig weißt, wie man mit Kunst umzugehen hast. Es gibt fortan Experten der Bundesländer, die entscheiden das für Dich.“

In einem offenen Brief hatte Carl Christoph Graf Douglas, einer der einflussreichsten Kunstberater des Landes geschrieben, dass Monika Grütters „den Eindruck verstärkt, dass Kunsthändler skrupellose Geldmacher seien. Hiermit verstärken Sie Ihre Kampagne gegen den international agierenden Kunsthandel“.

Experten entscheiden über Werk

Hasso Plattner verweist in seiner Stellungnahme auf ein Interview, das Monika Grütters Anfang Juni in dieser Zeitung gab. In diesem hatte sie auf die hohen Preise am Kunstmarkt hingewiesen und gesagt, dass man „nicht tatenlos zusehen“ solle, „wie wichtige Bilder über London in New York landen“. Hasso Plattner verweist darauf, dass sogenannte Experten in den Bundesländern entscheiden werden, welche Bilder nationales Kulturgut sind und damit nicht außerhalb Deutschlands oder außerhalb der EU veräußert werden dürfen: „Bilder, die nationales Kulturgut sind, verlieren damit ihren Markt und Marktwert.“

Plattner geht so weit, dass er im Falle des Inkrafttretens des Gesetzes, im kalifornischen Palo Alto ein neues Museum bauen lassen würde. Dort könnte er dann seine Sammlung auch zeigen. Geld dafür hätte die Stiftung.