Berlin-Konzert

Adam Lambert spielt den Boy im Goldanzug mit Krone

Seit Freddie Mercurys Tod ist Queen kopflos. Jetzt versucht sich Adam Lambert in der Position als Pop-Prometheus. Dem Berliner Publikum in der fast ausverkauften O2 World hat es gefallen.

Foto: Georg Hochmuth / dpa

Eine Band, da verhält es sich wie mit dem menschlichem Körper, hat im besten Falle nur einen Kopf. So ist es ideal, denn bei zweien bricht sie auseinander (Oasis) und wenn sie keinen mehr hat, dann ist sie tot (Nirvana). Aber dann sind da noch Queen. Seit 1991 versucht sich die Band über alle Popgesetze hinweg zu setzen. Kopflos irrt sie über die Bühnen und versucht den Schlagzeuger Roger Taylor und den Gitarristen Brian May – die stets im Schatten von Freddie Mercury standen – zu Stars, mehr noch zum Pop-Prometheus zu machen.

Frontmann ist mittlerweile Adam Lambert. Der ist ist Amerikaner und sieht aus wie die Glam-Rock-Version der ehemaligen Lagerfeld-Muse Baptiste Giabiconi. Es ist Mittwochabend, die Halle, die bald nicht mehr O2 World heißt, ist voll. Man trägt roten Samt und glitzernde Q-Broschen am Revers. Man liest Tageszeitung, oder späht mit dem Feldstecher Richtung Bühne. Es rumort, es brummt, es raucht – dann wird das Popmonster geboren. „One Vision“ ist das erste Lied und das Thema des Abends. „One flesh, one bone“ singt Lambert lau von der Bühne, die ziert ein großes Q, und in diesem ersten Akt, da steht es für „Questionmark“, ein Fragezeichen. Lambert bewegt sich in langsamer Posen-Stop-Motion. Bei „Fat Bottomed Girls“ fährt er mit der Hand seinen güldenen Mikrofonständer auf und ab und wirkt lustlos. Aus „Killer Queen“ macht er auf einer Chaiselounge liegend Drag Queen. Als er „I Want To Break Free“ singt, glaubt man ihm das sofort. Wenig später ist er weg.

Schließlich wird Freddie Mercury eingeblendet

Brian May sitzt nun ganz vorne, alleine auf einem Hocker, singt „Love Of My Life“, für Freddie, und alle singen mit, und das ist so kitschig-süß, dass man meint gleich kommt noch der Coca-Cola-Weihnachtsruck neben Engeln und Schneeflocken durch die Halle geflogen. Freddie, eingeblendet im Bauch des Q, – es steht jetzt für Queen – singt die letzten Zeilen, und sie zergehen in den Publikumsohren wie warme Schokoladentäfelchen im Publikumsgaumen. Dann folgen Solos. May und seine Gitarre im 70er-Sternschnuppen-Geschwirre. Taylor zusammen mit seinem Sohn am Schlagzeug. Und was soll man sagen, das ist Sex und Kraft und Spiel. Das Publikum hat die Feldstecher abgelegt, es reckt die Fäuste.

Es gelingt ein perfektes Finale

Aus diesem Gestern-Sog heraus entschlüpft ein perfektes Finale. Auch Lambert passt jetzt. Er ist nun der Golden Boy im Goldanzug mit Krone. Wie Jesus nach Ostern singt er „We Will Rock You“ und natürlich „We Are The Champions“. Und während Goldkonfetti über allen explodiert, weiß man nicht, was man als erstes will: Mozartkugeln essen? Eierlikör trinken? Mit Glanzbildchen um sich werfen? Ach, „I want it all!“ will man rufen, denn man weiß jetzt, im Leben bleibt nichts, wie es war, aber alles kommt irgendwann irgendwie immer wieder. Und das ist verdammt tröstlich, so fürs Herz und auch für den Kopf.