„Grindr“

Verband verurteilt Kunstaktion „Wanna Play?“ in Berlin

Ein niederländischer Künstler hatte zusammen mit dem Berliner Theater Hebbel am Ufer private Chat-Gespräche einer schwulen Dating-App öffentlich an eine Wand projiziert. Nun regt sich Protest.

Foto: Sonja Deffner / HAU (Hebbel am Ufer)

Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) protestiert gegen die Kunstaktion „Wanna Play? Liebe in Zeiten von Grindr“. „Das ist kein wertvoller Beitrag zur Kunst, sondern eine Aktion, die Menschen in ihren Persönlichkeitsrechten und ihre Privatsphäre stark verletzt“, sagte Jörg Steinert, der Geschäftsführer und Pressesprecher LSVD Berlin-Brandenburg, am Montag. Er betonte, die Initiatoren des Kunstprojekts müssten sich bei allen Betroffenen „explizit entschuldigen“.

Der niederländische Künstler Dries Verhoeven hatte in Zusammenarbeit mit dem Berliner Theater Hebbel am Ufer (HAU) in der Aktion „Wanna Play? Liebe in Zeiten von Grindr“ über die schwule Dating-App Grindr zu anderen Männern Kontakt aufgenommen und diese Chat-Gespräche für Zuschauer lesbar an eine LED-Wand projiziert. Dass die Dialoge ebenso wie ihre Profilfotos veröffentlich wurden, wussten die Gesprächsteilnehmer nicht.

Proteststurm gegen Kunstaktion

Am Wochenende hatte sich ein Proteststurm gegen das Kunstprojekt erhoben, das ursprünglich bis Mitte Oktober laufen sollte. Kritisiert wurde, das schwule Männer mit der Aktion bloßgestellt und hintergangen würden. Mittlerweile wurde das Anfang Oktober gestartete Projekt vorzeitig beendet.

Steinert kritisierte „das Risiko zum Zwangsouting“. Es gebe viele Homosexuelle, die ihre Sexualität nicht offen leben wollen. „Das muss man respektieren“, sagte Steinert. Mit Dries Verhoevens Kunstprojekt werde dieses Selbstbestimmungsrecht jedoch verletzt. Für die Betroffenen steige die Gefahr, sich im Privat- oder im Berufsleben zwangsweise als schwul outen zu müssen.

Steinert kündigte an, dass sich der LSVD Berlin-Brandenburg an die HAU-Geschäftsführung wenden werde, um eine Entschuldigung gegenüber den Betroffenen einzufordern. Er gehe davon aus, dass viele schwule Männer bislang noch gar nicht mitbekommen haben, dass sie unfreiwillig Opfer des Kunstprojekts geworden sind.

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