Film

Matthias Schweighöfer verhebt sich mit seinem neuen Film

Schluss mit den Wohlfühlkomödien: Der Schauspieler wollte sich einmal anders darstellen. Sein vierter Regiefilm„Der Nanny“ schwankt aber zwischen Familienkomödie und soziopolitischem Anliegen.

Foto: Warner Bros. Entertainment GmbH

Das fängt erst mal gut an: Milan Peschel hat sich aus Protest an seinen Kühlschrank gekettet. Er ist ein Opfer der Gentrifizierung. Sein gesamter alteingesessener Berliner Kiez soll für moderne Luxusanlagen platt gemacht werden. Aber just als die Abrissbirne durchs Haus wummert, verliert Peschel den Schlüssel. Und kann sich nicht mehr losmachen. Besser kann man die Ohnmacht betroffener Mieter eigentlich nicht versinnbildlichen.

Aber Matthias Schweighöfer – der in diesem Film einmal mehr nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch Regie führt – hängt das Reizthema im Folgenden so schwer an wie Peschel der Kühlschrank. Und auch er kann den Schlüssel nicht finden, wie man das Ganze knacken kann.

Rache für die Abrissbirne

Schweighöfer will sich ja, das hat er vorab verkündet, lösen von den reinen Wohlfühlkomödien der Vergangenheit. Aber bei dem Versuch, sich einmal anders zu inszenieren, hat er sich schwer verhoben. Weil er das real existierende Problem Gentrifizierung hier nur als Gerüst missbraucht für eine dann leider doch wieder sehr klischeebehaftete und vorhersehbare Familienkomödie.

Schweighöfer spielt den fiesen Bauspekulanten Clemens, der mit seinem Firmenpartner das Areal plattmachen will. Er selbst residiert nicht in einem Luxuspenthouse, sondern, der Film muss immer ins Maßlose übertreiben, in einem regelrechten Schloss. Vor dessen Tor steht nun Horst (Peschel), um sich zu rächen für Zwangsräumung und Abrissbirne. Weil die beiden Kinder von Clemens aber gerade wieder eine Kinderfrau verjagt haben (Veronica Ferres in einem Kurzauftritt), heuert der Vater spontan den Fremden vor der Tür als Nanny an. Und der nimmt an – um ihn umzupolen.

Kühl wie ein Kühlschrank

Das alles funktioniert nach bewährtem Strickmuster. Die beiden Kinder sind erst wahre Satansbraten, die die männliche Kinderfrau quälen und piesacken, bis sie sich dann allzu plötzlich als verletzliche Kinder erweisen, die keine Mutti haben und für die der Vati nie Zeit hat. Klar wird Horst der große Kinderversteher und Papa-Ersatz. Schweighöfer und Peschel, auch privat beste Freunde, variieren hier das Gegensatzpaar, dass sie schon in „Schlussmacher“ gegeben haben. Und wie in Schweighöfers letztem Regiefilm „Vaterfreuden“ ein Frettchen, sorgt diesmal ein schleimiger Oktopus für eine tierische Nummer. Alles dann doch sehr typische Bausteine eines Schweighöfer-Films. Mit dem sich der Regisseur, Schauspieler, Produzent und Koautor in Personalunion stets selbst domestiziert.

Man könnte verzeihen, dass der Regisseur seine Kinderdarsteller nicht recht anzuleiten weiß. Oder dass Gäste wie Joko Winterscheidt und Cindy aus Marzahn einfach keine Schauspieler sind. Nicht zu verzeihen ist das gänzliche Fehlen von liebevollem Witz, angefangen bei den fast durchweg unsympathischen Figuren (nur Milan Peschel sei hier ausgenommen) bis hin zu unnötig grausamen Pointen.

Richtig ärgerlich wird es aber, wie hier die Verdrängung von wehrlosen Mietern als Subplot herhalten muss, der sich dann doch in realitätsfernem Heititei-Happyend auflöst. Schweighöfer hat wohl gemeint, der Komödie damit einen sozio-politischen Anstrich zu geben. In Wirklichkeit unterstreicht er damit nur, wie wenig Bezug und Gespür er offenbar für reale Nöte hat. So lässt einen der Film leider kalt wie ein Kühlschrank.