Huldigung

„Schieß’ mich doch zum Mond“ – Roger Cicero singt Sinatra

Frank Sinatra wäre dieses Jahr 100 geworden. Beim Festival Classic Open Air schlüpft Roger Cicero in die Rolle von „Ol’ Blue Eye“, unterstützt von seiner Big Band sowie Sarah Connor und Sasha.

Foto: Michael Kremer/Geisler-Fotopress / pa / Geisler-Fotopress

Nein, „Strangers In The Night“ singt er nicht, weil Sinatras wohl populärster Song keines seiner Lieblingsstücke ist. Die Auswahl für das Konzert auf dem Gendarmenmarkt am 6. Juli behielt sich Roger Cicero schließlich persönlich vor, und er machte es auf seine Art.

Als langjähriger und bekennender Fan des charismatischen Entertainers erfüllt sich der Grenzgänger zwischen Jazz und Pop beim Classic Open Air einen Lebenstraum. „Allerdings war es nicht meine Idee, sondern die der Veranstalter“, reicht der Pianist, Sänger, Bandleader und Komponist artig das Lob an die Initiatoren weiter.

Mit dem Vorschlag, Sinatra im Jahr seines 100. Geburtstags musikalisch zu ehren, rannten diese offene Türen ein. Die Suche nach passenden Songs dauerte nicht lange, dreht sich doch die ergiebigste Fundgrube regelmäßig auf Ciceros heimischem Plattenteller: „Sinatra live at the Sands“ von 1966. „Es ist einfach eine unglaubliche Aufnahme“, schwärmt Cicero. „Als ich ‚Live at the Sands‘ zum ersten Mal hörte, hat es mich schlichtweg umgehauen. Ich habe wochenlang nichts anderes gehört.“

Es ist das erste Live-Album Sinatras – eingespielt zusammen mit dem von Quincy Jones dirigierten Count Basie Orchestra, mitgeschnitten im legendären „Sands Hotel and Casino“ in Las Vegas. Dort, wo aus anfänglichen Soloauftritten verschiedener Künstler schließlich das legendäre Rat Pack mit Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Jr. als zentralen Figuren hervorging.

Gleich zwei Arrangeure beschäftigt

Seine Sinatra-Passion dokumentierte Cicero erstmals 2006. „Fly Me To The Moon“ landete auf dem Album „Männersachen“ und heißt dort „Schieß’ mich doch zum Mond“. Für das Classic Open Air hat Cicero rund 20 Stücke vorbereitet, die er mit seinen 13 Big-Band-Musikern sowie zwei Gästen, Sasha und Sarah Connor, spielen will. „I’ve Got You Under My Skin“ wird gegeben, ebenso „New York, New York“, „My Way“, „Leroy Brown“ und „Come Fly With Me“. Mehr will Cicero aber nicht verraten. Nur so viel noch: „Es ist die eine oder andere Perle dabei, die man kennt, aber nicht so häufig hört.“

Einige Songs werden originalgetreu interpretiert, andere in ein neues Arrangement-Gewand gekleidet, wobei Kernelemente wie das Tempo beibehalten werden. Alle übrigen sind gänzlich eigenständige Versionen. Die Arrangements dafür hatte Cicero in Auftrag gegeben, aufgrund der Masse waren gleich zwei Tonsetzer damit beschäftigt.

Eingeübt wurde das Repertoire schließlich im Rahmen einer zehntägigen Orchesterprobe an Ciceros Wohnsitz in Hamburg. Ein großer Aufwand also, der aber nicht nur für einen Abend betrieben wurde: Vor dem Gendarmenmarkt-Auftritt ist am 4. Juli ein Warmspielen in Kempten geplant. Im Anschluss wird „Cicero sings Sinatra“ auch in Calw (4. August), Hamburg (8. September) und Salzkotten (12. September) gastieren, weitere Konzerte sollen folgen.

Für Roger Cicero geht die Faszination Frank Sinatras weit über dessen 100. Geburtstag hinaus und ist eine lebenslange Quelle der Inspiration. „Er war einer der absoluten Könner“, sagt er über sein wohl prägendstes musikalisches Vorbild. „Kein anderer konnte selbst schwierigste Dinge so einfach erscheinen lassen und unaufgeregt präsentieren. Bei Sinatra ‚passiert‘ es einfach.“

Geburtstag am Tag des Konzerts

Zum Talent gesellten sich bei Sinatra auch große Handwerkskunst und ein Höchstmaß an Professionalität aller Beteiligten. „Sinatra hat eine unfassbare Masse an Musik produziert, es war fast Fließbandarbeit.“ Dabei müsse man sich bewusst machen, so Cicero, wie damals gearbeitet wurde. „Es wurde live mit einem 60-köpfigen Orchester aufgenommen. Wenn man hört, wie alles auf den Punkt gespielt und gesungen wurde, ist das schon einzigartig.“

Wer weder dem Classic Open Air noch den anderen Konzerten beiwohnen kann, darf später genießen: CD- und DVD-Veröffentlichungen sind in Planung. Sehr gut möglich, dass der zentrale COA-Abend verewigt wird, nicht zuletzt weil Roger Cicero an diesem Tag seinen 45. Geburtstag feiert. Er selbst ist jedenfalls schon voller Vorfreude auf den Abend mit „dieser unglaublichen Kulisse“.

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