Uraufführung

Was man mit einer Stichsäge so alles anstellen kann

Ladies Night im Baumarkt: „Hammerfrauen“ ist ein turbulentes Musical über Heimwerkerinnen. Das Kabarett-Theater Die Wühlmäuse wagt für den Sommerspielplan eine große Eigenproduktion. Ein Probenbesuch.

Foto: Claudius Pflug

Dass Frauen nur in den Baumarkt gehen, um Männer aufzureißen oder als brave Begleitung den Einkaufswagen zu schieben, ist ein Gerücht. Immer mehr Frauen nehmen Hammer und Säge erfolgreich selbst in die Hand. Und falls noch nicht, gibt es ja die Ladies Night im Baumarkt, bei der sie das Reparieren und Renovieren trainieren können.

Doch noch existiert vereinzelt Widerstand: Gegen den Trend, alles selbst zu tun, gegen die Gleichmacherei und vor allem gegen die Bevormundung. Julia ist so ein Fall: Sie hasst das Heimwerkern, wurde aber von ihrem passioniert heimwerkelnden Verlobten Mark zu einem Handwerkerkurs für Frauen im Baumarkt angemeldet. Zu einer „Ladies Night“ eben, bei der sie das Fliesen erlernen soll.

Auch den Hochzeitstisch hat Mark praktischerweise gleich im Baumarkt aufstellen lassen, denn sein größtes Ziel ist es, eine heruntergekommene Mühle zu sanieren. Mit Romantik freilich hat das reichlich wenig zu tun. Und so gibt es schon vor der Hochzeit reichlich Stoff für Konflikte, zumal Julia ihre mangelnde Begeisterung fürs Handwerk ihrem künftigen Gatten noch gar nicht gebeichtet hat. Stoff auch fürs Theater und fürs Kabarett und in diesem Fall sogar für ein Musical: im Kabarett-Theater Die Wühlmäuse in Charlottenburg.

Julia heißt auch im richtigen Leben Julia (Meier). Die mangelnde Leidenschaft fürs Schrauben allerdings ist ihr fremd. „Man muss eben herangeführt werden, dann macht es total Spaß“, sagt die Schauspielerin. „Ich habe sogar schon Holzdielen verlegt und dübele inzwischen alles an, sogar Wanduhren.“ Freudig überrascht ist sie auch darüber, „was man alles mit einer Stichsäge anstellen kann“.

Handwerk verleiht Selbstsicherheit

Überhaupt mögen sie alle das Heimwerken, wie sie da so sitzen, auf der Hollywoodschaukel und den Campingstühlen auf der Probebühne des Schlosspark Theaters in Steglitz. „Ich habe schon Böden abgeschliffen und versiegelt und Möbel zusammengebaut“, erzählt Caroline Beil, die die rebellierende Hausfrau Cornelia spielt. Und Julia Keil alias Kim ergänzt: „Man braucht keinen Mann, das ist ein ein cooles Gefühl und gibt Selbstsicherheit.“ Hammerfrauen eben. Dabei sei Kim eher so eine, die wegen der Party, des Gratissekts und der Latzhosen zur Ladies Night komme.

Es ist gerade Mittagspause und man sieht den Darstellerinnen an: Sie haben einen Riesenspaß. „Wir kannten uns vorher alle nicht“, sagt Caroline Beil. „Wir verstehen uns aber super und müssen bei den Proben selbst sehr viel lachen.“ Seit zwei Wochen proben sie für die Uraufführung des Musicals „Hammerfrauen“. Gerade haben sie den Titelsong eingeübt. „Das wird der Knaller“, sagt Julia Meier. Noch mal vorsingen wollen sie ihn jetzt aber nicht.

Und was sagt der einzige Mann in der Runde? „Es ist ein Frauenstück. Männer haben nicht so viel zu sagen, aber man kann auch mit kleinen Rollen abräumen“, scherzt Michael Frowin, der mit Benedikt Eichhorn die Songtexte geschrieben hat und auch selbst als Baumarktverkäufer Enno mitspielt.

„Wir versuchen die Frauen am Ende des Kurses hinauszukomplimentieren, geben aber irgendwann auf“, erzählt er über seine Rolle. Handwerklich gesehen gibt er sich entspannt: „Es muss nicht immer alles perfekt sein“, findet Frowin. „Viele hängen ja jedes Bild mit der Wasserwaage auf.“ Da freut er sich lieber auf den essbaren Fliesenkleber. Noch sind sie leer, die orangenen Metallregale. Aber original Bauhaus immerhin. Mit Berufskleidung, Putzmitteln, Grillgerät und Klobrillen werden die begehbaren Regale bei den Aufführungen bestückt sein, erzählt Michael Frowin.

Lustige und traurige Geschichten

Unsere Julia also lernt bei ihrem aufgezwungenen Fliesenlegerkurs Cornelia, Yvonne und Kim kennen. Und wie Frauen so sind, wird zwischendurch über die Zwangslage diskutiert. Die Frauen erzählen sich lustige und auch traurige Geschichten aus ihrem Leben. Mit reichlich Gratissekt im Blut zunehmend hemmungsloser und dann trifft es auch die Männer im Allgemeinen.

So manche Ehe hat die Heimwerkerei wohl schon ruiniert. Und was spricht eigentlich dagegen, den Mitarbeitern nebenbei den Kopf zu verdrehen? Die Situation eskaliert, die Ladies Night ufert aus und wird tatsächlich zur ganzen Nacht, denn die Frauen verbarrikadieren sich im Baumarkt und wollen nicht mehr raus.

Zu 40 Prozent besteht das Stück aus Musik. Es wird gesungen, und als Sänger zeigen sich viele Theater-Schauspieler hier zum ersten Mal. „Die meisten Stücke sind neu“ sagt Frowin stolz. „Das ist zwar immer auch ein Risiko, macht aber viel Spaß.“ Die Idee, ein Musical zu machen gab es schon vorher, so Frowin. „Beim Badminton-Spiel mit Benedikt ist dann die Idee entstanden, es in einem Baumarkt spielen zu lassen.“

„Eine coole Idee“ findet Caroline Beil, denn das Thema biete für jeden etwas. Schließlich war jeder schon mal im Baumarkt. Die Ladies Night sei handwerklich vielleicht mancherorts ein bisschen tief gehängt. Denn es gebe sogar Kurse, in denen Frauen das Rasenmähen beigebracht werden soll. Fest steht aber: „Die Verkäufer sind nie da, wenn man sie braucht. Und man verläuft sich oder landet in der falschen Abteilung“, sagt Julia Keil.

Sieben Darsteller in 25 Rollen

„Hammerfrauen – Das Musical“ feiert nach dem Buch von Robert Löhr, der Musik von Benedikt Eichhorn und den Songtexten von Michael Frowin und Benedikt Eichhorn am 16. Juli in den Wühlmäusen Premiere. Regie führt Craig Simmons. Bis 23. August kann man zusehen, wie die Darsteller mit viel Charme, Witz und Ironie den Nagel auf den Kopf treffen. Isabel Varell spielt die Yvonne. Julia Klotz ist Kim, Caroline Beil Cornelia und Julia Meier mimt die Julia. Der Verlobte Mark wird von Christian Miebach verkörpert, die Baumarktverkäufer Patrick und Enno von Marco Billep und Michael Frowin.

„Die sieben Darsteller spielen insgesamt 25 Rollen“, verrät Michael Frowin. Es wird also turbulent werden, es gibt jede Menge Überraschungen und Wendungen, Chaos und Tränen – und ganz bestimmt ein Happy End. Vermutlich nicht nur in Berlin. „Es bestehen schon Kontakte zu anderen Theatern in ganz Deutschland“, sagt Michael Frowin.