Film

Jan Schütte verlässt die Deutsche Film- und Fernsehakademie

Ein großer Verlust für Berlin: Der langjährige Leiter der DFFB wechselt an das American Film Institut in Los Angeles. Die Entscheidung kam für das Land offensichtlich überraschend.

Foto: Stefan Falke

"Eigentlich wollte ich ja nach Amerika", heißt ein früher Dokumentarfilm von Jan Schütte. War das prophetischer als gedacht? Wie jetzt bekannt gegeben wurde, verlässt der Regisseur, 56, seinen Posten als Direktor der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB). Es zieht ihn in die USA. Dort wird er ab Herbst Dekan der Filmschule AFI-Conservatory des American Film Institut in Los Angeles.

"Ich danke Jan Schütte für seine engagierte und erfolgreiche Arbeit an der Spitze der DFFB in den letzten vier Jahren", wird der Chef der Berliner Senatskanzlei, Björn Böhning, in einer DFFB-Mitteilung zitiert. Die Entscheidung kam offensichtlich überraschend, Schütte ist wohl abgeworben worden. Das DFFB-Kuratorium und das Land Berlin als Gesellschafter wollen nun rasch klären, wer seine Nachfolge antritt.

Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann

Von dem Angebot aus Übersee ist Schütte nach eigenem Bekunden selber überrascht worden. Eine Headhunter-Firma hat offensichtlich systematisch gesucht, und das weltweit. Umso schmeichelhafter für Schütte, dass man sich am Ende für ihn entschieden hat. Ein Unbekannter ist er in den USA gleichwohl nicht. Er hat zwei Filme in den Staaten gedreht. Er hat zuvor auch bereits zwei Jahre in den Staaten gelehrt, wenngleich bislang an der Ostküste, in Harvard und in Dartmouth. Er hatte darüberhinaus in den vergangenen Jahren schon einige Angebote aus den USA, hat sich bisher aber immer für Berlin entschieden.

Das AFI aber ist eine dieser Angebote, von der es im Film "Der Pate" heißt, dass man sie nicht ablehnen könne. Die AFI sei gar nicht so viel anders als die DFFB, meint Schütte, das Umfeld ist es sehr wohl. Man sei hier "im Herzen der Filmwelt", Hollywood liegt dem Institut buchstäblich zu Füßen und man habe hier auch mit all den Filmemachern zu tun. Das sei eine ganz andere Herausforderung. "Und eine so tolle Chance, dass es wohl jeder verstehen wird, wenn ich gehe."

Ein Rundbrief an seine Studenten

Auch familientechnisch kommt das Angebot zur rechten Zeit. Die jüngste Tochter habe gerade das Abitur gemacht und sei nun flügge. "Normalerweise gehen die Kinder aus dem Haus, bei uns ist es eben andersrum."

Schütte geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Seinen Studenten in Berlin hat Schütte gleich einen Rundbrief geschrieben, damit sie seinen Abgang nicht erst aus der Zeitung erfahren mussten. "Es waren", schreibt er darin, "vier erfüllte, aufregende, zu Beginn sehr turbulente Jahre an der DFFB. Es hat mir sehr großen Spaß gemacht und ich habe diese Zeit und die Zusammenarbeit mit Ihnen allen als sehr bereichernd und spannend empfunden." Er werden den Sommer über die Übergabe so gut wie möglich vorbereiten und mit gleichem Elan versuchen, "die DFFB so optimal wie möglich" für den Nachfolger bzw. die Nachfolgerin vorzubereiten. Bis zum letzten Tag will er dafür in Berlin bleiben. Das wird dann wohl ein wenig schwierig, sich parallel schon auf das neue Amt vorzubereiten, aber das, meint er, sei er der Stadt einfach schuldig.

Maßstäbe in der Ausbildung gesetzt

Schütte war seit Anfang der 80er-Jahre sowohl als Dokumentarfilmer ("Unsere 50er-Jahre") wie auch als Spielfilmregisseur ("Winckelmanns Reisen", "Brechts letzter Sommer") tätig. Seit September 2010 leitete er die DFFB, auch, wie er der Morgenpost einmal scherzhaft sagte, um regelmäßiges Einkommen zu haben.

Als Akademie-Leiter hat er mit neuen Studienformaten, innovativen Projekten und vielen Ideen Maßstäbe in der Ausbildung der Filmstudenten gesetzt. Ungewöhlich viele Hochschularbeiten sind in seiner Amtszeit an internationale Filmfestivals eingeladen worden. Und eine seiner charmantesten Ideen war wohl das Studenten-Couchsurfing: Zur Berlinale luden DFFB-Studenten Kommilitonen aus dem Ausland ein, bei ihnen zu übernachten – und wurden im Gegenzug auch von ihnen eingeladen. Das, fand er, passe doch prima zu Berlin. Dass er am Ende selbst die Couch wechseln würde, war nicht abzusehen.

Schüttes Weggang ist ein großer Verlust für Berlin. Man kann ihm nur wünschen, dass sich in Los Angeles nicht auch ein anderer Filmtitel von ihm bewahrheitet: "Verloren in Amerika".

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