Konzerthaus

Guter Geist an einem der schönsten Plätze Europas

Konzerte, Galas, Empfänge: Sherin Sorour leitet im Konzerthaus am Gendarmenmarkt das Veranstaltungsmanagement. Mit ihrem Team muss sie auch Wünsche erfüllen, die an die Grenze des technisch Machbaren gehen.

Foto: Christian Kielmann

Sie entscheidet, auf welchen Plätzen die Bodyguards von Angela Merkel sitzen. Mit dem TV-Team legt sie die Kamerapositionen für die Live-Übertragung fest. Wenn der Sängerin ein Knopf am Abendkleid abreißt, holt sie schnell das Nähzeug aus ihrem Büro. Sherin Sorour ist im Konzerthaus Berlin die Frau für alle Fälle. Klassische Konzerte, aber auch Galas, Empfänge und Preisverleihungen liegen in ihren Händen. Dieser Tage, beim Festival „Mythos Berlin“, ist Zwanziger-Jahre-Flair gefragt, inklusive Gamaschen und Absinth-Lounge. Kein Problem für die Leiterin des Veranstaltungsmanagements im Haus am Gendarmenmarkt.

Mit Bügeleisen und Stimmschlüssel

Bei den eigenen Veranstaltungen des Konzerthauses kümmert sie sich mit ihrem zehnköpfigen Team um die Künstler, richtet die Garderoben her und geleitet die Gäste durchs Haus. Das Kleid ist zerknittert? „Dann haben wir Bügeleisen und Bügelbrett parat.“ Der Cembalist möchte sein Instrument nachstimmen? Ja, in der Schublade der Veranstaltungsmanagerin findet sich auch ein Cembalo-Stimmschlüssel.

Festivals und spezielle Konzertformate sind besondere Herausforderungen für die Abteilung Veranstaltungsmanagement. Für die Reihe „Mittendrin“ müssen alle Stühle im Großen Saal ausgebaut werden, damit sich die Orchestermusiker im Raum verteilen und die Zuhörer dazwischen sitzen können. Für das Südamerika-Festival im vergangenen Jahr haben Sherin Sorours Mitarbeiter Palmen im ganzen Haus aufgestellt, für spezielles Licht, einen Mate-Tee-Stand und ein Espresso-Fahrrad gesorgt.

Repräsentative Feierlichkeiten

Das Konzerthaus plant meist für drei Jahre im Voraus. Wenn die eigenen Veranstaltungen alle in Sherin Sorours Saalbelegungsplan eingetragen sind, kann sie die restlichen Termine zur Vermietung freigeben. Das Rundfunk-Sinfonieorchester, die Staatskapelle, das Festival Young Euro Classic und diverse Berliner Konzertveranstalter gehören zu den Stammgästen. Aber auch Politiker und Unternehmer lassen ihre repräsentativen Feierlichkeiten und Firmenjubiläen gern im Konzerthaus stattfinden.

Der Gendarmenmarkt gilt als einer der schönsten Plätze Europas, der Schinkel-Bau und die große Freitreppe mit dem roten Teppich sorgen immer für einen exklusiven Rahmen. „Deshalb spielt die Vermietung im Konzerthaus eine besonders große Rolle. Etwa die Hälfte aller Veranstaltungen wird von Fremdveranstaltern bestritten.“. Die „Cinema for Peace“-Gala, die Verleihungen des Echo Klassik, des Ordens „Pour la merite“ und des Red Dot Award fanden hier statt, aber auch die offizielle Feierstunde zum Mauerfall-Jubiläum und die Trauerfeier für die NSU-Opfer.

Praktische Arbeit mit Musikern

Seit fünf Jahren leitet Sherin Sorour die Abteilung. In Hamburg hat sie Musikwissenschaft studiert, aber schon während des Studiums festgestellt, dass sie gern in der Praxis mit Musikern arbeiten wollte. Sie begann als Orchesterdisponentin der Philharmoniker Hamburg. „Nach dreieinhalb Jahren bewarb ich mich mutig beim Konzerthaus.“ Ihre Mitarbeiter sind Musikwissenschaftler, Kulturwissenschaftler, Musiker, aber auch eine Architektin und ein Historiker, die sich weitergebildet haben. Sie kümmern sich um Mietverträge, bestellen den Klavierstimmer, legen Probenzeiten fest und organisieren Fototermine für Künstler.

„Frau Merkel und Herr Gauck kennen sich hier schon gut aus“, meint Sherin Sorour. Die Veranstaltungen mit viel Politprominenz und hoher Sicherheitsstufe erfordern besonders viel Vorbereitung. Im Vorfeld kommen das BKA und die Sprengstoffhunde, Delegationen vom Bundespresseamt, vom Kanzleramt, Bundespräsidentenbüro und den Büros einzelner Politiker. Wie hoch soll das Rednerpult sein? Wo sind die Toiletten? Wo gibt es einen Rückzugsraum, falls ein wichtiges Telefonat geführt werden muss? Auch bei Live-Übertragungen muss viel geplant werden. „Die Fernsehteams reisen meist schon vier Tage vor der Veranstaltung an.“ Allein der Einbau der Spidercam unter der Saaldecke dauert zehn Stunden.

Konzerthaus als Bank von England

Manche Firmen wollen ihre großen Jubiläumsveranstaltungen jahrelang im Voraus planen. Fernsehproduktionen fragen dagegen oft ganz kurzfristig nach einem Termin in drei Wochen. Dreharbeiten finden im und am Haus immer wieder statt. Das Konzerthaus war schon die Bank von England in dem Film „In 80 Tagen um die Welt“, ein russisches Pressebüro in „Das Jahr des Hundes“, Konferenzort des G8-Gipfel im Bollywoodfilm „Don – The King is Back“ und ein Casino in „Otto’s Eleven“. „Da hatten wir Fassadenkletterer hier, die das Wort ‚Spielbank‘ in goldenen Styroporlettern an der Hausfront anbrachten.“

Nicht jede Vermietungs-Anfrage wird vom Intendanten genehmigt. Wenn die geplante Veranstaltung dem Profil des Hauses widerspricht oder bei manchen politischen Veranstaltungen moralisch-ethische Bedenken bestehen, erteilt er eine Absage. Hin und wieder gehen die Wünsche rein technisch an die Grenzen des Machbaren. „Es gab auch schon den Wunsch nach einem Laufsteg, der vom Großen Saal aus durch die geöffnete Tür die Freitreppe hinunterführen sollte. Wir haben darüber nachgedacht, aber es ging dann schon aus Termingründen nicht.“ Sherin Sorour und ihr Team bemühen sich, jede Idee zu verwirklichen. Die neue Bühne im Großen Saal, die man komplett bis auf die Saalebene herabfahren kann, eröffnet ganz neue Möglichkeiten: „Da müsste jetzt jemand einen Ball veranstalten. Darauf hätten wir alle große Lust!“