Livekonzerte

Diese Popbands kommen im Jahr 2015 nach Berlin

U2, Die Fantastischen Vier, Sting - der Konzertkalender in Berlin ist im kommenden Jahr gut gefüllt. Ein Überblick über die Karawanen der Popsänger in Berliner Arenen.

Foto: Lukas Barth / dpa

Nirgendwo ist Musik so körperlich und emotionsbeladen erlebbar wie im Konzert. Anders, als bei einer CD oder einem Download ist das Konzert für die Besucher ein unwiederbringlicher Moment und von einer Wichtigkeit, die sie konservierter Musik schon lange nicht mehr beimessen. In den vergangenen gut zwei Jahrzehnten hat sich das Konzertgeschäft zu einer umsatzstarken Branche entwickelt, was nicht zuletzt am Niedergang der traditionellen Musikvermarktung auf Platte oder CD lag. Die im Studio zur Perfektion produzierte Musik hat an Wert verloren, das Gemeinschaftserlebnis Konzert hat nach wie vor Konjunktur.

Ein Konzerterlebnis lässt sich nicht illegal downloaden. Es geschieht in diesen ein, zwei Stunden, in denen die Band auf der Bühne steht und ihren Fans das Gefühl gibt, ihnen ganz nahe zu sein. Interessanterweise hat sich auch gezeigt, dass Menschen zwar immer weniger Geld für CDs ausgeben, dafür umso mehr in Konzertkarten und Merchandise-Artikel investieren. Das bringt mit sich, dass die Bühnenshows immer perfekter und aufwendiger werden. Und dass auch bei Live-Shows im Gegensatz zu früher kaum noch Zeit für spontane Ausbrüche bleibt. Im Verlauf einer Tournee wird Leichtigkeit und Authentizität Abend für Abend akribisch inszeniert.

U2 sind die Spitzenverdiener

So ziehen auch im kommenden Jahr die Rock- und Popkarawanen durch die Konzertarenen der Welt und zelebrieren ihre Musik in Mehrzweckhallen und auf Open-Air-Bühnen in opulenten High-Tech-Bühnenbildern. Dabei wird die irische Rockband U2 wohl auch 2015 den ersten Platz in der Forbes-Hitliste der Spitzenverdiener im Konzertgeschäft behaupten. Sie hatten mit ihrem 13. Studioalbum „Songs of Innocence“ einen zwiespältigen Coup gelandet. Sie haben sich an den Elektronikkonzern Apple verkauft.

Rund 500 Millionen Nutzer in 119 Ländern konnten sich gratis die neue U2-Platte auf iTunes herunterladen, ob sie nun wollten oder nicht. Im Web tobte ein Shitstorm gegen diese „Zwangsbeglückung“. Sogar ein Removal-Tool wurde für das Album bereitgestellt. Und dennoch: Das U2-Album wurde bis heute mehr als 81 Millionen Mal gestreamt und von über 30 Millionen Fans heruntergeladen.

Geschadet hat die Aktion der irischen Band nicht

Geschadet hat die Aktion der Band um Sänger Bono jedenfalls nicht. Die meisten Konzerte ihrer Tournee „Innocence + Experience 2015“, die am 14. Mai im kanadischen Vancouver beginnt, waren bereits im Dezember ausverkauft. Weshalb 16 zusätzliche Shows anberaumt wurden. Zwei davon in Berlin. Und so werden U2 nun gleich viermal in Berlin auftreten. Am 24., 25., 28. und 29. September kommen sie in die O2 World nach Friedrichshain. Zu Kartenpreisen zwischen 40 und 400 Euro. Wobei die Gastspiele am 24. und 25. September bereits ausverkauft sind.

Der Konzert-Eventkalender 2015 ist bereits üppig gefüllt. So werden die Mainstream-Hip-Hopper Die Fantastischen Vier ihr Konzert zum 25. Bandjubiläum, das bereits im Dezember stattfinden sollte, am 29. Januar in der O2 World nachholen. Peter Maffay macht am 7. Februar in der O2 World Station und am 9. Juni gleich noch einmal in der Freilichtbühne Wuhlheide. Bereits ausverkauft ist der Auftritt der amerikanischen Maskenmetaller Slipknot am 7. Februar in der Max-Schmeling-Halle.

Auch eine der tragischsten Erscheinungen der Rockgeschichte geht nicht an Berlin vorbei. Die britischen Bombastrocker Queen sind seit 45 Jahren im Geschäft, doch seit mehr als 20 Jahren ohne den stilprägenden und unersetzlichen Sänger Freddie Mercury. So verwalten die verbliebenen Musiker Brian May (Gitarre) und Roger Taylor (Schlagzeug) seither das Erbe, holten sich in den 00er-Jahren den raustimmigen Rocksänger Paul Rodgers in die Band und sind nun mit dem 32-jährigen amerikanischen Sänger und Musicaldarsteller Adam Lambert unterwegs, der 2009 in der achten Staffel der US-Talentshow „American Idol“ Platz 2 machte und nun auf Tournee Freddie Mercury ersetzen soll. Das riecht inzwischen sehr nach einer Cover-Band aus der Doppelgänger-Show „Stars in Concert“, wenn auch auf hohem Niveau. Am 4. Februar sind Queen & Adam Lambert in der O2 World.

Sting und Paul Simon in Friedrichshain

Der Adrenalinspiegel der Rockfans wird am 20. Februar in die Höhe gehen, wenn das phänomenale Indie-Bluesrock-Duo The Black Keys in der Max-Schmeling-Halle Station macht. Popfans wiederum werden aufjauchzen beim Gastspiel von Sängerin Katy Perry, die sich mit ihrem Show-Wanderzirkus unter dem Titel „The Prismatic World Tour“ am 13. März in der O2 World präsentieren wird. Und Fans des gediegenen Rocksongs werden beim gemeinsamen Konzert von Sting und Paul Simon in Erinnerungen schwelgen. Auch sie treten in der Mehrzweckhalle in Friedrichshain auf.

Ebenfalls für die O2 World haben sich die Pop-Metaller Kiss (3. Juni), das skandinavische Duo Roxette (26. Juni), Woodstock-Legende Carlos Santana (5. Juli), Folkrocker Mark Knopfler (8. Juli), Deutschrocker Marius Müller-Westernhagen (24. Oktober), Simply Red (3. November) und Nena (6. November) angekündigt. Und ein jährlicher Höhepunkt der Alte-Herren-Liga steht auch schon fest: Deep Purple kommen am 24. November in die Max-Schmeling-Halle.

Schlagerstars erobern den Markt

Die Open-Air-Saison 2015 wird höchst abwechslungsreich. Längst haben deutsche Schlagerstars ihren Marktwert erkannt und wissen, wie sie sich massentauglich in Szene setzen können. Allen voran Helene Fischer, die am 4. Juli das Olympiastadion erobert. Kollegin Andrea Berg bricht indes am 29. Juli über die Waldbühne herein. Kuriosum am Rande: die deutschtümelnde Schlagerlegende Heino, die sich inzwischen als Hardrocker verkleidet, hat sich mit der „Schwarz blüht der Enzian“-Show für den 23. Oktober in Huxley’s Neuer Welt angekündigt.

Es ist jede Menge los unter freiem Himmel. Der streitbare Herbert Grönemeyer, dessen neues Album „Dauernd Jetzt“ im gesamten deutschsprachigen Raum Platz 1 der Hitlisten belegte und bereits eine Woche nach Veröffentlichung vergoldet wurde, kommt mit seiner Band am 12. und erneut am 21. Juli in die Waldbühne. Und was bei Queen nicht mehr funktionierte, hat bei AC/DC bestens geklappt. Nach dem frühen Tod von Sänger Bon Scott 1980 hat sich Brian Johnson als feste Sängergröße etabliert. Nun muss die Band einen weiteren Besetzungswechsel kompensieren. Anstelle von Malcolm Young, der aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden musste, steht nun sein Neffe Stevie Young an der Rhythmusgitarre. Mit dem neuen Album „Rock Or Bust“ kommt die seit mehr als 40 Jahren tourende Rock-’n’-Roll-Band am 25. Juni ins Olympiastadion. Am selben Ort will Udo Lindenberg seine Karriere am 14. Juli mit einem Konzert krönen.

Gerüchteweise lädt auch der Boss wieder zur Audienz: Bruce Springsteen tourt mit seiner E-Street-Band im kommenden Frühjahr in den USA und soll im Sommer nach Europa kommen. Und dabei am 19. Juni im Olympiastadion auftreten. Wie gesagt: unbestätigte Gerüchte. Aber die Hoffnung bleibt.