Sanierung

Die Deutsche Oper macht sich fit für die Zukunft

Die Erneuerung der Obermaschinerie war überfällig. Nach der Bauphase verfügt die Deutsche Oper ab Ende November über eine der modernsten Bühnen Europas.

Foto: Buddy Bartelsen / impress picture - Buddy Bartelse

Der Chor ist zum Proben lieber ins Foyer umgezogen. Im Chorsaal ist es einfach zu laut. Sattelschlepper bringen täglich neue Baumaterialien, Metallteile und rote Säcke mit Holzwolle. Die ganze Bühne der Deutschen Oper Berlin hat sich in eine riesige Baustelle verwandelt.

In den letzten beiden Jahren gab es bereits zwei Bauphasen, in denen am Brandschutz, an der Dämmung des Bühnenturms, der Klimatechnik und den Sicherheitsanlagen gearbeitet wurde. Der Spielbetrieb war kaum beeinträchtigt, weil die Bauarbeiten vor allem in den Sommerferien stattfanden.

Höchstens ein paar Stammgäste werden bemerkt haben, dass in der „Zauberflöte“ das Flugwerk für die Knaben nicht mehr benutzt wurde und dass die Dekorationsteile in „Nabucco“ mit mehr Geruckel als üblich nach unten fuhren. Das lag daran, dass mit den Arbeiten auf dem Schnürboden schon begonnen wurde.

Seit Juni findet nun die dritte und umfangreichste Bauphase statt. Die gesamte Obermaschinerie muss erneuert werden, denn sie stammt größtenteils noch aus dem Jahr 1961. Nur punktuell ist in den letzten Jahrzehnten immer wieder einmal etwas ausgetauscht und modernisiert worden.

„Es war ein Flickwerk. Die Grundsanierung war längst überfällig, es gab immer wieder Ausfälle“, erklärt Intendant Dietmar Schwarz. „Die Untermaschinerie ist vor einigen Jahren schon saniert worden.“

Schnürmeister bewegten 27 Meter Wasserschleier hin und her

Hoch oben im Bühnenhimmel arbeiten drei Schnürmeister und ihre sechs Mitarbeiter auf dem Schnürboden. Von hier aus werden an kräftigen Zügen Kulissen und Dekorationen auf die Bühne herabgelassen. Es gibt keine Opernproduktion, bei der diese Obermaschinerie nicht gebraucht wird. Deshalb können bis zum Ende der Sanierungsarbeiten keine Vorstellungen auf der großen Bühne stattfinden.

Die Hälfte der Züge wurde bisher noch von Hand bedient. Wenn die Rheintöchter in den Stoffwellen badeten, zogen die Schnürmeister 27 Meter über ihnen die Wasserschleier hin und her. Sie bewegten auch das Schneenetz, damit es in der „Zauberflöte“ schneite.

Bevor sie an den Handzügen etwas hochzogen oder herabließen, mussten sie auf den noch höher gelegenen Rollenboden klettern und Gegengewichte einsetzen. All das entfällt von nun an, denn Handzüge wird es nicht mehr geben.

In Zukunft funktionieren alle Züge elektrisch und computergesteuert. Es gibt dann 55 Maschinenzüge auf der Bühne und 16 auf der Hinterbühne, daneben noch Punkt-, Panorama- und Beleuchtungszüge. Für die Mitarbeiter auf dem Schnürboden wird die Arbeit körperlich leichter, hohe Konzentration ist aber nach wie vor gefragt.

20 Millionen Euro fließen in die Baumaßnahmen

Weiterhin sind drei bis vier Spezialisten pro Vorstellung auf dem Schnürboden im Einsatz, je nachdem, wie viele Verwandlungen es in der Produktion gibt. Die neue Anlage wird sicherer und viel präziser arbeiten. „Punktgenaue Verwandlungen, unmerkliche Übergänge von einem Raum zum nächsten, die das Publikum kaum wahrnimmt, sind dann möglich“, schwärmt Intendant Dietmar Schwarz.

Auch die Belastbarkeit der Züge ist mit 750 kg statt bisher 300 kg viel höher. Bei großen Gewichten, etwa wenn der mächtige Zeittunnel im „Ring des Nibelungen“ aufgebaut wurde, mussten bisher mehrere Züge zusammenarbeiten. Neben den Zügen werden auch eine neue Portalbrücke und neue Portaltürme eingebaut.

Jetzt werden die Mitarbeiter geschult, die die neue Schalt- und Steuerungsanlage bedienen sollen. Jede Produktion des Hauses muss neu eingerichtet werden. Im Moment läuft alles nach Plan. Es sieht aus, als würden die Gesamtkosten und der Zeitplan eingehalten werden. Die Baumaßnahmen mit einem Umfang von 20 Millionen Euro werden von der Hochbauabteilung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt durchgeführt.

„Am 27. November geht der Vorhang wieder hoch.“ Dietmar Schwarz freut sich auf das Ende der Bauphase, auch wenn es an einem Haus wie der Deutschen Oper mit ihren 1250 Räumen immer etwas zu renovieren gibt. Als Nächstes ist das Dach der Probebühne an der Reihe, weil es hereinregnet. Danach stehen die Künstlergarderoben, die Fenster und die Bestuhlung des Zuschauerraums auf der Wunschliste des Intendanten.