Neu im Kino

"Desaster" war für Dohnányi wie eine Klassenfahrt

Justus von Dohnányi hat wieder einen Film mit Stefan Kurt und Jan Josef Liefers gemacht. Und verrät, was so speziell an dem Trio ist.

Keine falsche Eitelkeit: Justus von Dohnanyi, l.) und Jan Josef Liefers lassen ihre Ampe aus dem Wasser hängen und schenken sich auch sonst nichts

Keine falsche Eitelkeit: Justus von Dohnanyi, l.) und Jan Josef Liefers lassen ihre Ampe aus dem Wasser hängen und schenken sich auch sonst nichts

Foto: StudioCanal / dpa

Vor sieben Jahren gab der Schauspieler Justus von Dohnányi („Das Experiment“, „Frau Müller muss weg“) sein Kinodebüt als Regisseur mit „Bis zum Ellenbogen“. Die Regie ist jetzt so etwas wie sein Zweitberuf geworden. Nach zwei „Tatort“-Folgen für Ulrich Tukur startet morgen nun sein zweiter Kinofilm, eine schwarze Gangsterkomödie, die den bezeichnenden Titel „Desaster“ trägt. Wieder, wie schon beim „Ellenbogen“, sind auch Jan Josef Liefers und Stefan Kurt mit von der Partie. Wir haben Dohnányi in seinem Kiez in Charlottenburg getroffen.

Berliner Morgenpost: Herr von Dohnányi, haben Sie mal auf Youtube geschaut, wie oft da „Alle Kinder dieser Erde“, Ihre Bohlen-Parodie aus „Männerherzen“, geklickt wird? 1.538.203 Aufrufe.

Justus von Dohnányi: Das sagt mir nicht wirklich was, weil ich nicht weiß, wie oft andere Sachen geklickt werden. Aber ich habe mir sagen lassen, dass es auch im Vergleich zu richtigen, echten Sängern schon ganz anständig ist.

In „Desaster“ spielen Sie, wie bei Ihrem ersten Film, wieder mit Jan Josef Liefers und Stefan Kurt. Sie kennen sich noch aus dem Thalia Theater. Was war da so besonders, dass Sie so zusammenschweißt?

Jürgen Flimm, damals Intendant am Thalia, hatte ein großes junges Ensemble, das war wie eine Generation. Flimm hat es durch seine Art geschafft, eine eingeschworene Gemeinschaft zu erreichen, was es für ein gutes Ensemble auch braucht. Und unter diesen allen, die sich gut verstanden haben, haben sich einige gefunden, die sich noch etwas besser verstanden haben. Und noch etwas verrückter waren.

Das Dreamtrio Liefers, Kurt, Dohnányi.

Wir hatten damals viele Gastspiele mit dem Thalia, in Amerika, Russland, Italien, Portugal. Das war ein bisschen wie Klassenfahrt. Darüber haben wir uns noch besser kennengelernt. Und gemerkt, dass wir einen ähnlichen Humor haben. Und ähnlich unverschämt miteinander umgehen. Unser erster Film kam so zustande, dass wir uns lange nicht gesehen hatten und Lust hatten, mal wieder was zusammen zu tun. Eine ähnliche Motivation hatten wir jetzt nach sieben Jahren wieder.

War dann die Geschichte zuerst da – oder erst mal die Rollen für die Kollegen?

Erst habe ich die beiden gefragt, ob sie überhaupt wollten. Und als sie ja gesagt haben, schrieb ich drauflos. Als erstes hab ich einen Öko-Science-Fiction geschrieben, das war aber viel zu aufwendig. Und vollkommener Quatsch. Das ging gar nicht, das mussten wir lassen. Dann hab ich diese Gangsterkomödie geschrieben. Das hat uns allen gefallen, dann haben wir uns für den Sommer im Jahr darauf einen Zeitraum gewählt, weil wir alle drei ganz gut zu tun haben.

Es ist ein richtiger Family-&-Friends-Film. Ihre Tochter war Fahrerin, Sie haben sogar Kabel geschleppt. Haben alle zum Selbstausbeutungsprinzip gearbeitet?

Das Gott sei Dank nicht. Aber wir haben alle diverse Jobs gemacht. Meine Familie musste auch Knöpfe annähen und Salat putzen. Ich wollte ein ganz kleines Team, nur so kann man im Ausland einen Film an 37 Tagen für die Hälfte einer „Tatort“-Folge drehen.

Kompliment, der Film sieht viel teurer aus.

Das Geld, das wir hatten, haben wir wirklich in den Film gesteckt. Wir haben uns keine Gagen ausgezahlt, nichts für Regie, nichts für die Schauspieler. Da kommt ja schon einiges zusammen.

Sind Sie sich selbst der schlimmste Regisseur? Im ersten Film starben Sie nach der Hälfte. In Ihrem neuen Film stecken Sie nach der Hälfte im Kamin fest.

Das hatte auch technische Gründe. Ich war nicht allzu oft im Bild und konnte mich so auf die Regie konzentrieren.

Trotzdem gehen die schlimmsten Pointen immer auf Ihre Kappe. Leben Sie da sowas wie cineastischen Masochismus aus?

(lacht) Ich weiß es nicht. Das macht einfach Spaß. Beim „Ellenbogen“ hab ich ja so einen Lieben gespielt, und diesmal bin ich ein Riesenarschloch. Das hat auch was Befreiendes.

Wenn man so gut befreundet ist, ist es dann schwierig, den Kollegen auch mal Regieanweisungen geben zu müssen?

Es ist fast einfacher, wenn man mit souveränen Schauspielern arbeitet. Ich habe für Ulrich Tukur zwei „Tatort“-Folgen inszeniert, der hatte kein Problem, sich Kritik anzuhören. Da gibt es keine Empfindlichkeiten. Das gilt noch mehr, wenn man miteinander befreundet ist. Stefan und Jan Josef haben mir auch mal gesagt, wie ich was besser spielen könnte.

Selber Regie führen – haben Sie das auch gemacht, um aus der ewigen Schublade des Bösen und des Nazis rauszukommen?

Beim „Ellenbogen“ war das ganz klar so. Ich habe aber das Glück, dass das jetzt nicht mehr so schlimm ist. Ich habe mir von der Branche verschiedene Stempel auf die Stirn drucken lassen. Da ist natürlich der Böse drauf, der Nazi auch. Aber über „Männerherzen“ ist auch der Komödiant mit drauf. Ich habe auch schon Kinderfilme gemacht und historische Filme. Aber es stimmt schon: So einen richtigen Proll wie in „Desaster“ habe ich noch nie gespielt, eine solche Rolle hätte mir wohl nicht so bald jemand angetragen.

Ist das nicht ohne Ironie, dass gerade Sie als Enkel eines Widerstandskämpfers immer solche Nazi-Rollen angeboten bekamen?

Es ist leider so, dass die meisten Rollen, die uns von Amerikanern angeboten bekommen, Nazis sind. Das ändert sich gerade. Es gibt jetzt auch Stoffe, die in den Sechzigern oder später spielen. Aber wenn der typische Deutsche besetzt wird, dann ist der blond und blauäugig. So. Mehr sag ich dazu nicht.

Im Ausland heißt es immer, wir Deutsche hätten keinen Humor. Die Deutschen wiederum beklagen, das hiesige Kino dreht nur Komödien. Ist das ein Widerspruch?

Finde ich nicht. Die Deutschen können schon lachen, das hat sich sehr geändert. Und ich habe den Eindruck, dass sich auch unser Bild im Ausland ändert. Wir sind da wohl beliebter, als wir denken. Unser Image ist längst nicht mehr so stoffelig, mit der Wurst in der Hand.

Wie lange hat es damals gedauert, die Leute für Ihr Regiedebüt zu überzeugen?

Gar nicht. Das haben wir ja selber gestemmt. Ich habe Geld gegeben und der Stefan Kurt auch. Der Film hat damals ganze 70.000 Euro gekostet.

„Desaster“ macht da immerhin schon das Zehnfache.

Ja, aber als ich mit George Clooney die „Monuments Men“ gedreht habe, haben die 100 Millionen gehabt. Als ich ihm erzählt habe, was „Ellenbogen“ gekostet hat, meinte der, 70.000, das geben wir in einer Stunde aus.

Was ist dann das größere Gefühl, ein „Tatort“, den zehn Millionen gucken, oder einen Kinofilm, der auf großer Leinwand läuft?

Ach, da geht es mehr um die Sache, die man macht. Jörg Himstedt, der Produktionsleiter, hat damals meinen „Ellenbogen“ gesehen. Sie hatten da ein sehr schräges Drehbuch, deshalb hat er dem Ulrich Tukur meinen Film gezeigt. Der Uli ist ja auch so ein verrücktes Huhn. Und wenn die beiden meinen, ich sollte einen „Tatort“ drehen, wär ich ja doof, wenn ich das nicht machen würde. Ich finde, das ist auch sehr besonders geworden. Bei „Desaster“ waren wir natürlich etwas freier in der Gestaltung, weil es keine Vorgabe gab. Kein Muster, in das es passen muss.

Letzte Frage: Ist es klug, einen Film „Desaster“ zu nennen? Ist das nicht eine Steilvorlage für alle, die ihn nicht mögen?

Aber da stehen wir doch drüber.