Roxette in o2 World

Ausgelassene Stimmung beim Roxette-Konzert  in Berlin

Mit Schweden-Fahne und Luftballons: Roxette begeistern in der o2 World. Und haben den Gassenhauer "Pack die Badehose ein" mit dabei.

Sängerin Marie Fredriksson und Gitarrist Per Gessle von der Band Roxette beim Konzert auf der Bühne

Sängerin Marie Fredriksson und Gitarrist Per Gessle von der Band Roxette beim Konzert auf der Bühne

Foto: Henning Kaiser / dpa

Beim Konzert in Australien hatte Christoffer Lundquist "Waltzing Matilda", das wohl bekannteste Volkslied des Landes, angespielt. Das Äquivalent zur inoffiziellen Nationalhymne Australiens ist für Berlin, glaubt man zumindest der schwedischen Band Roxette, "Pack die Badehose" ein. Gast-Gitarrist Christoffer Lundquist schrammelt Cornelia Froboess' Gassenhauer auf eigenwillige, wenngleich leicht erkennbare Weise.

Zu diesem Zeitpunkt ist das Festival der unbeschwerten, guten Laune bereits voll im Gang. Bunte Luftballons fliegen durch die Luft, eine Schweden-Fahne wird im Publikum geschwenkt, in der gut gefüllten O2-Arena ist die Stimmung ausgelassen. Und das ist sie im Grunde von Anfang an, als die ersten Takte von "Sleeping in my car" erklingen. Das Erstaunliche an der Band ist, dass selbst diejenigen, die nie aktiv in ihrem Leben nach einem Roxette-Lied gesucht haben, nahezu jeden Song kennen. "Joyride", "Spending my time", "Dangerous" und nahezu alle anderen 14 Stücke, die an diesem Sonnabend vorgetragen werden, sind zum Standard-Liedgut des internationalen Pops geworden.

Die Roxette-Hits funktionieren weltweit

Vor 30 Jahren gegründet, haben Per Gessle und Marie Fredriksson mit ihrem Duo Roxette eine kaum zu überschauende Anzahl von Charts-Erfolgen produziert. Was sie machen, funktioniert weltweit. Roxette ist einer der sehr wenigen Bands, die gleichermaßen in Europa wie in den USA erfolgreich sind. Die beiden Schweden haben sich in der Pop-Geschichte durch keine innovative Tonfolge verewigt oder konnten gar einen Trend setzen, sondern haben mit bemerkenswerter Effizienz all das verarbeitet und umgesetzt, was auf dem Pop-Markt vorrätig war. Roxette befindet sich dabei in guter schwedischer Gesellschaft, ist die Band doch das, was Ikea für die Möbelindustrie oder H&M für die Modeindustrie ist: Nicht originell, aber verlässlich, eingängig, massenerprobt, der Imbusschlüssel der Musikindustrie.

Zwei neue Alben sind in den vergangenen fünf Jahren entstanden. Roxette konzentriert sich aber publikumsgerecht auf das Material, mit dem die Band bekannt geworden ist. Vielleicht ist es ja ironisch gemeint, dass das Bühnenbild aus der Projektion einer riesigen Jalousie besteht – denn was steht mehr für die 80er-Jahre als eine Jalousie? "Wir spielen einige unserer Lieblingslieder", sagt Marie Fredriksson zum Publikum, "und wenn Ihr wollt, könnt Ihr mitsingen – Ihr kennt die Texte wahrscheinlich besser als wir". Bei dem Schmachtstück "It must have been love", allseits bekannt aus "Pretty Woman", setzt eine beindruckende Chorleistung der Fans ein.

Sängerin Marie Fredriksson überlebte einen Hirntumor

2002 wurde bei Marie Fredriksson ein Gehirntumor entdeckt, die Ärzte gaben ihr kaum eine Überlebenschance. Eine Zeit des Leidens begann nach der Operation, die Motorik und das Sprachvermögen haben gelitten. Sie kommt schleppend auf die Bühne, ein Mann stützt sie. Sie setzt sich auf einen Hocker, schlägt die Beine übereinander und wird den Abend die Position nicht mehr verändern. Ihre Stimme ist kräftig und trägt die 90 Minuten, nur am Anfang gibt es ein paar kleinere Hänger. Aber es gibt wichtigeres im Leben, als immer den richtigen Ton zu finden.

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