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Rolando Villazón stellt sich in Berlin als Regisseur vor

Startenor Rolando Villazón inszeniert an der Deutschen Oper Puccinis Operette „La Rondine“ - seine erste Regiearbeit in Berlin. Doch vorher singt er noch Mozart in der Berliner Philharmonie.

Foto: dpa Picture-Alliance / Antti Aimo-Koivisto / picture alliance / dpa

Rolando Villazón hat an der Seite von Anna Netrebko Triumphe gefeiert, und das auch an der Staatsoper Unter den Linden, wo Stardirigent Daniel Barenboim zu seinen Förderern gehörte. Nach einer schweren Stimmkrise 2006 ist der mexikanische Tenor längst auf die großen Bühnen zurückgekehrt. In der Philharmonie wird Villazón am 2. Mai mit seinem Mozart-Programm zu erleben sein. Inzwischen ist der Musiker auch als Opernregisseur unterwegs. An der Deutschen Oper inszeniert Villazón im März 2015 Puccinis Operette „La Rondine“.

Berliner Morgenpost: Eigentlich vermutet man Sie immer an der Staatsoper, umso überraschender ist es, dass Sie Ihr Berliner Regiedebüt an der Deutschen Oper geben. Wie ist es dazu gekommen?

Rolando Villazón: Eines Tages hat mich mein Management angerufen und gefragt, ob ich Puccinis „Rondine“ an der Deutschen Oper Berlin inszenieren wolle. Ich glaube, sie hatten meine Arbeiten in Baden-Baden und Lyon gesehen. Später habe ich mit dem Intendanten Dietmar Schwarz einen Kaffee in Wien getrunken. Ich bin sehr froh über das Angebot. Das Konzept steht auch schon. Und ich komme gerne wieder nach Berlin. Es ist ja bekannt, wie sehr ich die Stadt liebe.

Es ist Ihre dritte Inszenierung. Sie sind eigentlich Sänger, das Handwerk des Regisseurs ist ein anderes. Was haben Sie aus den ersten Regiearbeiten gelernt?

Es ist dann meine vierte Inszenierung, denn vorher kommt noch „Viva la mamma“ in Wien. Meine bisherigen Regiearbeiten sind gut gelaufen, die Sänger waren glücklich. Ich versuche natürlich, meine Sänger so zu inszenieren, wie ich selber als Sänger gerne inszeniert sein möchte. Und ich möchte immer eine moderne Visualität auf der Bühne haben. Für mich muss eine Inszenierung grundsätzlich sehr musikalisch sein. Ich lege vorher eine Art Landkarte, eine Roadmap, für die einzelnen Charaktere an, dazu können die Sänger dann eigene Ideen einbringen. Ich glaube, das Stück gehört am Ende immer den Leuten, die es machen. Der Regisseur baut immer nur eine Welt mit ihren Spielregeln. Belebt wird sie von den Sängern.

Wollen Sie jetzt regelmäßig inszenieren?

Allein im nächsten Jahr mache ich drei Inszenierungen. „Rondine“ in Berlin, Verdis „La Traviata“ in Baden-Baden und eben Donizettis „Viva la mamma“ an der Volksoper Wien. Für 2016 gibt es auch schon eine Idee. Ich bin sehr glücklich über diese Projekte.

Haben Sie selbst bei jemandem Regieunterricht genommen?

Nein, aber ich habe viel mit dem britischen Regisseur Richard Jones gearbeitet. Wir haben viel über Inszenierungen gesprochen. Er hat mir gesagt, ich solle Oper inszenieren, aber ich sagte immer Nein, weil ich doch ein Sänger bin. Aber in meinen 20 Jahren Karriere habe ich mich eigentlich immer für die Arbeit der Regisseure interessiert.

Was ist Ihre Idee für die Deutsche Oper?

Ich habe eine, aber es noch zu früh, konkret darüber zu sprechen. Es geht im Stück um eine starke Frau, Freiheit ist ihre Natur. Eine Art feministischer geprägter Traumerzählung. Außerdem ist es eine wunderschön kitschige Musik.

Wo werden Sie die Handlung anlegen – vielleicht im heutigen Berlin?

Ich glaube daran, dass der Ort, das Land immer das Theater selbst ist. Oper ist ein Zauberland und kein Museum. Gerade das Unverortete macht doch den Reiz der Oper aus. Die Bühne ist eine ganz eigene ästhetische Welt. Darin gibt es vielleicht eine Stadt, die vielleicht an die 20er-Jahre erinnert. Mit viel Nostalgie, mit Melancholie vielleicht.

Für Sie als Tenor muss es doch furchtbar sein, andere Tenöre zu inszenieren?

Warum?

Weil die vielleicht besser oder auch schlechter sind als Sie selbst?

Meine Besetzungen sind fantastisch. Mit dem amerikanischen Tenor Charles Castronovo, der in Berlin den Ruggero singen wird, bin ich befreundet. Er war der Nemorino in Wien, als ich dort den Lenski gesungen habe. Wir sind regelmäßig ein Glas Wein trinken gegangen und haben viel gesprochen. Ich arbeite lieber mit musikalisch intelligenten Künstlern. Das macht das Leben einfacher.

Haben Sie schon einen Villazón-Regiestil an sich bemerkt?

Das ist noch zu früh. Wenn ich zehn Inszenierungen gemacht habe, kann ich vielleicht darüber reden. Aber wichtig ist mir: hohe Musikalität, ein moderner Erzählstil und das Theatralische. Ich werde niemals gegen die Musik arbeiten. Filmeinspielungen sind mir zu realistisch. Und ein Museum soll es auch nicht sein. Aber was ich jetzt sage, das ist natürlich alles nicht neu. Ich weiß nicht, ob man da von Regiestil reden darf.

Als Sänger werden Sie nach jeder Vorstellung gefeiert, wie der Dirigent ja auch. Nun sitzen Sie als Regisseur unbeteiligt im dunklen Saal. Ist das für Sie nicht ein seltsames Gefühl?

Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Aber tatsächlich ist es die Aufgabe des Regisseurs, sich in seiner Arbeit immer weiter vom Stück zu entfernen, es anderen zu übergeben. Spätestens nach der Generalprobe muss man loslassen können. In der Premiere ist der Regisseur nur noch Teil des Publikums. Manche gehen lieber in die Kantine, trinken dort Bier und kommen zum Applaus zurück.

Und was machen Sie?

Ich sitze mit im Saal.

An der Deutschen Oper wechseln Sie in der kommenden Saison hin und her. Dreimal singen Sie Don Carlo auf der Bühne, dann sind Sie als Regisseur hinter der Bühne unterwegs. Hadern Sie als Sänger inzwischen mit anderen Regisseuren?

Generell ist es so, dass ich mit einigen Regisseuren mehr Spaß habe als mit anderen. Aber ich versuche immer zu verstehen, welche Welt sich ein Regisseur kreiert hat und versuche darin mein Bestes zu geben. Man kann ja auch „Traviata“ in fünf verschiedenen Inszenierungen rund um Welt singen. Kurz nachdem ich meinen „Werther“ inszeniert hatte, sang ich in Covent Garden in einer anderen Regie. Ich kann die Welten gut auseinander halten.

Demnächst singen Sie Mozart-Arien in der Philharmonie. Im vergangenen Jahr mussten Sie ein Konzert in Berlin abbrechen, weil Ihre Stimme erkältet war. Das war für Sie sicherlich ein Albtraum?

Ja. Aber es ist die Geschichte jedes Sängers, weil jeder zwischendurch an einem Punkt ist, wo er eine Vorstellung absagen muss. Wobei das bei mir, mit meiner Geschichte, immer größer gemacht wird als es ist. Damit muss ich leben.

Gehört Mozart für Sie zum leichteren oder schwereren Repertoire?

Mozart ist schwierig zu singen. Aber es ist ebenso schwierig, Verdi oder Schumann zu singen. Ist es leichter, ein Kugelstoßer zu sein oder ein Turner? Ist es leichter zu laufen oder zu schwimmen? Bei Mozart braucht es sicherlich mehr Feinheit als bei anderen großen Komponisten. Aber athletisch ist seine Musik auch.

Sie haben einmal nach Ihrer überwundenen Stimmkrise angekündigt, etwas ruhiger treten zu wollen. Aber man sieht Sie regelmäßig im Fernsehen, Sie singen, inszenieren zunehmend mehr, schreiben Bücher.

Aber ich schaue seit vielen Jahren kein Fernsehen mehr und bin fast nie im Internet unterwegs. Also habe ich mehr Zeit, die ich auch mit meiner Familie verbringe. Außerdem halte ich Kunst immer für die beste Unterhaltung.

Philharmonie Mozart-Konzertarien, 2. Mai, 20 Uhr, Karten: 0800-6336620

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