Hörspiel in Berlin

Die „Drei ???“ stellen in Berliner Waldbühne Weltrekord auf

Die Detektivgeschichten um Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews gelten als die erfolgreichste Hörspielproduktion der Welt. In der ausverkauften Waldbühne spielten sie „Phonophobia“ als Live-Show.

Foto: Marcus Brandt / dpa

Die drei Sprecher der beliebten Hörspielserie „Die drei ???“ haben einen Weltrekord im Live-Hörspiel aufgestellt. Das sagte Darsteller Oliver Rohrbeck nach einem Auftritt der „drei Detektive“ am Sonnabendabend in Berlin. Rund 20.000 Fans waren in die Waldbühne gekommen, um den eigens für die Tournee geschriebenen Fall „Phonophobia – Sinfonie der Angst“ gemeinsam zu verfolgen.

Die beliebten Hörspiel-Stimmen Oliver Rohrbeck (Justus Jonas), Jens Wawrczeck (Peter Shaw) und Andreas Fröhlich (Bob Andrews) hatten im Jahr 2010 ebenfalls in der Waldbühne den früheren Rekord aufgestellt – damals noch mit 15.000 Menschen im Publikum.

Ursprünglich galt der ausverkaufte Auftritt an diesem Wochenende als Abschluss der aktuellen Tournee. Jetzt gaben die Veranstalter bekannt, dass es elf Zusatztermine im kommenden Jahr geben wird, unter anderem in Berlin, Stuttgart, Düsseldorf, Bremen und Hamburg.

Erfolgsgeschichte beginnt 1979

Es begann 1979 mit dem ersten Hörspiel „Die drei ??? und der Super-Papagei“, es hat bis heute nicht aufgehört, und es prägte eine ganze Generation.

Der Kult-Faktor um die drei Detektive ist beispiellos. Es ist die erfolgreichste Hörspielproduktion der Welt, über 45 Millionen Mal verkauft.

Kein deutsches Kinderzimmer gab es ohne die schwarzen Kassetten. Noch heute sind sie der beliebteste Artikel auf Flohmärkten. Es gibt Menschen, die können nicht einschlafen, ohne „Die drei ???“ im Bett zu hören. Es sind sehr viele Menschen, sie sind meistens um die 40, und fast immer sind es Frauen.

Seit 35 Jahren dieselben Sprecher

Mit den „Drei ???“ hört die Kindheit niemals auf. Seit 35 Jahren sind es dieselben Sprecher, aufgenommen wird immer noch analog, der Sound ist unverändert und die Welt in Ordnung. Es gibt in den Fällen keine Morde, keine schmutzigen Worte, keinen Sex und immer ein Happy End.

Eine Boygroup fürs Wort, nennt Andreas Fröhlich sich und seine beiden Kollegen Oliver Rohrbeck und Jens Wawrczeck. Sie sind über die Jahrzehnte selbst zu Stars geworden, ein äußerst seltenes Schicksal für Sprecher.

Auf der Bühne werden sie begleitet von Gaststimmen, Musikern und dem Geräuschemacher Jörg Klinkenberg. Es ist gewissermaßen ein, wenn auch durchinszenierter, Blick hinter die Kulissen der Hörspielproduktion, die man hier erleben darf. Auf den Leinwänden wird immer wieder der Geräuschemacher nebst Assistenten eingeblendet. Seine Arbeit sorgt für große Lacher.

Wiederkehrende Sätze als Markenzeichen

Als der Moment kommt, in dem Bob die obligatorische Visitenkarte überreicht, gibt es tosenden Applaus. Es sind diese wiederkehrenden Sätze, die zu Markenzeichen geworden sind, zu Signalen, die in die Kindheit leuchten.

Wirklich spannend ist der neue Fall "Phonophobia" allerdings nicht. Mit einem Heißluftballon stürzen die drei Detektive auf einem Felsplateau ab, wo sie ein mysteriöses Institut für Synästhesie vorfinden. Es gibt dort Musiker, die mit Klängen die Illusion von Farben, Gerüchen und Geschmäckern beim Zuhörer auslösen sollen, einen ominösen Meister namens Yamada, ein verschwundenes Mädchen und ein paar schöne Merkwürdigkeiten.

Die ganze Geschichte kommt schwer in Gang, das Ende dafür plötzlich und schwach, aber das kümmert hier kaum jemanden, geht es doch um das Erlebnis, die Erinnerung und das fröhliche, gemeinsame Altern.

In "Phonophobia" begegnet man auch dem alten Fall "Das Gespensterschloss". 34 Jahre ist der her, in einer Szene hört man als Echo ihre Stimmen von damals, was für eine kollektive Rührung sorgt. Die Selbstironie und die Bezüge zur eigenen Historie sind eindeutig die Höhepunkte an diesem Abend, an dem 20.000 Menschen gemeinsam einem Hörspiel lauschen. Und ein paar echte Kinder sind sogar auch dabei.

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