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Filmwoche FilmPolska zeigt Perlen des polnischen Kinos

Das Kino aus Frankreich oder Italien ist uns vertraut. Dabei ist Polen viel näher. Und das dortige Kino das derzeit vielleicht spannendste in Europa. Das zeigt das neue Programm der FilmPolska.

Foto: Arsenal Film

Filme aus Polen: Da fallen einem der frühe Roman Polanski ein, Krystzof Kieslowski und Andrzej Wajda. Alles Granden der Filmkunst. Und jüngst natürlich das Schwarzweißdrama „Ida“, frischgekürter Oscar-Gewinner und großer Abräumer des letztjährigen Europäischen Filmpreises. Das hat nur in Deutschland kaum einer gesehen, gerade mal 20.000 Zuschauer lockte das Meisterwerk seit seinem Start vor einem Jahr ins Kino.

Unser nächster Nachbar, kaum eine Autostunde von Berlin entfernt, scheint uns in vielem immer noch erstaunlich fremd, selbst ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall. Die Liebe zu Frankreich und Italien blüht seit langem, ob im Kino oder in der Küche. Doch Polen, geographisch weitaus näher, bleibt ein weitgehend unbekanntes Terrain. Umso spannender und wichtiger ist da eine Initiative wie das einwöchige Festival des polnischen Films, FilmPolska, das ab heute zum zehnten Mal in Berlin und Potsdam stattfindet. Und programmatisch mit „Ida“ eröffnet wird. Doch auch viel Neues gibt es zu entdecken, wilde Debütfilme wie „Hardkor Disko“, in dem die desillusionierte Jugend vor den glatten Fassaden Warschaus rebelliert, der Silberne-Bären-Gewinner „Body“ von Malgorzata Szumowska oder gut gemachtes Genrekino wie der Agententhriller „Jack Strong“.

Einige Koproduktionen mit Deutschland

Bereits für Diskussionen in der Heimat hatte die filmische Aufarbeitung des Warschauer Aufstands 1944 gesorgt. Der 1981 geborene Nachwuchsregisseur Jan Komasa nähert sich den historischen Ereignissen gleich zweifach und zielt dabei nicht nur im opulenten Kriegsepos „Warschau 44“ aufs breite Publikum. Streitbare Mittel wendet er im Dokumentarfilm „Warschauer Aufstand“ an, wenn er die historischen Schwarzweißstummbilder nicht nur nachkoloriert, sondern auch vertont und mit dem fiktiven Offkommentar der Kameramänner zum Erzählkino aufbereitet.

Kaum ein Film des Festivals hat bislang einen deutschen Verleih gefunden, nicht einmal Andrzej Wajdas Alterswerk „Walesa. Der Mann aus Hoffnung“ über den Anführer der Solidarnosc-Gewerkschaft, mit deren Demonstrationen er maßgeblich am Zusammenbruch des Ostblocks beteiligt war. Dabei sind große Kinofilme längst keine rein nationalen Projekte mehr. Auch viele Filme dieser Jubiläumsausgabe sind deutsche Koproduktionen, immer wieder finden sich hiesige Darsteller, etwa in den Filmen von Agnieszka Holland, der die Retrospektive gewidmet ist und die die Regisseurin am Donnerstag persönlich eröffnen wird.

Bizarre Trouvaillen aus der Filmgeschichte

Wie lebendig der kulturelle Austausch inzwischen ist, zeigt auch der Workshop des Berliner Regisseurs Robert Thalheim („Am Ende kommen Touristen“), der eine Woche lang mit jungen Talenten Szenen aus polnischen Filmen der 70er- und 80er-Jahre neu interpretieren wird.

Einige vergessene Perlen der Filmgeschichte lassen sich in der Horrorreihe entdecken, ob „The Strange Case of Doctor Jekyll and Lady Osbourne“ mit Udo Kier oder Andrzej Zulawskis bizarres Eifersuchtsdrama „Possession“ mit Isabelle Adjani als junger besessener Frau, die im tristen Kreuzberg der frühen 80er-Jahre eine Sexaffäre mit einem oktopusartigen Monster beginnt. So merkwürdig fremd wie hier sah die eigene Stadt selten aus.

FilmPolska 22.-29. April, in neun Kinos in Berlin und Potsdam. Programm unter www.filmpolska.de.