Berliner Schloss

Beim Humboldt Lab fällt der Vorhang

Und alle Fragen offen: Das Humboldt Lab in den Dahlemer Museen endet mit seiner letzten Probebühne nach vier Jahren

Foto: Humboldt Lab Dahlem / Humboldt Lab Dahlem (3)

Rechts ist die „Humboldt-Theke“ mit nicht-alkoholischen Erfrischungsgetränken, vorne sind zwei orangefarbene Tafeln im 1. Stock der Dahlemer Museen. Auf der einen steht in großen Buchstaben „Prinzip Labor. The Laboratory Concept“. Auf der anderen werden die Verfasser konkreter und möchten zusammenfassen, was das Humboldt Lab erreicht hat. Ein Raum wurde geschaffen „für eine produktive und permanente Auseinadersetzung mit den Bedingungen und Zielen der neuen Institution“, gemeint ist das Humboldt-Forum im Berliner Schloss. Es endet mit einer Frage an den Betrachter: „Was denken Sie – als künftiges Schlosspublikum?“

Gut darin, die richtigen Fragen zu stellen

Gut, wenn man so direkt gefragt wird, dann wäre Folgendes die Antwort: Das Humboldt-Lab, das über vier Jahre lief, 30 Projekte vorstellte und von der Bundeskulturstiftung mit 4,1 Millionen Euro gefördert wurde, war gut darin, die richtigen Fragen zu stellen und und schwach, wenn es darum ging, herausragende Antworten zu finden. Seine Ausgangsfrage für das kulturell ehrgeizigste Projekt des Bundes im 21. Jahrhunderts ist richtig: Wie können dem europäischen Besucher fremde Welten in einem Museum so präsentiert werden, dass er ohne nennenswerteres Vorwissen mit Freude und Interesse durch die Ausstellung der ethnologischen Sammlungen geht – wohl wissend, dass sie in den vergangenen beiden Jahrzehnten in ihrem bisherigen Aufenthaltsort in Dahlem unter geringerer Beachtung litt?

Abenteuer des Kapitän Jacobsen

Die einzig sowohl originelle wie auch praktikable und für ein größeres Publikum gedachte Idee der vergangenen 48 Monate stammt vom Puppentheater Helmi in Prenzlauer Berg, das mit zerknitterten, verwegenen Puppen die Abenteuer des Welterforscher Kapitän Jacobsen nachstellt. Die Vorführung ist in seiner Robustheit nicht unbedingt geeignet für Kinder, womit sichergestellt ist, dass sich auch Kinder für sie interessieren werden.

Ansonsten sind die Antworten im Humboldt Lab 7 auf vertraute Weise verkopft und latent angestrengt. Selbst die Präsentation von Voudou, ein potenziell massentaugliches Thema, ist eine maue Nummer geworden. Wir sehen eine übermalte Puppe, zwei Ginflaschen stehen auf dem Boden und auf Bildschirmen erklärt eine Einheimische die Praxis. Die Installation wolle „Klischees überwinden“ und sich gegen „überkommende Vorurteile“ stellen, hören wir auf dem Presserundgang. Mit etwas weniger ethnologischer und etwas stärkerer musealer Pädagogik hätte man stattdessen die Faszination von Voudou für die Besucher aufleben lassen können. Es ist ja per se nichts Schlechtes und führt auch nicht automatisch zu Ressentiments, wenn einem das Fremde fremd erscheint und dies auch so bleibt.

Muss bespielt werden, dass es brummt

In seiner Begrüßung ist Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, voll des Lobes für das Humboldt Lab. „Viele kleine Richtfeste“ habe es in den vergangenen Jahren gefeiert. „Ein Meilenstein insgesamt“ seien sie und würde dabei helfen sich von „Denkmustern zu befreien“. Man müsse sich allerdings „auch darauf einlassen“, fügt er mit milder Strenge hinzu. Offensichtlich plant die Stiftung nicht nur ein ungemein „populäres Humboldt-Forum“ – es müsse so bespielt werden, dass „es brummt“, hatte Parzinger bei der Vorstellung der Gründungsintendanten gesagt –, sondern wünscht sich Besucher mit korrekter Einstellung.

Am Rande der Veranstaltung erzählt Hermann Parzinger dann, dass Neil MacGregor, der Gründungsdirektor des Humboldt-Forums“, sich das Humboldt Lab in den Ethnologischen Museen schon einmal angeschaut habe. „Inkognito“ sei der Brite hier gewesen, fügt er hinzu. Wie gut Neil MacGregor die „musealen Interventionen“ gefallen habe, ist nicht bekannt. Aber dass bereits viele Entscheidungen gefallen seien, wie die Sammlung im Schloss präsentiert werde und dass der „Prozess“ bereits sieben, acht Jahre dauere, darauf legt Hermann Parzinger wert.

Neil MacGregor nach Berlin gelockt

Was Neil MacGregor über das ideelle Fundament denkt – der unter Aufbietung aller diplomatischen Kräfte nach Berlin gelockt wurde und für zwei Jahre als Gründungsdirektor fungieren soll –, war leider nicht zu erfahren, denn dieser befand sich, wie sich das für einen ordentlichen Briten gehört, beim Besuch der Queen in der Stadt und gab ihr zu Ehren eine Vorlesung an der Technischen Universität. Offenbar weiß man zwar nicht konkret, was in die „größte Mehrzweckhalle der Republik“, so die „FAZ“ über das Schloss, kommen soll, hat dafür aber ausreichend Zeit: Der Senat entschloss sich ja auch erst am vorgestrigen Dienstag, dass das Land nun tatsächlich seine Vorstellungen einer Weltstadt Berlin im Schloss präsentieren werde. Die Verantwortlichen halten das Humboldt Lab offenbar für so erfolgreich, dass sie weitere Mittel bewilligen. „Bis zu 5,6 Millionen Euro“ zahlt der Bund für die „Initiative zur Stärkung der Vermittlungsarbeit in Museen“, ließ gestern die Stiftung mitteilen, ein „Vermittlungslabor“ im Bode-Museum werde ab 2016 eingerichtet.

Bei so viel Aufbruchstimmung in eine ungewisse, wenngleich prächtige Zukunft verwies Viola König darauf, dass das Humboldt Lab 7 nun auch die letzte Ausstellungseröffnung in Dahlem sei. Sie habe ein „mulmiges Gefühl“, sagt die Frau, die seit 2001 Leiterin des Ethnologischen Museums ist. Der „Lebensabschnitt“ des Museums sei damit vorüber. Als Ethologin sei sie aber „Übergangsriten“ gewohnt.