Rock'n'Roll

Der ewige Münchener Sunnyboy - Peter Kraus im Tempodrom

Peter Kraus ist auf Abschiedstournee - und machte nun Station in Berlin. Der 76-Jährige rockt noch immer, springt für Schlussakkorde in die Luft springt und hält das Publikum mit Witz bei Laune.

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Peter Kraus ist ein Phänomen aus längst vergangenen Zeiten. Als er geboren wurde, hatte der Zweite Weltkrieg noch nicht begonnen und als er ins Teenageralter kam, war er noch nicht sehr lange vorbei. Damals entdeckte er den Rock'n'Roll für sich, der aus Dutzenden amerikanischen Soldatensendern ins Land schwappte.

Wenn er in einem seiner neuen Songs singt, "ich hab die braven Bürger voll geschockt", dann stimmt das voll und ganz, auch wenn sich das ein Zuschauer von Mitte dreißig angesichts des Songmaterials heute kaum noch vorstellen kann. Die Elvis-Tolle und der Drive des vom King of Rock'n'Roll abgepausten lasziven Hüftschwungs reichten im Westdeutschland der 1950-er Jahre dafür noch ohne Weiteres aus.

Diesen Drive hat sich der 76-Jährige bis heute erhalten, allein dafür gebührt ihm großer Respekt. Wie er auf seinen dünnen Beinchen über die Bühne stakst, der ewige Münchener Sunnyboy, für Schlussakkorde in die Luft springt, mit seinen Musikern tanzt und zwischendurch das Publikum mit Witz und Charme bei Laune hält, das ist immer noch die Art von gekonnter Unterhaltung, die in den Wirtschaftswunderjahren angesagt war und Kraus berühmt gemacht hat.

Wenn Peter Kraus seine Gitarre zerbricht

Auf der Attrappe eines alten Fernsehers laufen das ganze Konzert über Ausschnitte aus den unzähligen Filmen, in denen Kraus mitgespielt hat. Zu Beginn seines Auftritts sehen wir ihn dort zunächst jedoch in Lederoutfit mit dem Motorrad an den unsichtbaren Bühnenrand heranfahren und einen Moment später springt er noch mit dem Helm in der Hand auf die Bühne.

Dieser Gag bleibt nicht der einzige, Kraus nimmt sich selbst und sein Publikum mit wohltuendem Humor. Gleich im Einstiegsstück "Die letzten Rock'n'Roller", schon im Titel ein Augenzwinkern, fuhrwerkt er zu einem brillianten Gitarrensolo übertrieben auf einer Gitarre herum und zerbricht sie am Ende fröhlich über dem Knie, während der wahre Solo-Gitarrist erst jetzt ins Rampenlicht tritt. "Der kann, was ich gern können würde", erklärt Kraus und lässt ihn sogleich zu dem Klassiker "Johnny B. Goode" abrocken.

Tanzeinlagen am Bühnenrad

Einige der größten Hits hebt er sich bis zum Schluss auf, weiter geht es erst einmal mit Songs wie "Sexy Hexy" - zu seiner Entstehungszeit der "Gipfel der Verruchtheit" wie sich der Entertainer erinnert - oder den neuen Coverstücken seiner aktuellen Platte. Auf der hat er aktuelle Hits von Marteria, Tim Bendzko oder Culcha Candela in die Retrosounds von Peter-Kraus-Liedern gewickelt.

Sein scheinbar mehr als er selbst in die Jahre gekommenes Publikum kann damit nicht ganz so viel anfangen, aber mit einem Elvis-Block, Paul Anka-Klassikern, Bill Haley-Covern und und natürlich Hits wie "Schuld war nur der Bossy Nova", "Tiger", "Kitty Cat" und selbstredend "Sugar Baby" wird Kraus dem Affen in der Folge noch genug Zucker geben. Ein wahrlich historisches Hitfeuerwerk, bei dem es selbst 'Silver Ager' nicht auf den Stühlen hielt und zu Tanzeinlagen an den Bühnenrand trieb.

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