Literatur

Berliner Buchhandlung Ocelot meldet Insolvenz an

Der unabhängige Buchladen an der Brunnenstraße galt als Vorzeigeunternehmen einer kriselnden Branche. Nun ist er zahlungsunfähig. Inhaber Frithjof Klepp verhandelt jetzt mit potenziellen Investoren.

Foto: Amin Akhtar

Die Buchhandlung Ocelot aus Mitte hat Insolvenz angemeldet. Geschäftsführer und Inhaber Frithjof Klepp war zu dem Entschluss gezwungen, nachdem er kurzfristig keine neuen Eigenkapitalgeber gefunden hat. Der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig, kommt die Insolvenz doch kurz vor dem Weihnachtsgeschäft. Allerdings war der Schritt notwendig geworden, nachdem Ocelot von einigen renommierten Verlagen keine Bücher mehr erhalten hatte.

Mit dieser Zahlungsunfähigkeit, die am 30.10. beim Amtsgericht Charlottenburg angezeigt wurde, ist einer der Vorzeige-Buchläden der Stadt gefährdet. Das ist nicht nur bedauerlich, sondern vor allem auf den ersten Blick unverständlich. Wie kann ein Laden in bester Lage, mit schönem Interieur, ausgewählt guter Belletristik und einem gut vernetzen Inhaber – Klepp war in diesem Jahr einer der Juroren des Deutschen Buchpreises – scheitern? Allein die Gestaltung des Ladens – alles Handarbeit aus edlem Holz – habe 195.000 Euro gekostet, hatte Klepp im Frühjahr der Berliner Morgenpost erzählt. Hier hatte sich, das war für jeden Besucher offensichtlich, jemand seinen Traum vom modernen Buchladen erfüllt.

Für die Branche ist die Insolvenz ein schlechtes Signal. In den vergangenen Jahren ist das Angebot am stationären Handel in Berlin ohnehin spürbar zurückgegangen. Selbst die Buchhandelsketten haben, wie es so schön heißt, ihr Non-Book-Angebot erweitert oder Filialen gleich geschlossen. Daher galt Klepp als Vorzeigeunternehmer, der zu beweisen schien, dass der Handel mit dem „guten Buch“ ein Geschäft mit Zukunft ist.

In dem Schreiben an die Lieferanten, das dieser Zeitung vorliegt, schreibt Klepp nun, dass „bedingt durch hohe Anfangsinvestitionen und Anlaufschwierigkeiten im Online-Geschäft sich nicht kompensierbare Verluste“ eingestellt hätten. Gerade der kostenintensive Aufbau des Online-Shops ist Klepp zum Verhängnis geworden. Auch nach dem Neustart sind die Umsätze bislang nicht ausreichend, dass er sich rentiert. Die gute Nachricht dabei ist: Der stationäre Handel funktioniert, daher wird der Betrieb auch in Eigenverwaltung weitergeführt. Der vorläufige Sachwalter Jürgen Wallner komme zu dem Ergebnis, heißt es in Klepps Schreiben an die Lieferanten, „dass bereits mit großer Wahrscheinlichkeit von einer Fortführungsfähigkeit des operativen Kerns bzw. der Gesellschaft insgesamt ausgegangen werden kann“. Klepp sagte, dass sein Unternehmen kurzfristig eine „mittlere fünfstellige Summe“ brauche, mittelfristig müsse die Eigenkapitalbasis gestärkt werden. Die Verhandlungen mit potenziellen Investoren laufen, nun müsse vor allem erst einmal dafür gesorgt werden, dass das Weihnachtsgeschäft nicht gefährdet sei.

Dass Ocelot nach neuen Partnern sucht, war in der Branche seit einigen Wochen bekannt. In einigen Verlagen wird daher darüber verhandelt, wie sie Ocelot unterstützen könnten. „Mit ein paar Kollegen aus anderen Verlagen in Berlin überlegen wir schon, wie wir eventuell kurzfristig helfen können“, sagte Lars Birken-Bertsch, Marketingchef des Aufbau Verlages.