Festival

Französische Filmwoche zeigt Highlights aus Nachbars Kino

Zum 14. Mal werden in Berlin große Filme aus Frankreich gezeigt. In sieben Berliner Kinos sind zehn Premieren und weitere 19 Filme zu erleben. Nur auf dem roten Teppich machen sich die Stars rar.

Foto: THIERRY VALLETOUX

Die Liebe ist kompliziert, davon weiß das französische Kino wie kein zweites zu erzählen. In „3 Herzen“ verliebt sich ein Mann kurz aufeinander in zwei Frauen, ohne zu ahnen, dass die beiden Schwestern sind. Das Romantikdrama von Benoit Jacquot eröffnet am 4. Dezember im Kino International die 14. Französische Filmwoche, die bis 10. Dezember in mehreren Berliner Kinos stattfindet. Und wie es sich für einen ordentlichen Eröffnungsfilm gehört, wartet die Deutschlandpremiere mit großem Staraufgebot auf. Charlotte Gainsbourg und Chiara Mastroinanni spielen die Hauptrollen, sowie Mastroiannis Mutter Catherine Deneuve.

Auf dem Roten Teppich wird man die Stars allerdings vergeblich suchen, Benoit Jacquot stellt den Film alleine vor. Traditionell kommen viele Regisseure und Schauspieler zur Filmwoche nach Berlin, doch in diesem Jahr machen sich die Diven rar: Auch Isabelle Huppert und Juliette Binoche sind nur auf der Leinwand zu bewundern.

Das ist natürlich schade, aber angesichts des Programms auch zu verschmerzen. Zehn Premieren laufen in den kommenden Tagen, zum Teil Monate vor dem offiziellen Kinostart. Bei zwei von ihnen ist es womöglich sogar die einzige Möglichkeit, sie zu sehen, sie haben keinen deutschen Verleih. Vielfalt hat sich das vom Institut Français veranstaltete Festival auf die Fahnen geschrieben, wobei es wie in den Vorjahren stark vom geschmackvollen Wohlfühlkino dominiert wird.

Asterix verlässt Gallien nicht

Ein Festivalprogramm ist immer eine Auswahl, doch die Diversität der frankophonen Filmbranche wird nur zum Teil abgebildet, die sehr agile und erfolgreiche Animationsszene etwa fehlt völlig, wie der 3D-Animationsfilm „Asterix im Land der Götter“, aktuell Nummer Eins an den französischen Kinokassen. Und auch so manch anderer Kinohit ist nicht dabei, wie „Heute bin ich Samba“, der Nachfolger der Macher des Megaerfolgs „Ziemlich beste Freunde“.

Auffällig vielfältig sind dagegen die Frauenfiguren. Um gleich elf sehr unterschiedliche Frauen geht es in Audrey Tatas Filmporträt „Sous les jupes des filles“, von der Mutter bis zur Managerin. In „Get – Der Prozess der Viviane Amsalem“ kämpft eine israelische Frau jahrelang vor dem Rabbinergericht für ihre Scheidung, in die ihr Ehemann nicht einwilligt. „Tokyo fiancée“ erzählt vom Kulturschock einer jungen Belgierin, die sich in Japan verliebt.

Und in der Koproduktion „Die Wolken von Sils Maria“ treffen eine mit ihrem Alter hadernde Schauspielerin (Binoche) und ihre blutjunge Konkurrentin (Chloë Grace Moretz) aufeinander. In Nebenrollen und zur Premiere in Berlin: Lars Eidinger, Angela Winkler und Hanns Zischler. Am anrührendsten ist in dieser Reihe sicher „Die Sprache des Herzens“, die wahre Geschichte eines blinden und tauben Mädchens, das mit Hilfe einer Klosterschwester lernt, Anteil an der Welt zu nehmen.

Noch einmal wird Monsieur Claude geehrt

Gezeigt werden aber nicht nur neue Filme, gefeiert wird auch der derzeit größte französische Kinoerfolg in Deutschland. Mehr als 3,5 Millionen Zuschauer hat die Multikultikomödie „Monsieur Claude und seine Töchter“ seit seinem Start Ende Juli bereits in die Kinos gelockt. Am Freitagabend werden Hauptdarsteller Christian Clavier und Regisseur Philippe de Chauveron den Film deshalb persönlich bei einer Galavorstellung im Kino in der Kulturbrauerei vorstellen. „Monsieur Claude“ ist der Retter der Branche, mehr als zwei Drittel Besucherrückgang hatte das frankophone Kino im vergangenen Jahr in Deutschland zu verbuchen. Im Überfliegerjahr 2012 wurden noch 15 Millionen Tickets für französische Produktionen verkauft, davon alleine knapp neun Millionen für die Komödie „Ziemlich beste Freunde“.

In einer spannenden Nebenreihe im Kino Arsenal lässt sich der 1978 geborene Schauspieler Vincent Macaigne entdecken, einer prägenden Figur des gallischen Nachwuchsfilms und hierzulande praktisch unbekannt. Mit seiner tollpatschigen Körperlichkeit und linkischem Humor wirkt er bisweilen wie der junge Gérard Depardieu.

Herzstück der Filmwoche bleibt aber das Cinema Paris im Institut Français am Kudamm. Ein Grund zum Aufatmen: Die im vergangenen Jahr angedrohte Schließung des Hauses ist vorerst abgewendet.

Französische Filmwoche, 4.-10. Dezember. Programm: www.franzoesische-filmwoche.de