Premiere

Katharina Thalbachs „Amphitryon“ tanzt launig Sirtaki

Heinrich von Kleists Stück wird im Berliner Ensemble zu einer albernen aber hochkomischen Verwechslungskomödie - halt ganz Katharina Thalbach. Mit ihr boulevardisiert sich das BE im besten Sinne.

Foto: Eventpress Hoensch

Alles Gute kommt von oben? Ansichtssache. Wenn Obergott Jupiter zu den Menschen niedersteigt und in Gestalt eines andern dessen Frau beglückt, dann führt das bei Heinrich von Kleist zu handfesten Identitätsproblemen. Der UFA war derselbe Kasus 1935 Anlass für das Singspiel „Aus den Wolken kommt das Glück“ mit Willy Fritsch.

Katharina Thalbach, die den „Amphitryon“-Stoff jetzt auf die Bühne des Berliner Ensembles brachte, mixt nun noch Molière, Plautus und Mikis Theodorakis dazu. Und sehr viel Thalbach natürlich. Das Ergebnis ist eine total alberne, aber hoch komische Verwechslungsoperette, in der selbst der Chefgott sich nicht zu schade ist, Sirtaki zu tanzen.

Überhaupt ist dieser Jupiter bei Martin Seifert einer mit sehr menschlichen Gelüsten und Gebrechen. Im Rücken zieht’s, die Zahnprothese wackelt, doch es ist öde im Olymp. Also schnappt er sich die schöne Alkmene (Laura Tratnik), die eigentlich auf ihren Heldengatten Amphitryon wartet, und beschert ihr eine Lust, von der Alkmene gar nicht weiß, dass die tatsächlich eine göttliche ist.

Jupiter hat Menschengestalt angenommen und gleicht ihrem Amphitryon bis in die blondierte Haartolle. Kompliziert wird’s, als der wahre Amphitryon (Guntbert Warns) auftaucht. Jupiters Götterbote Merkur (Raphael Dwinger), der wiederum die Gestalt von Amphitryons Diener Sosias (Martin Schneider) angenommen hat, kann zwar vorübergehend Zeit gewinnen, aber natürlich bahnt sich da ein riesengroßer Schlamassel an.

Den kostet Katharina Thalbach mit ihrem zu jedem Späßchen aufgelegten Ensemble ordentlich aus. Sie geht dabei freilich nicht in die Tiefe, aber mit hemmungsloser, herzenswarmer Überzeichnung sehr in die komödiantische Breite. Im überrealistischen Bühnenbild von Momme Röhrbein kracht und scheppert es vor dem olympischen Hügel, dass es eine wahre Freude ist. Es reimt sich Alkmene auf Migräne und dazu spielt eine Combo wahlweise deutsche Schmonzetten oder griechische Volksweisen. Bei Katharina Thalbach boulevardisiert sich das BE im besten Sinne, und das tut ihm durchaus gut. Ach, was für ein Spaß!

Berliner Ensemble, Bertolt-Brecht-Platz 1. Wieder: 29. 11., 1.12., 20 Uhr.