Workshop

Hau’ mal richtig drauf!

Drittklässler aus Charlottenburg durften sich im Orchesterprobensaal der Deutschen Oper an Triangel, Trommel und Pauke ausprobieren. Bei dem Grundschüler-Workshop stand das Schlagwerk im Mittelpunkt.

Foto: Christian Kielmann / Christian Kielman (3)

„Alles, wo man draufhauen kann, ist Schlagwerk – und fast alles hat man im Orchester schon ausprobiert.“ In den Köpfen von 23 Charlottenburger Drittklässlern rattert es förmlich, während sie nach Ausnahmen suchen: Eine Banane? Gekicher. Oder ein Fußball? Ein Auto? Eine Hupe war auf jeden Fall schon dabei, beendet Solopaukist Benedikt Leithner die aufgeregten Zwischenrufe.

Für den ersten Grundschüler-Workshop zum Thema Schlagwerk hat er im Orchesterprobensaal der Deutschen Oper von der Triangel bis zur großen Trommel alles aufgefahren, was für seine Kollegen und ihn zum Handwerkszeug gehört.

Er stellt gleich klar, was besonders wichtig ist, wenn man an diesen Instrumenten sitzt: „Wir Schlagwerker müssen die diszipliniertesten Musiker überhaupt sein und sofort aufhören, wenn der Dirigent abbricht. Sonst nerven wir die Kollegen. Die finden sowieso immer, dass wir zu laut sind.“ Und tragen deshalb manchmal einen Gehörschutz gegen die Trommelwirbel und Beckenschläge aus der hintersten Reihe des Orchestergrabens.

Lena nickt und meldet sich. Die Achtjährige ist Leithners Tochter. „Wenn Papa zu Hause übt, nervt das voll.“ Dabei sitzt er an Übepauken, auf denen alles ganz leise klingt. Gerade hat Benedikt Leithner ein Solo-Stück „vorgepaukt“, bei dem viel zu hören war: Glissandi, Wirbel, unterschiedliche Klangfarben je nachdem, wo der Schlegel auf das Fell der Pauke trifft.

Wo die tiefsten Töne stecken

„Wie ein kalter Wind“ fühle es sich an, wenn man während eines Wirbels das Gesicht nah ans Instrument halte, findet eines der Kinder. Obwohl der 37-jährige Musiker im Opernorchester fast ausschließlich inmitten seines Paukenquartetts thront, beherrscht er auch den Rest der Schlagwerkfamilie.

Woher er diese vielen Instrumente könne, ruft jemand. Die lerne man an der Musikhochschule, antwortet Leithner, dann spezialisiere man sich. Auf Pauke oder „Mallets“, die „Stabspiele“. Dazu gehören Marimba und Glockenspiel. Eladio probiert es aus: Klingt wie Weihnachten, finden alle.

Unter den Metallplatten der tiefsten Töne entdeckt er, versteckt im Gehäuse, kleine Resonanzröhren – ähnlich den großen, die unter den hölzernen Platten der Marimba angebracht sind. Benedikt Leithner staunt. So genau habe er sich das Instrument seiner Kollegen noch gar nicht angesehen. Aber tiefe Töne bräuchten immer Unterstützung, um sich durchzusetzen: „Je höher, desto lauter!“

Dann spielt er einen Ragtime auf der Marimba: Ein Schlägel bleibt stabil, der andere wird für die verschiedenen Intervalle immer unterschiedlich abgespreizt. Alma und Maja erinnert es an „Unterwassermusik“ aus einem Zeichentrickfilm.

„Wie kannst du dir das alles merken?“ fragt Anmar. Eine solche Leistung muss angemessen entlohnt werden, findet der Junge mit der Brille: „Wie viel verdienst du eigentlich pro Stück?“ Leithner lacht: Man werde nicht pro Musikstück oder für jede der etwa 190 Vorstellungen im Jahr bezahlt, sondern bekomme ein Monatsgehalt, etwa so hoch wie das eines Lehrers.

Erst lernen, dann üben, dann aufführen

Auch musikalische Pausen haben ihre Tücken. Im Gegensatz zu den Streichern, die für die Melodie zuständig sind, muss ein Schlagwerker oft lange und hochkonzentriert auf seinen Einsatz warten. Wird „Der Barbier von Sevilla“ aufgeführt, darf der Paukist schon nach der Ouvertüre nach Hause und während der fünfeinhalbstündigen „Meistersinger von Nürnberg“ hat einer der Schlagzeuger drei Stunden Pause.

Mit Becken, großer Trommel und Tamtam geht es weiter, je zwei Kinder dürfen sie ausprobieren. „Hau’ mal richtig drauf. Voll in die Mitte!“ Jermaine hält den großen, mit zerzauster Schafwolle umwickelten Schlägel in der Hand und lässt ihn vorsichtig auf den ostasiatischen Gong prallen: „Man muss nicht immer laut sein!“ Klassenlehrer René Bartels lacht: „Dass ich das mal von Jermaine höre, hätte ich nicht gedacht!“

Bei der Schnips- und Trommelübung auf dem eigenen Körper, die Benedikt Leithner den Kindern am Ende zeigt, halten sich die Phonzahlen in Grenzen: „So übt man als Anfänger einen Rhythmus, es prägt sich gut ein und funktioniert wie am Schlagzeug. Aber natürlich darf man nicht einfach sein Instrument vergessen und sagen, heute schnips’ ich’s mal!“

„Stampf–Klatsch–Stampf–Stampf–Klatsch“ macht die Hälfte der Klasse, „Schnip-sen–Schnip-sen“ hält die andere dagegen. Eine Mädchencombo mit Alma und Maja hält tapfer durch, während alle, die vorher noch nicht mit Ausprobieren dran waren, nacheinander am Drumset versuchen, beide Rhythmen gleichzeitig zu spielen.

Dem schüchternen Dunba hat ein Freund schon vorher etwas beigebracht. Er darf es vorspielen und Benedikt Leithner lobt. Erst lernen, dann üben, dann aufführen! Das gilt für Perkussion genauso wie für alle anderen Instrumente.