Nachruf

Filmemacherin Helma Sanders-Brahms gestorben

Helma Sanders-Brahms letzter großer Film war 2008 „Geliebte Clara“ mit Martina Gedeck. Jetzt starb die Berliner Regisseurin im Alter von 73 Jahren.

Foto: sk / Getty Images

Ihren letzten großen Kinofilm hatte Helma Sanders-Brahms 2008. "Geliebte Clara". Einen Film über die Dreiecksbeziehung zwischen Clara Schumann, der Pianistin, Robert Schumann, dem Pianisten, und Johannes Brahms, ein deutlicher jüngerer, ebenfalls aufstrebender Komponist. Der Film, der in Frankreich produziert wurde, wäre fast geplatzt. Weil Hauptdarstellerin Isabelle Huppert absprang.

Statt dessen sprang, ein mutiger Schritt, Martina Gedeck, ein. Und übernahm ihre erste Rolle in einem französischen Film. Es wurde ein Triumph, für sie wie für die damals 68-jährige Regisseurin, eine Urururgroßnichte von Johannes Brahms. Nun ist Helma Sanders-Brahms, im Alter von 73 Jahren, in Berlin gestorben.

Ihr Name ist untrennbar verbunden mit "Deutschland, bleiche Mutter" (1980). In ihrem bekanntesten Film erzählt sie die Geschichte ihrer eigenen Mutter in den Tagen nach dem Krieg, wie sie mit einem kleinen Mädchen - sie selbst - durch die Ruinen läuft. Diese fiktiven Szenen wurden mit Archivmaterial aufgefüllt. Eine schonungslos subjektive Art der Erinnerung, die doch eine Authentizität erreichte, die anderen Filmen über den Krieg sonst gerne fehlte.

Starke feministische Stimme

Sanders-Brahms, 1940 in Emden geboren, knüpfte erste Kontakte mit dem Fernsehen als Ansagerin im WDR (der später mehrere ihrer Filme koproduzierte). Nach einigen Hospitanzen bei italienischen Filmen von Pasolini und Corbucci realisierte sie 1969 ihren ersten Kurzfilm. Als Regisseurin machte sie zunächst mit Dokumentarfilmen aus der Arbeitswelt auf sich aufmerksam, bis sie 1974 mit "Die letzten Tage von Gomorrha" ihren ersten Spielfilm realisierte. Sie wurde beim Neuen Deutschen Film neben Margarethe von Trotta die große Vertreterin des feministischen Films. Dabei wurde sie im Ausland oft besser aufgenommen als zuhause. "Deutschland, bleiche Mutter" wurde auf der Berlinale derart ausgebuht, dass ihn der Verleih nicht ins Kino brachte, in Frankreich dagegen lief er mit großem Erfolg.

Im Laufe von 40 Jahren hat die Regisseruin 30 Filme gedreht, für die sie auch das Drehbuch schrieb. Darunter waren Filme wie "Unter dem Pflaster ist der Strand" (1975), der sich mit dem Paragraphen 218 auseinandersetzte, sowie "Shirins Hochzeit" (1976), der erste Film, der das Thema Zwangsheirat von Türkinnen behandelte.

Eine Kämpferin bis zum Schluss

Seit 1997 war die Filmautorin Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Am Dienstag ist sie nun, wie die Akademie bekannt gab, nach langer Krankheit gestorben. "Sie war eine Kämpferin bis zum Schluss, eine sensible Amazone, mit großem Gespür für das oft komplizierte Verhältnis zwischen Männern und Frauen in einer schwierigen Welt", sagt die Filmemacherin Jutta Brückner über sie.

Ulrich Gregor, ebenfalls Mitglied der Akademie der Künste, würdigt Helma Sanders-Brahms: "Sie war eine engagierte und leidenschaftliche Filmemacherin wie keine andere, aktiv im Dokumentarfilm ebenso wie im Spielfilm. Ihr Film 'Deutschland, bleiche Mutter' ist ein Meilenstein der deutschen Filmgeschichte. Ihr Tod reißt eine schmerzliche Lücke in die Filmlandschaft."

Foto: Bernd Spauke / Kinowelt

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