Oper

Matthias Schulz wird neuer Intendant der Staatsoper

Der Salzburger Mozarteum-Geschäftsführer wird am Mittwoch als neuer Intendant der Staatsoper vorgestellt. Ein radikaler Wechsel.

Foto: dpa Picture-Alliance / wildbild / picture alliance / wildbild / Wi

Der Pianist und Volkswirt Matthias Schulz, Jahrgang 1977, wird neuer Intendant der Staatsoper Unter den Linden. Er tritt die Nachfolge von Regisseur Jürgen Flimm, 73, an. Dieser hatte bereits angekündigt, sein Amt nach der Wiedereröffnung der Staatsoper aufzugeben. Das sanierte Opernhaus soll am 3. Oktober 2017 eröffnet werden. Zuletzt hat es zwischen dem Senat und Flimm noch Diskrepanzen darüber gegeben, wann genau der Vertrag auslaufen soll. Sein Nachfolger Matthias Schulz ist derzeit General Artistic Director und Geschäftsführer der Stiftung Mozarteum Salzburg. Am Mittwoch wird Schulz in Berlin offiziell vorgestellt.

Ein ausgebildeter Musiker

Der Berliner Senat hat sich damit innerhalb kurzer Frist damit zum dritten Mal für einen radikalen Wechsel in der Führung der Bühnen entschieden. Im Dezember 2014 verkündete er, dass Oliver Reese die Intendanz ab Sommer 2017 am Berliner Ensemble übernehmen wird. Reese wird in einem Team arbeiten, das Autorentheater fördern, sein Stil ist ruhiger und versöhnlicher als der autokratisch führende Claus Peymann, der derzeit noch die Geschäfte führt. Bei der Volksbühne wird Frank Castorf auch durch ein Team ersetzt, das Chris Dercon leiten wird. Da in der Mannschaft der 83-jährige Autor und Regisseur Alexander Kluge zu finden sein wird, kann man in diesem Fall nicht unbedingt von einem Generationenwechsel sprechen. Dass aber der Belgier Dercon als Noch-Chef der Tate Modern in London die Volksbühne ab 2017 grundlegend verändern wird, gilt als ausgemachte Sache. „Die Volksbühne ist unglaublich gut geeignet für den Tanz“, hatte er in dem Antrittsinterview in der Berliner Morgenpost gesagt.

Nun also Matthias Schulz, dem sicherlich nur einem kleineren Publikum bekannt ist. Erstmals wird an der Staatsoper damit kein Regie- oder Dramaturgie-Intendant berufen, sondern ein ausgebildeter Musiker und Manager, der sich auch im internationalen Konzertbetrieb auskennt. Der gebürtige Münchner Matthias Schulz studierte zunächst Klavier an der Universität Mozarteum Salzburg. Obwohl ihm von Anbeginn klar war, wie er einmal sagte, dass er kein Pianist werden wollte. Das Klavier ist ihm wichtig, was ihm manches künstlerische Gespräch mit dem Pianisten und Dirigenten Barenboim erleichtern wird. Von 1999 bis 2001 arbeitete er im Konzertreferat der Salzburger Festspiele. Am Konzerthaus Dortmund hat Schulz Erfahrungen sammeln können, wie man ein neues Haus in Gang bringt. In der Eröffnungssaison 2002 wirkte er am Aufbau des Künstlerischen Betriebs mit. Die Erfahrungen werden ihm in Berlin, wo ein grundsanierten Opernhaus wieder lebensfähig gemacht wird, nützlich sein. 2003 schloss er an der Ludwig-Maximilian-Universität in München mit einer kulturökonomischen Arbeit seinen Diplom-Volkswirt ab.

Zwei Jahre vorm Mozartjahr 2006 wechselte er als Projektleiter für „Mozart 22“ wieder zurück zu den Salzburger Festspielen. Das war die Zeit, als Peter Ruzicka alle 22 Bühnenwerke Mozarts auf die Bühne brachte. Schulz beschrieb es später als eine wichtige Erfahrung. Es hat sein Opernbild mitgeprägt. Als Konzertreferent erarbeitete er gemeinsam mit Markus Hinterhäuser die Konzerte der Festspiele. Er war für Planung, Budgetierung und Organisation der Konzertprojekte zuständig.

Mann mit Managerqualitäten

Zwei Dinge waren es offenbar, die entscheidend für den Regierenden Bürgermeister Kultursenator Michael Müller (SPD) und Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) waren, sich für Matthias Schulz zu entscheiden. Zum einen hat er Managerqualitäten. Innerhalb weniger Jahre hat er das eher konservativ arbeitende Mozarteum modernisiert, wie zum Beispiel mit neuen Kundenbindungs- und Fundraisingprogrammen. Inhaltlich hat er Dinge gewagt, von denen man eigentlich dachte, dass ginge nicht und ließ Jazzmusiker Brahms und Schubert spielen. „Gerade die Öffnung für Neue Musik hat ja, finde ich, für gewisse Entstaubungen gesorgt“, sagte er über das Mozarteum. Die Mozartwoche ist beliebter und wirtschaftlich erfolgreicher denn je zuvor.

Zum andern wollte der Senat auf jeden Fall Generalmusikdirektor Daniel Barenboim auf seiner Seite haben. Gerade nach dem verunglückten Wechsel an der Volksbühne, dem ein wochenlanger Theaterstreit vorausgegangen war, sollten dieses Mal keiner in der öffentlicher Wahrnehmung beschädigt werden und Daniel Barenboim unter allen Umständen an Berlin gebunden bleiben. So wird Matthias Schulz als Intendant auch der Vermittler zur Akademie sein. Es gehört künftig zum Profil des Opernintendanten, sich für die musikalische Ausbildung einzusetzen. Als sein Lieblingsrestaurant in Deutschland hat Schulz einmal den Wintergarten im Literaturhaus an der Fasanenstraße angegeben. Das kann er künftig leichter erreichen.

Ende einer großen Ära

Den amtierenden Intendanten Jürgen Flimm und Matthias Schulz verbindet Salzburg. Regisseur Flimm war von 2002 bis 2004 Leiter des Schauspiels der Salzburger Festspiele. Dann wechselt er zur RuhrTriennale, um schließlich von 2007 bis 2010 als Intendant zu den Salzburger Festspielen zurückzukehren. Dann wurde Flimm in Berlin gebraucht. Lange hat er auf die Wiedereröffnung hingearbeitet. Die Früchte an der Lindenoper wird sein Nachfolger ernten. Indirekt hatte Flimm als Regisseur seine Abschiedsrunde bereits angekündigt. In der nächsten Spielzeit wird er am Schiller-Theater gleich drei große Operninszenierungen machen. Eigentlich hatte er bei Amtsantritt versprochen, die Finger von der Regie zu lassen und sich völlig auf die Intendanz zu konzentrieren. Seine große Ära geht jetzt dem Ende entgegen. Mit guten Botschaften, wozu die Berufung seines Nachfolgers gehört, ebenso wie das Richtfest Unter den Linden am 19. Juli. Eine neue Zeit kündigt sich an.