O2 World

Robbie Williams - Revue-Show mit Konfetti und Swing

Was wäre das Pop-Business ohne Robbie Williams? In der O2 World ist er der Star einer durchchoreografierten Show mit buntem Glitzer, Klamottentausch, Kinderchor und allem Pipapo.

Foto: Ferdy Damman / dpa

Vor der O2 World ist nichts los. Ein paar bunte Regenschirme drängeln sich vor dem Plastikvordach, das Wetter ist schlecht. Drinnen verdeckt ein schwerer Samtvorhang die Bühne. Es ist ziemlich voll, im Innenraum stehen vor allem Frauen, auf den äußeren Rängen sitzen auch Männer, die als Begleitung gekommen sind. „First Act“, steht auf dem Vorhang, Fanfaren klingen, dann kommt er endlich: der Robbie. Er trägt einen Frack, posiert und tänzelt aufs Publikum zu, sein eleganter Gehstock glänzt mit den Lackschuhen um die Wette. Er singt „Shine my shoes“, stellt sich förmlich als Robert Peter Williams vor und erklärt die Regeln: „Für die nächsten drei Stunden gehört euer Arsch mir“.

Was wäre das Pop-Business ohne Robbie Williams, den Typen, der einst zu spät zu Gruppenfotos mit seinen Take-That-Kumpanen kam, weil er sich im Hotelpool mit Mädchen, Wodka und Gras amüsieren musste. Der zugedröhnt auf dem Glastonbury-Festival herumstand, im „Ihr-könnt-mich-mal-Modus“ mit wasserstoffblondem Haar und Liam Gallagher im Arm. Der immer wieder in diverse Rehab-Kliniken eingeliefert werden musste, aufgequollen von Fett und Alkohol.

Das ist natürlich nicht der Robbie Williams, auf den die Frauen hier in der O2 World warten. Sie wollen den schönen Robbie Williams sehen – den Mann im Anzug, der so schön singt und so verschmitzt gucken kann. Sie wollen seine Klassenclown-Attitüde, die lustig und vor allem wahnsinnig sexy ist. Ihr Robbie Williams darf ungezogen sein, wenn er scherzhaft den Stinkefinger zeigt oder Fußballhymnen intoniert, und ein bisschen verrucht, wenn die Tattoos durchblitzen. Die wilden Zeiten sind ja vorbei, Williams ist 40 und Familienvater. Eines seiner neueren Tattoos ist ein Teddy, für seine Tochter, demnächst kommt das zweite Kind. Auch wenn er die Faust ballt: Auf den Fingern seiner rechten Hand steht LOVE – ein gemäßigter Bad Boy.

Showbiz-Heirat auf der Bühne

„Alles fit im Schritt?“, fragt Robbie Williams. Er findet auch, dass das Wetter draußen scheiße ist – Gott sei dank regiert in der Halle die Macht des Showbiz – für mieses Wetter ist kein Platz. Was Robbie Williams hier liefert, ist kein Konzert eines Pop-Musikers. Er ist der Star einer Revue-Show, der Robbie-Williams-Revue, durchchoreographiert, mit buntem Glitzer, Klamottentausch, Kinderchor und allem Pipapo. Robbie Williams ist Entertainer, Anführer des Rat Pack und Traumschiffkapitän. Auf den übergroßen LED-Bildschirmen kann man genau sehen, wie Robbie der Schweiß von der Stirn auf den gestärkten Kragen tropft.

Mit dem Vater, der eine überraschend gute Stimme hat, singt Robbie ein Duett. Es gibt sogar eine Showbiz-Heirat, für die der Sänger eine den Umständen entsprechend gefasste Dame zu sich auf die Bühne holt und unter tosendem Applaus vor ihr auf die Knie geht.

Das neue Album heißt „Swings Both Ways“, es ist das zweite aus Williams’ Swing Ära und klingt nach Rat Pack und den Zwanzigern. Ein Tribut an Frank Sinatra, sein Vorbild, dem Mann, der mit Vorliebe von Showtreppen gestiegen ist. Robbies Treppe ist dreistöckig und hat Platz für mehrere Musiker, Tänzer und allerhand Nippes. Neben ein paar eigenen Songs („Go Gentle“, „Love Surpreme“) führt er heute Abend Jazzstandard "Puttin' On The Ritz" aus dem Jahr 1927, Dean Martins "That’s Amore", Jerry Jeff Walkers "Mr. Bojangles" und „Hit the Road Jack“ von Percy Mayfield auf. Dazwischen lässt er Tänzer steppen, es gibt Konfettikanonen, Matrosenkostüme, den Auftritt eines Kinderchors und Fan-Momente, in denen Robbie Selfies mit Mädchen aus der ersten Reihe macht und eine argentinische Flagge mit „In Liebe, Bruno Mars“ unterschreibt.

Alle brüllen Williams größten Hit „Angels“ mit

Robbie Williams ist ehrgeizig, witzig und vor allem authentisch – ob auf dem Weg in die Rehab-Kinik oder heute Abend auf der Bühne. Er kann spitzbübisch lachen und eine ganze Halle mit seinem Charme um den Finger wickeln. Und weil der Robbie einerseits ironisch („No one likes a fat Popstar“) und dann wiederrum so wahnsinnig ehrlich ist, liebt ihn das Publikum.

„Angels“, sein Glanzstück, ist so ein ehrlicher Song. Den singen sie in der O2 World ganz ohne ihn, jeder hier kennt den Text, alle brüllen mit. „Jedes Album, das ich aufnehme, ist der Versuch, einen zweiten Song wie diesen zu schreiben“, sagt Robbie Williams gerne in Interviews. Um die O2 World weiterhin auszuverkaufen, braucht er allerdings keinen weiteren Hit. Es reicht, wenn er auf die Bühne kommt, Witze reißt, tanzt, singt, grinst - solange er zum Schluss „Angels“ singt. Dann darf Robbie alles – auch eine andere heiraten.