Klassik

Rolando Villazón ist ein Mozart-Sänger voller Einfühlung

Singt er oder nicht? Startenor Rolando Villazón hat in seiner Karriere eine Stimmkrise überwunden. In der Philharmonie hatte er sich mit einem Mozart-Programm angekündigt - und überzeugte.

Foto: dpa Picture-Alliance / Antti Aimo-Koivisto / picture alliance / dpa

Bei Mozart geht für Sänger um alles. Schaffen es seine Stimmbänder heute Abend oder schaffen sie es nicht? Wie kaum ein anderes Organ eines Sängers sind die Stimmbänder von Rolando Villazón der öffentlichen Spekulation preisgegeben. Nicht nur auf den stimmsensiblen Startenor, sondern gleichermaßen auf unsere Gesellschaft, die der Kulturtechnik des Kunstgesangs immer fremder gegenübersteht, wirft das ein trübes Licht. Man kann eben eine Stimme nicht von dem Menschen, der sie besitzt und gebraucht, trennen. Zu oft hat diese Unsitte dazu beigetragen, den mexikanischen Sänger in eine Stimmkrise zu stürzen. Im letzten Jahr wollte Villazón im Konzerthaus am Gendarmenmarkt Lieder des amerikanischen Komponisten Elliott Carter aufführen. Dazu kam es aber nicht, nach zwei Mozart-Arien zuvor war bereits Schluss. Grund: eine Erkältung.

Partner von Anna Netrebko

Nicht, dass der Villazón-Abend in der Philharmonie jetzt keine stimmlichen Höhepunkte zu bieten hatte. Doch Villazón ist eben keiner, der seine Stimme sozusagen "als solche" gerne ausstellt – unabhängig davon, dass sie "als solche" längst nicht mehr so brillant funktioniert wie in der Zeit seiner Opern-Partnerschaft mit Anna Netrebko. Villazón scheint sich in komödiantischen, quirligen Nummern ohnehin eher zu Hause zu fühlen – solchen, die den Darsteller, den Menschen fordern.

Einige der unbekannten Mozart-Arien, die der Sänger unter Begleitung des Kammerorchesters Basel präsentiert, kommen ihm da entgegen – etwa jene aus dem unbekannten Opera-buffa-Fragment "Lo sposo deluso" des 28-jährigen Mozart. Villazón lässt seine buschigen Augenbrauen komödiantisch hüpfen, setzt spielerisch inneren und äußeren Monolog stimmlich und darstellerisch voneinander ab.

Der Tenor glänzt in hohen Lagen

Auf dieser künstlerischen Basis kann er durchaus auch in einer großen tragischen Konzertarie wie "Misero! O sogno o son desto?" überzeugen. Und wenn es um intensiven Ausdruck geht, kann die Stimme in hohen Lagen auch gelegentlich noch glänzen. Doch zunächst steht fest: Rolando Villazón füllt den teilweise vorklassischen Vokalstil dieses gänzlich unbekannten Mozart mit großer Intelligenz und einfühlsamer Menschlichkeit aus – das kennzeichnet diesen Künstler. Man würde wohl keinem Sänger und Villazón schon gar nicht gerecht, würde man nur auf isolierte stimmliche Glanzpunkte warten.

Höhepunkt ist die Prager Symphonie

Wohl nicht zuletzt, um die anfällige Stimme Villazóns zu schonen, spielt das Kammerorchester Basel zwischen den Gesangsnummern die Ouvertüre zu Mozarts früher Oper "Lucio Silla", zwei Märsche sowie die Prager Symphonie – ein heimlicher Höhepunkt des Konzerts. Unter souveräner Führung seines Konzertmeisters Florian Donderer verzichtet das Orchester auf einen Dirigenten, und dies mit Gewinn. Unter unerhörter Binnenspannung tritt das Ensemble in die langsame Einleitung der Symphonie ein, und selbst heikle Einsätze im Finale scheinen in der feinen Kommunikation von Allen mit Allen kein Problem darzustellen.

Rolando Villazóns Stärken in diesem Konzert sind sein brennendes Interesse für Mozart jenseits der längst klischierten, bekannten Werke – und sein Interesse an kongenialen musikalischen Partnern. Gerade auch das zeichnet einen großen Künstler aus.

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